Mittwoch, September 09, 2020

Interreligiöser Rundbrief ... Nr. 2020-3 (09.09.2020)

 

Interreligiöser Rundbrief für Bonn und Umgebung Nr. 2020-3
(09.09.2020)

 

„Wenn die Beteiligten bereit sind, voneinander zu lernen, entsteht der Dialog schon durch ihr bloßes Zusammensein.“[1]                                                      Thich Nhat Hanh

 

Liebe Leser*innen,

seit dem letzten Interreligiösen Rundbrief sind fünf oder schon fast sechs Monate vergangen. Es war ein eigenartiger Frühling und Sommer unter Corona-Bedingungen. Ich möchte ein wenig erzählen, wie es mir dabei ergangen ist, wobei ich ein paar Punkte herausgreife, die thematisch zum interreligiösen Rundbrief passen. Auch das Zitat oben von Thich Nhat Hanh passt, denn es fanden einige Dialoge in den letzten Monaten statt, an denen ich teilnehmen durfte. Das Zitat ist indes aus dem Zusammenhang gerissen, denn es ist im Buch selbst eingebettet in Aussagen über die authentische Repräsentation der je eigenen Tradition, was ich jetzt aber mal unthematisiert lasse. Aber ich stelle die Frage, ob man denn zusammen sein kann, wenn man sich nur übers Internet austauscht. Sind Ferndialoge möglich und sinnvoll? Ich fange mal mit meiner hauptberuflichen Arbeit an:


Online-Semester

Für mich fünf arbeitsreiche Monate, da ich ein sogenanntes Online-Semester durchführte. Um Ansteckungen mit Corona oder Covid-19 zu verhindern, wurden, soweit irgend möglich, alle Lehrveranstaltungen über das Internet gehalten. Das ergab für alle Lehrenden große Unsicherheiten und Herausforderungen, denn fast keiner wusste, wie das geht. In meiner Uni, Bielefeld, wurden uns einige Techniken zur Verfügung gestellt, Fortbildungen dazu angeboten, und dann hieß es ausprobieren, experimentieren und schauen, was wie am besten funktioniert. Ich habe es letztlich so gemacht, dass ich meinen Studierenden 1) wie immer die Powerpoint-Präsentationen auf einer ihnen zugänglichen Seite der Uni, dem eKVV (elektronischen Kommentierten Vorlesungsverzeichnis) und darin in einem „Lernraum“ zur Verfügung stellte, b) über das Programm Zoom Online-Unterricht abhielt, also synchronen Unterricht, dem jede*r von zu Hause aus beiwohnte und c) auch noch Lehrvideos anfertigte, damit die Studierenden auch asynchron sich den Unterricht anschauen konnten, wann immer sie wollten. So hoffe ich, alle erreicht zu haben, die erreicht werden wollten.  

Nicht alle hatten die technische Möglichkeit, den Zoom-Sitzungen beizuwohnen, aber die Videos konnten alle sehen. Manche wollten auch nicht live dabei sein, was in normalen Semestern aber auch der Fall ist. Letztlich gab es dann aber eine Klausur in der Uni, und zwar in einer Sporthalle, wo alle mit ausreichendem Abstand voneinander sitzen konnten. Das war schon ein bisschen stressig. Aber es hat sich niemand dabei infiziert, obwohl der Kreis Gütersloh direkt nebenan liegt. Eine Klausur haben wir auch noch vor uns, denn ich wollte den Run auf die wenigen genügend großen Räume entzerren. Den Studierenden war es recht.

Obwohl ich so nicht wöchentlich nach Bielefeld fahren musste, sparte ich keine Zeit, sondern die floss in die Videos usw. Unser Rektor lobte alle Mitarbeiter*innen dafür, dass niemand Überstunden angerechnet hat. Wir sind halt alle Überzeugungstäter*innen.  

