Monday, January 02, 2006

Interreligiöser Rundbrief Nr. 118

Interreligiöser Rundbrief für Köln/Bonn und Umgebung Nr. 118
(02.01.2006)

I. Editorial 1
II. Veranstaltungshinweise. 3
II. 1. Veranstaltungen unter Beteiligung von Religions for Peace/WCRP Köln/Bonn. 3
II. 1. a. Schweigen für Frieden und Gerechtigkeit am 5.1. und am 2.2.2006. 3
II. 1. b. Interreligiöser Gesprächskreis in Bonn am 31.1.2006. 3
II.2. Vorträge von mir 4
II.2.a. "Buddhismus und Gewalt", Do 26.01.2006, StadtRaum Köln. 5
II.2.b. „Weltreligionen: was verbindet, was unterscheidet sie?“, Di 07.02.2006, VHS Siebengebirge in Königswinter 5
II.3. Drei Tagungen in Bonn von verschiedenen Veranstaltern. 5
II.3.a. Internationales Symposium „Islamisches Denken im Wandel und die Europäische Aufklärung“ am 21./22.1.2006 im Haus der Evangelischen Kirche in Bonn. 6
II.3.b. Workshop „Fundamentalismus in den Religionen“ am 27.1.2006 im Haus der Geschichte in Bonn 6
II.3.c. Tagung „Feindbild Orient – Feindbild Westen“ am 10.2.2006 im Gremiensaal der Deutschen Welle in Bonn 8
III. Literaturhinweise. 10
III.1. Ulrike Peters. Schnellkurs Esoterik. 10
III.2. Neuerscheinungen der Schriftenreihe „Interkulturelle Bibliothek“. 10
III.3. Buchrezension von mir: Andreas Ludwig. Aleister Crowley’s Scientific Illuminism. 12
IV. Off-Topic: Musikrezensionen von mir 14
IV.1. Konzertrezension: Klangwelten-Festival in der Kunst- und Ausstellungshalle in Bonn am 8.11.2005 14
IV.2. Konzertrezension: The Irish Folk Festival – Tunes for Tara Tour in der Philharmonie in Köln am 15.11.2005 15
IV.3. Konzertrezension: Gambrinus beim Folk im Feuerschlösschen in Bad Honnef am 19.11.2005. 17
IV.4. Konzertrezension: Norland Wind im Bungertshof in Oberdollendorf am 24.11.2005. 18
IV.5. Konzertrezension: Whisht! im Bungersthof in Königswinter-Oberdollendorf am 16.12.2005. 20
IV.6. CD-Rezension: Deitsch. Königskinder. 21
IV.7. CD-Rezension: The Duggans & Friends. Rubicon. 24
V. Und noch’n Gedicht 25
„Im silbrigen“ von Merlikin. 25


I. Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

Euch/Ihnen wünsch ich zunächst ein frohes neues Jahr! Die Erde hat schon vor fast zwei Wochen die Bewegungsrichtung ihrer Achse im Verhältnis zur Sonne gewechselt, und nun ist die von mir so geliebte Zeit zwischen Wintersonnenwende und gregorianischem Kalenderwechsel auch wieder vorbei, und der normale Lebensrhythmus beginn wieder Fahrt aufzunehmen. Zwischen den Jahren war ich nur wenig am Computer, was meinen Augen auch gut tat, schaffte aber doch einen Arbeitsabschnitt meiner Dissertation zu beenden, der mich fünf Monate in Beschlag genommen hat. Darüber habe ich dann meine Ersparnisse und mein finanzielles Erbe verbraucht, nage aber keineswegs am Hungertuch, denn meine Frau ernährt mich vorläufig mit (und macht mir ordentlich Druck). Viel habe ich mir vorgenommen für das nächste halbe Jahr, vor allem die Fertigstellung der Dissertation und das Absolvieren der Promotion. Das hätte zwar alles schon erledigt sein müssen, aber wie pflegte mein Vater zu sagen: „Wenn der Hund nicht geschissen hätte, hätte er den Hasen gekriegt.“ Nun ja, etwas mehr als Sch... habe ich schon produziert in der Zeit, zum Beispiel interreligiöse Rundbriefe. Ich überlege manchmal, dass meine Arbeit von den drei Funktionen, die eine Arbeit erfüllen sollte, nämlich dass sie einem den Lebensunterhalt ermöglicht, einen sinnvollen Beitrag zum Ganzen leistet und einem selber Freude bereitet, die erste Funktion nicht erfüllt, die andern beiden schon. Das zu ändern, also die erste Funktion zu erfüllen, ohne die andern beiden zu vernachlässigen, nehme ich mir dann für das zweite Halbjahr 2006 vor. In scha Allah, wie wir Lateiner sagen. Oder war das noch für eine Sprache?

Apropos arabisch: Das hätte schon in den letzten Rundbrief gehört und wird nun hier kundgetan: Jalil Schwarz, einer unser Kölner Religions for Peace/WCRP Mitarbeiter, auch bekannt als der Friedenskoch (http://www.friedenskoch.de), erhielt für sein Projekt Abrahamszelt den INTR°A-Projektpreis für Komplementarität der Religionen. Vgl. http://www.interrel.de/preis-05.htm. Damit ist nach dem ZIF (Zentrum für Islamische Frauenforschung und Frauenförderung) schon das zweite Mal eine Kölner Institution mit diesem Preis gewürdigt, und ich gratuliere dem Preisträger von ganzem Herzen!