Der direkte Austausch oder Dialog mit den Studierenden war indes nicht so gegeben, wie man ihn vor Ort beim Zusammensein in demselben Raum praktizieren kann. Der Dialog wurde oft noch mehr zum Monolog als er es im Präsenzunterricht auch schon streckenweise ist. Aber man muss eben Prioritäten setzen, und diese liegen nun mal bei der Sicherheit für Lehrende und Studierende und alle Mitmenschen, die man unterwegs sonst so zu treffen pflegt.  

 

Religions for Peace – Maskenverteilaktion


Derweil kamen im Frühling einige Tausend Mund-und-Nasen-Schutzmasken als Geschenk von Religions for Peace China an Religions for Peace Deutschland, die von Religions for Peace Rhein/Main am Frankfurter Flughafen abgeholt und dann in 1500er-Paketen an die 13 deutschen RfP-Ortsgruppen verschickt wurden. So holte auch ich eines Tages zwei Pakete von der Siegburger Post ab und gab sie in Siegburg und Bonn im Rahmen des Interreligiösen Friedensnetzwerks Bonn und Region weiter, und zwar in Siegburg an den Die Welt ist bunt e.V., der wiederum damit aus Syrien geflohene Familien in Siegburg versorgte, in Bonn an das Zentrallager Sachspenden Bonn, die Evangelische Migrations- und Flüchtlingsarbeit, das Bonner Institut für Migrationsforschung und Interkulturelles Lernen, die Römisch-Katholische Kirche, die Bahá’í-Gemeinde und die Zen-Peacemaker weiter, die wiederum damit Geflüchtete, Obdachlose und Ratsuchende damit versorgten. Wie sagt man so schön: Die gingen weg wie warme Semmeln. Und wie warme Semmeln schnell gegessen sind, so sind diese Einwegmasken inzwischen sicher längst alle verbraucht und entsorgt. Aber im Mai/Juni war der Handel noch nicht so weit, sie massenweise anzubieten. Und zudem, musste ja niemand etwas für dieses Geschenk aus China zahlen.

Ich war ja anfangs auch etwas skeptisch, warum denn grade aus China so eine Spende kommen sollte, aber der RfP Deutschland-Vorsitzende Franz Brendle kennt die Kolleg*innen in China und zerstreute alle Verdächtigungen, die Regierung der VR China könnte damit was zu tun haben.  So also ein herzliches Xie xie nach China!












Hier ein paar Fotos der Masken-Aktion:

Abholung bei der Post in Siegburg; Foto: Petra Schenk-Schmiedel
(2020.05.18Mo MAS SD M438-1515 DSC02384)

Übergabe der Masken in Siegburg; Foto: Michael A. Schmiedel (mit Selbstauslöser) (2020.05.29Fr MAS CF M65-3488 IMG_8695)

Übergabe der Masken in Bonn; Foto: Michael A. Schmiedel (mit Selbstauslöser)
(2020.06.12Fr MAS CF M65-4740 IMG_9957)


Da kamen wir also physisch zusammen. Ein Dialog wurde dabei aber auch nicht praktiziert, sondern es war „nur“ praktische Hilfe. Aber immerhin ermöglichten die Masken dann, dass Menschen im selben Raum miteinander sein konnten, etwa bei Sozialberatungsgesprächen oder Arztbesuchen. Die Ansteckungsgefahr wurde durch die Masken nicht verunmöglicht, aber reduziert. Sozusagen war die Maskenverteilung eine Hilfestellung für die Möglichkeit von Dialogen.

 

Diskussionen rund um Corona

Auch derweil entwickelten sich ausgiebige Diskussionen darüber, ob es denn überhaupt eine Pandemie gebe oder ob das nicht nur eine Ansammlung von wem auch immer gesteuerte Falschmeldungen sei. Oder wenn das Virus tatsächlich existent und gefährlich sei, ob es denn wirklich so gefährlich sei, dass derartige Schutzmaßnahmen von der Maske bis zur Quarantäne und dem Runterfahren ganzer Wirtschaftsbereiche gerechtfertigt seien. Skeptiker sammelten fleißig Widersprüche und Falschmeldungen in den Medien, hörten aufmerksam den einander widersprechenden Expert*innen zu und zogen daraus teils differenzierte, teils pauschale Schlüsse. Schimpfwörter zwischen denen, die die Schutzmaßnahmen befürworteten und denen, die sie ablehnten, blieben nicht aus. Ich schreibe im Präteritum, aber es geht ja immer weiter. So werden auch die Berichte über die Demonstrationen in Berlin sehr verschieden interpretiert. Für die einen demonstrierte da „das Volk“, das die Mehrheit des Volkes repräsentierte, für die anderen demonstrierte da eine kleine, aber laute Gruppe von Fanatikern, die entweder politisch recht gewesen seien oder sich zumindest von den politisch Rechten, also den Nationalisten, nicht gebührend distanzierten. Ich hatte im Internet einen einigermaßen funktionierenden Dialog mit einem Vertreter der Gegner der Schutzmaßnahmen, mit dem ich einen recht sachlichen Austausch pflegen konnte. Nur leider blieb er mir gegenüber anonym mit einem Nicknamen, was mir für einen echten Dialog dann doch unangemessen erschien, so dass ich es wieder sein ließ. Nun, er hatte Angst um seinen Arbeitsplatz, sollte sich seine Identität verbunden mit seiner politischen Meinung herumsprechen. Ich finde, man sollte diese Gegner der Schutzmaßnahmen differenziert betrachten und zugleich die Gefährlichkeit der Unterwanderung und Instrumentalisierung dieser Gegner durch Nationalisten scharf im Auge behalten und denen unter den Gegnern, die mit Nationalismus nichts am Hut haben, auch klar machen, wer sie da vor den eigenen Karren spannt. Das – ich nenne es mal so – nationalistische, ethnozentrische und religionistische Gift ist schon sehr stark verbreitet in vielen Ländern der Erde und bringt selten was Gutes, sondern meistens Aggression, Feindschaft gegenüber Menschen anderer Herkunft und Verfolgung Andersdenkender. Manchen Demonstrant*innen mag das egal sein, denn sie demonstrieren nur für ihre eigene Freiheit und hätten vielleicht am liebsten eine Anarchie, in der es keine Gesetze und Vorschriften gibt. Die würden sich bei einem Sieg der Nationalisten wohl am meisten wundern, wen sie da unterstützt haben, aber dann wäre es zu spät. Ich denke, Freiheit und Verantwortung oder Rechte und Pflichten sind zwei Seiten einer Medaille. Und auch wenn man kritisch sein sollte, sollte man sich nicht für klüger als alle Experten der Welt halten. Dass auch Experten einander widersprechen verwundert doch nur den, der nicht weiß, wie Wissenschaft funktioniert. Da gibt es viele Irrtümer und Fehlversuche und es gibt auch Wissenschaftler*innen die auf ihren Irrtümern beharren, aber im Laufe des Diskurses setzt sich meistens ein gangbarer Weg voller Teilerkenntnisse durch, die nach und nach immer mehr von Fehlern befreit werden. Die Übertragung in die Politik und die öffentliche Meinung ist noch mal eine andere Sache und kann noch um einiges länger dauern. Und wenn die Politiker*innen Entscheidungen treffen, die andere Menschen nicht nachvollziehen können, gibt es Diskussionen. Das ist ganz normal. Dann müssen die Politiker*innen und die Wissenschaftler*innen erklären. Nur wenn man ihnen nicht mehr zuhört, kann man auch nichts lernen. Wenn man einander nur noch misstraut, kann keine vernünftige Diskussion und erst recht kein Dialog und keine Kooperation stattfinden.

Ich führte solche Gespräche also auch nur übers Internet. Ich weiß auch nicht, ob ich mich gerne mit jemandem physisch treffen würde, der jede Sicherheitsmaßnahme für Unsinn hält, keine Maske trägt, keinen Abstand hält und so weiter. Das macht den Dialog natürlich auch nochmal schwieriger.

 

Interreligiöser Online-Dialog

Ist der oben erwähnte Dialog mit einem Gegner der Schutzmaßnahmen auch leider ergebnislos zu Ende gegangen, wobei ein gegenseitiger Respekt, den wir uns erarbeitet haben, ja auch schon mal ein Ergebnis ist, so habe ich einige andere, jetzt wirklich interreligiöse Dialoge von zu Hause aus mitgemacht, die ich als sehr wohltuend empfand und weiterhin empfinde. Zum Beispiel haben wir unseren interreligiösen Gesprächskreis von Religions for Peace Bonn/Köln in eine Telefonkonferenz verwandelt. Man wählt die Nummer eines Anbieters, bei dem diese Konferenz angemeldet wurde, und der verbindet dann mehrere Teilnehmer miteinander, so dass sie miteinander reden können. So waren wir zwischen fünf und zehn Teilnehmer*innen und sprachen im wahrsten Sinne des Wortes über Gott und die Welt, so wie wir es in Vorcoronazeiten bei Lioba von Lovenberg zu Hause taten und irgendwann auch wieder tun wollen. Man muss sich natürlich an der Stimme erkennen, kann keine Gesichter und keine Gestik sehen. Aber so liefen die bisherigen Gespräche vielleicht sogar disziplinierter ab, weil jeder erstmal lauschte, ob jemand anders gerade was sagen wollte, bevor er*sie selbst das Wort ergriff. Und wir beschränkten die Zeit auf eine Stunde.

Mit Gesichtersehen liefen dagegen die Sohbets, türkisch für „Teegespräche“, des Verbandes Engagierte Zivilgesellschaft NRW (VEZ) ab, zu denen ich eines Tages eingeladen wurde. Denn für diese wurde das mit von meiner Uni-Arbeit bekannte Zoom-Programm verwendet. Zusätzlich zu den bis zu neun aktiven Teilnehmer*innen konnten noch viele weitere passiv über Youtube zusehen und zuhören. Und auf Youtube sind die Teegespräche auch gespeichert und nach wie vor abrufbar. Der VEZ ist ein muslimischer Verband, der zur Hizmet-Bewegung gehört, die wiederum von Fetullah Gülen inspiriert ist. Ich weiß nicht genau, was ich so im großen Ganzen von Fetullah Gülen halte, aber ich halte sehr viel von diesen dialogaktiven meist jungen Muslim*innen und auch den christlichen und jüdischen Gesprächsteilnehmer*innen der Teegespräche. Sie sind offen, modern, interessiert an allem, was mit Religion und Weltanschauung zu tun hat, und es waren bisher sehr tiefgehende, freundliche, respektvolle Gespräche wiederum über Gott und die Welt. Das von nun an gesehen nächste Thema wurde ich gebeten beizusteuern, und es wird am 17.9. der Dialog und Vergleich zwischen abrahamischen Religionen und Buddhismus sein. Auch die Teegespräche sind auf eine Stunde beschränkt. Das erwies sich als sehr gute Einschränkung, denn ansonsten könnte man ja stundenlang weiterreden.

Am 23.9. wollen wir auch vom IFN her mal ein solches Format versuchen und zu einem Zoom-Dialog, eventuell mit Youtube-Übertragung, und zwar zum Thema: Verantwortung für Vergangenheit und Zukunft in der Gegenwart wahrnehmen. Vom Zeugnisablegen in Auschwitz bis zur Inklusion geflüchteter Mitmenschen. Ich bin sehr gespannt, wie das funktionieren wird.

Außerdem haben ich als reiner Zuschauer auch Online-Webinaren von Religions for Peace International beigewohnt.

Über künftige Termine informiere ich Euch/Sie über die Interreligiösen Weiterleitungen oder IFN-E-Mails, oder schauen Sie/schaut auf der IFN-Website (https://ifn-bonnregion.jimdofree.com/), bezüglich der Tee-Gespräche auf der VEZ-Website (https://dialog-nrw.de/tee-gespraeche/) nach. Aufzeichnungen der Tee-Gespräche die man auf der letztgenannten Seite nicht findet, findet man hier: https://www.youtube.com/results?search_query=sohbet+teegespr%C3%A4ch

 

Ich beende diesen interreligiösen Rundbrief mit einem Zitat aus einem anderen Genre, das mir am Herzen liegt und durch Corona-Schutzmaßnahmen auch stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, einem Zitat, das Euch*Sie – so es Ihnen*Euch nicht eh schon klar ist – vielleicht neugierig macht:

„Nichtsdestotrotz, das Sang und Klang Festival hat mir und wohl auch vielen anderen sehr deutlich gemacht, deutlicher vielleicht als sonst in den letzten Jahren, dass wir hier in diesem Land eine wunderbare, kreative, lustige, kritische Folk- und Liedermacherszene haben.“ [2]                     Mike Kamp

I
ch wünsche Euch/Ihnen allen Gesundheit, Frieden und ganz tiefes Glück!

Herzliche Grüße,
Ihr/Euer Michael A. Schmiedel
http://interreligioeser-rundbrief.blogspot.com/

PS: Leser*innenbriefe sind wie immer willkommen. Ggf. dazu schreiben, ob ich sie veröffentlichen darf und ob eine öffentliche oder private Rückmeldung meinerseits gewünscht ist.

(Diesen Rundbrief schrieb ich am 15.08. und 08./09.09.2020 zu Hause in Siegburg.)



[1] Thich Nhat Hanh. Buddha und Christus heute. Verbindende Elemente von Buddhismus und Christentum. München 1999 (Goldmann), S. 31.

[2] Mike Kamp. Das Onlinefestival Sang und Klang. „Nächstes Jahr will ich das hier live haben“. In: Folker. Song, folk, global. Nr. 5./6.2020. Online: https://www.folker.de/Artikel.php?ausgabe=202005&art=Artikel2 (aufgerufen am 8.9.2020).

Dienstag, April 07, 2020

Leser*innenbriefe zum Interreligiösen Rundbrief ... Nr. 2020-2 (07.04.2020)


Leser*innenbriefe zum Interreligiösen Rundbrief für Bonn und Umgebung Nr. 2020-2
(07.04.2020)

Liebe Leser*innen,
zum letzten Interreligiösen Rundbrief kamen einige Rückmeldungen, die ich hier in chronologischer Reihenfolge wiedergebe.

1.        1,)

Lieber Michael,
danke für Deine so weitreichenden und umfassenden Einlassungen. Ich selbst gehöre zu der Minderheit, die sagen, dass es ein Irrsinn ist, was hier mit uns gemacht wird. Warum haben sich Verantwortliche nicht von Anfang an mit Virologen zusammengesetzt und unterschiedliche Ansichten miteinander ausdiskutiert. Das gehört meiner Meinung nach zum verantwortlichen Handeln.  Wie damals bei SARS, bei der Schweine- und bei der Vogelgrippe wurde immer vom Robert Koch Institut Panik geschürt und es hat sich stets als Unfug dargestellt. Nur dieses Mal haben sie noch eins draufgesetzt und die Wirtschaft lahmgelegt. Ein Schaden, den letztlich wieder alle Steuerzahler zu tragen haben. Viel schlimmer ist aber das Leid von so vielen Menschen und Familien, die Sorge um ihre Existenz haben. Ja, auch bei den Verantwortlichen in den Medien melde ich Kritik an, da sie von Anfang an eine aggressive Informationspolitik betrieben haben, ohne, was meiner Meinung nach zum Journalismus gehört, auch Gegenpositionen, die es zahlreich gibt, mit einzubeziehen.
Ich habe große Anteilnahme für die Menschen, denen es nicht gut geht, aber die nächste Viruswelle im Herbst oder im kommenden Frühjahr kommt garantiert.
Meine Hoffnung: vielleicht ist im Denken und Fühlen der Menschen etwas ausgelöst worden, was die Angst und Betroffenheit um das eigene Leben oder das von Nahestehenden betrifft und vielleicht kann dieses Denken und Fühlen übertragen werde auf die Menschen in den Flüchtlingslagern, in Krisengebieten, die Angst nicht nur psychisch erleben, sondern ganz nahe, ganz körperlich und es kaum mehr aushalten. Was passiert z.Z mit den 1500 Kindern, die Europa aus den menschenunwürdigen Flüchtlingslagern Griechenlands verteilen wollte. Ist das Alles traurig!
Alles Liebe
Toni
P.S. wenn Du aktuelle Sterbestatistiken der europäischen Länder sehen möchtest google Euromomo, da findest Du wöchentliche Zahlen!
-
Noch eine Nachmeldung:
Lieber Michael, ich finde ihn recht glaubwürdig


(von Anton Drähne aus Bonn)
--
Anton Drähne und ich diskutierten ein wenig über die richtige Interpretation der Zahlen, die Angemessenheit der Maßnahmen usw., er als Mediziner, ich als Nichtmediziner.

Mir scheint es gibt zwei grundsätzlich unterschiedliche Herangehensweisen, was die wünschenswerten Zusammenarbeit von Wissenschaft und Politik angeht. Nach der einen sollte man mit politischen Entscheidungen warten, bis ihre Notwendigkeit einwandfrei wissenschaftliche bewiesen ist, nach der anderen sollte man sofort politisch handeln, es sei denn, ihre Nichtnotwendigkeit wäre wissenschaftlich einwandfrei bewiesen. Die USA und Großbritannien machten es nach der ersten Methode, Taiwan und Vietnam nach der zweiten. Deutschland suchte einen Mittelweg. In dem von Anton Drähne empfohlenen Video empfiehlt Sucharit Bhagdi die erstgenannte Vorgehensweise. Als gültigen Beweis würde er gelten lassen, wenn die generellen Sterbezahlen eines Landes signifikant nach oben gehen würde. Zur der Zeit, als er das Video veröffentlichte, war das auch für Italien noch nicht der Fall. Wenn man sich die Kurve für Italien aber jetzt ansieht, ist die Mortalitätsrate dort jetzt höher als in der Grippe-Epidemie 2017: https://www.euromomo.eu/outputs/zscore_country_total.html Bei uns in Deutschland ist sie noch weit darunter. Wäre das nun ein Argument für oder gegen die Isolationsmaßnahmen, die derzeit verordnet sind?  Ich meine eher dafür. Oder?    

*

2.)
Liebe Listenmitglieder,

auch das Berliner Forum der Religionen sammelt und publiziert Gebete zur aktuellen Situation von verschiedensten Religonsgemeinschaften. Alle bisher eingegangenen sind zu finden unter
https://www.berliner-forum-religionen.de/gebete-zur-aktuellen-situation/. Täglich ein Text erscheint unter https://www.facebook.com/berliner.forum.religionen.de/.

Im Zeitraum 19.-26.03.2020 haben wir Religionsgemeinschaften in Berlin nach ihrer religiösen Ausübung in der Zeit der Pandemie befragt. Mehr als 30 Antworten von Baha’is, Buddhisten, Christen, Hindus, Juden, Muslimen, Paganen und Sikhs werden nun ausgewertet.


Beste Grüße
Michael Bäumer


(von Michael Bäumer aus Berlin via Yggdrasill-Liste; Die Yggdrasill-Liste ist eine religionswissenschaftliche E-Mail-Liste, in der ich den Interrel. Rundbrief auch immer rundmaile. Meistens reagiert da niemand drauf, aber jetzt sogar drei Leute.)
*
3.)
Liebe Liste,

einige hatten ja in die Runde gefragt, wie die Religionen mit Corona umgehen.
Die DBU hat dazu einiges gesammelt:


Einige Zen Zenter, wie z.B. das zen-Center Regensburg (https://zen-center-regensburg.com/) bieten live Zazen an.

Mit herzlichem Gruß aus dem home-office,
Martin Rötting
(von Martin Rötting aus Salzburg via Yggdrasill-Liste)
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4.)
Liebe Listemitglieder, lieber Herr Schmiedel,
vielleicht interesseiert es sie, wie Índien zwar säkular aber doch nie ohne religiöse Prägung mit dem Virus umgeht. Der Artikel des Indien lebenden deutschen Autors Martin Kämpchen, das sei allerdings gesagt, wurde vor den jetzigen im Land geltenden drastischen Maßnahmen der Reise- und teilweisen Ausgangssperre geschrieben.
https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/corona-und-karma-wie-indien-mit-dem-virus-umgeht-16671160.html
Herzliche Grüße, Arabella Unger
(von Arballa Unger aus Marburg via Yggdrasill-Liste)
*
5.)
Lieber Michael

Hey das ist sehr schön, was Du schreibst, bzw. sehr klug.
Danke für die Aufnahme in deinen Verteiler.
Wir arbeiten auch mit Hochtouren an gemeinsamen kirchlichen Angeboten in Bonn:
Alles Liebe und bleib gesund
Michael
Seelsorge im Corona Alltag:
(von Michael Mann aus Bonn)
*
6.)
Lieber Michael,

für die Aufnahme in den Verteiler anlässlich "Fit für interreligiöse Vielfalt" bin ich jetzt so dankbar. Es passte wunderbar zusammen, dass dies kurz vor der Coronakrise geschah. Ich sagte ja schon, dass ich die Medien"vielfalt" (ich meine jetzt die EDV) eher vermeide, sie aber jetzt trotz immerwährender Vorbehalte als sinnbringend (in doppelter Bedeutung) in dieser Situation annehme.
"Youtube" oder "links" oder "Skype" sind zwar mir bekannte Vokabeln, aber ich hatte bisher weder Zeit noch Bedürfnis, deren Mechanismen auszuprobieren und kennenzulernen.
Deinem Rundbrief stimme ich in dem Punkt der positiven Betrachtung insofern zu, als ich heute12 Seiten Brief an meine beste Freundin (na klar, ich gestehe handschriftlich) geschrieben habe. Zeit für mich und Andere finden, ist Balsam für die Seele und wie du schreibst, erwiesene Wohltat für die natürlichen Ressourcen (insbesonders die Luft). Dirk Voos machte die Feststellung, der ich voll zustimmte, dass man Menschen erst im Abstand voll wahrnimmt. In der Nähe sieht man immer nur einen kleinen Ausschnitt.
Wie das Schicksal (gibt es das und was ist das, frage ich mich) es will, bin ich sozusagen auch "auf den letzten Drücker" in den Verteiler von Hubert Arnold geraten (eigentlich wollte ich in seinen Kirchenchor eintreten, der war mir mit über 60 Mann bzw. Frau einfach zu groß). Nun singe ich mit Hilfe dieser Motivationen aus meinem E-mail Posteingang noch öfter und nehme im Vorbeigehen immer wieder Sopran-, Alt- oder Bassblockflöte in die Hand und spiele alle möglichen Noten, die sich so angesammelt haben. Mein tolles von meinem guten Exmann geschenktes E-Piano kommt endlich öfter zu Wort, nee Klang, man kann es auch auf "strings" oder "organ" schalten. Wundervolle Klangerlebnisse durch die mir doch so verhasste (???) Technik, auch wenn man erstmal nur "einhändig" übt.
Und endlich finde ich wie ihr die Erfüllung wieder in langen Spaziergängen durch die Landschaft und genieße diese wunderbare Stille. Fotos mache ich nicht, die muss das innere Auge festhalten, die Eindrücke.
Danke an alle, die mit diesen Mitteln zum allgemeinen Wohlbefinden beitragen. Es war mir dadurch neulich morgens endlich auch wieder möglich "all Morgen ist ganz frisch und neu" unter der Dusche zu jubilieren. Dies ist ein Vorschlag für die mitmachenden Sängermädels- und -knaben. Bitte weitersagen nee leider ja "nur" mailen.
In diesem Sinne viele Grüße und Gesundheit an dich, deine Frau und deinen Schwiegervater
Heidrun Johnson
-
Lieber Michael,
da habe ich noch eine mir wichtige Anmerkung zu deinem Rundbrief vergessen: Die Berufsgruppe, der unbedingt auch gebührende Anerkennung gezeigt werden sollte meines Erachtens, sind die Kassierer*innen in den Supermärkten.
Hier bei Penny in Holzlar habe ich den Vorteil eines fast persönlichen Kontaktes, weil der Supermarkt klein und meine einzige Einkaufsquelle ist und man die Leute an der Kasse vom Sehen kennt. Schade, diese junge hübsche Schwangere mit den wallenden braunen Haaren ist jetzt (zu ihrem Glück) nicht mehr dabei. Jetzt weiß ich nicht ob´s ein Junge oder Mädchen wird, wusste sie letztens noch nicht.
Wenn ich das so schreibe, nehme ich mir für in ein paar Tagen, solange die angeschleppten Einkäufe reichen, vor, achtsamer zu sein. Ist wegen des langsameren Kassierungsvorgangs doch jetzt wunderbar möglich und trägt (ich übertreibe gern, was meine Mitmenschen oft irritiert) letztendlich zum Weltfrieden bei. Die Hübsche ist Türkin, glaube ich, und die pummelige Blonde aus Russland, und der pummelige Schwarzhaarige mit gebrochenem Deutsch ist soviel netter, seit ich ihm gestanden habe, dass ich auch mal Kleidergröße 54 hatte. Ich muss wieder mehr auf diese wichtigen Details achten, das geht in diesen Zeiten ganz gut (und tut mir gut).
Viele Grüße nochmal
Heidrun
(von Heidrun Johnson aus Bornheim)

*

7.)

Lieber Michael,
schön, dass die Auszeit trotz aller technischen Schwierigkeiten geklappt hat. Zumindest war das ein Anfang, auch wenn ich leider von einigen gehört oder gelesen habe, die leider den Anschluss nicht geschafft haben. Ich hoffe, dass wir das noch besser hinbekommen. 
Anbei schicke ich Dir einen Link zu den anlässlich Corona aktualisierten und neu konzipierten Seiten der Online-Periodika WirMiteinander. Darin haben wir auch unsere Gebete der Religionen integriert: https://wirgemeinsam.online/

Schau es Dir mal an und gib die Information bitte weiter.
Ich wünsche Euch alles Gute und Gesundheit. Auf bald
Dirk
(von Dirk Voos aus Bonn)

*

8.)

Guten Tag Herr Schmiedel,
mit Interesse lese ich immer wieder gerne Ihren «Interreligiösen Rundbrief» für Bonn, und bei dieser Gelegenheit leite ich Ihnen auch unsere «Corona-Information» aus St. Gallen weiter. Leider sind die Texte noch nicht auf der Website aufgeschaltet; das dauert bei uns immer sehr lange.
Herzliche Grüsse aus der Schweiz,
Ann-Katrin Gässlein
(von Ann-Katrin Gässlein aus Sank Gallen; Die Gebetstexte können bei mir als PDF-Datei angefordert werden.)

*
Vielen Dank für diese Rückmeldungen!
Letzten Sonntag kam dann auch die im Rundbrief angekündigte Sendung von „Sonntag – TV fürs Leben“ mit dem Titel „Glauben in Zeiten der Pandemie. Ich bin davon etwas enttäuscht, da außer den „drei Religionen bei uns“, wie Andrea Ballschuh Christentum, Judentum und Islam nennt, fast keine Religionen vorgestellt werden. Auch der Buddhismus, dessentwegen ich ja angeschrieben wurde, kommt nur in der Einleitung vor. Trotzdem ist die Sendung interessant und sehenswert: https://www.zdf.de/gesellschaft/sonntags  
Eben fand ich noch ein Video über die positiven Auswirkungen des „Shutdowns“ auf die Luftqualität:
Hilft Corona dem Klima? Auf: Faz.net vom 7.4.2020:
https://www.faz.net/aktuell/wissen/hilft-corona-dem-klima-16715795.html  
Allen, die jetzt die Kartage und Ostern oder Pessach feiern wünsche ich gute Feieretage, trotz allem!
Und Ihnen/Euch allen Gesundheit, Frieden und Gelassenheit!
(Zusammengestellt und Links zuletzt geöffnet am 06./07.04.2020 zu Hause in Siegburg)