Wie für die Weihnachtszeit üblich, zierte auch dieses Mal ein religionsbezogenes Thema die Titelblätter einiger großer Zeitschriften: „Gott gegen Darwin. Glaubenskrieg um die Evolution“ (Der Spiegel, Nr. 52/24.12.2205), „Spiritualität und Wissenschaft. Die Erfahrung der Glückseligkeit. Wie Menschen heute Sinn und Erfüllung finden“ (Focus, Nr. 52, 23. Dezember 2005) und „Warum glaubt der Mensch? Hilf Religiosität über Vergänglichkeit hinweg? Macht sie gesünder? Und gibt es ein Gottes-Gen?“ (Geo 01 / Januar 2006). Während der Spiegel-Artikel eine hauptsächlich polemische Kampfschrift gegen den Kreationismus ist und der Frage nach den Gründen für diesen Glaubenskrieg nur sehr oberflächlich nachgeht (Joachim Bublath vor ein paar Wochen im Fernsehen machte es auch nicht besser), bieten Focus und Geo differenziertere und doch unterhaltsam zu lesende Artikel über die spätmoderne Religiosität und diesbezügliche sozio- , psycho- und neurologische Religionsforschung, mit quantitativen Umfragen und Expertenzitaten bzw. -interviews (gut, das hat der Spiegel auch, aber sowohl im Focus als auch im Geo kommt mein Chef aus meiner Bad Kreuznacher Zeit, Sebastian Murken zu Wort), und vor allem dem Geo-Autor Christian Schüle merkt man an, dass es sein Herzensthema ist, ganz zu schweigen von den erstklassigen Schwarzweißaufnahmen von Giorgia Fioro (vgl. http://www.geo.de/glaube). Ich rezensiere das hier nicht, aber wer sie noch bekommen kann, dem und der empfehle ich die beiden Hefte.

Nun aber noch ein paar Worte zu diesem Rundbrief: Ich bitte darauf zu achten, dass der interreligiöse Gesprächskreis (II.1.b.) ausnahmsweise am letzten Dienstag im Januar, statt am ersten Donnerstag im Februar statt findet, und darauf, dass man sich für die drei im Januar und Februar in Bonn stattfindenden Tagungen (II.3.) vorher anmelden und für die letzte davon (II.3.c.) auch eine Tagungsgebühr entrichten muss.
Sehr gerne heiße ich möglichst viele Interessierte auch bei meinen beiden Vorträgen (II.2.) willkommen, die beide Wiederholungen vom Herbst sind. Wenn man eine Woche an der Vorbereitung eines Vortrages sitzt, lohnt es sich rein finanziell nicht, ihn nur einmal zu halten. Wer also sich und mir was Gutes tun will, die und der komme dazu.
Bei den Literaturhinweisen bitte ich besonders auf das Buch von Ulrike Peters (III.1.) zu achten und es sich bei Interesse zu kaufen, denn auch Ulrike lebt nicht alleine von Luft und Liebe. Unter III.2. finden sich auch je ein Buch von Wolfgang Gantke und Wassilios Klein, zweier Sprösslinge der Bonner Religionswissenschaft. Einige Monate lang las ich vor allem in der Straßenbahn das Buch von Andreas Ludwig (III.3.), ebenfalls ein Sprössling der Bonner RW, um darüber eine hoffentlich ihm gerecht werdende Rezension zu schreiben.
Viel schneller als Bücher lassen sich Konzerte und CDs rezensieren, so dass ich unter IV. gleich sieben Musikrezensionen als off-topic angehängt habe. (Zum Ausgleich bekommen die Abonnent(inn)en meines folkigen Rundbriefes als off-topic meine Buchrezensionen.)
Nun wünsche ich wie immer eine interessante und erbauliche Lektüre!


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II. Veranstaltungshinweise

II. 1. Veranstaltungen unter Beteiligung von Religions for Peace/WCRP Köln/Bonn

II. 1. a. Schweigen für Frieden und Gerechtigkeit am 5.1. und am 2.2.2006

Auch 2006 laden wir wieder am jeweils ersten Donnerstag im Monat zum Schweigen für Frieden und Gerechtigkeit ein, wie immer von 17.30 Uhr bis 17.45 Uhr auf dem Münsterplatz in Bonn.

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II. 1. b. Interreligiöser Gesprächskreis in Bonn am 31.1.2006

Der Interreligiöser Gesprächskreis in Bonn von Religions for Peace/WCRP Köln/Bonn findet ausnahmsweise einmal nicht am 1. Donnerstag im Februar, sondern zwei Tage vorher am Dienstag, dem 31.1.2006 statt.
19.30-21.30 Uhr bei Lioba von Lovenberg, Argelanderstr. 6, 53115 Bonn
Thema: Der Gott des Wirtschaftswachstums

Rückblick auf den Gesprächskreis am 1.12.2005:
Beim letzten interreligiösen Gesprächskreis sprachen wir in einer christlich-muslimisch-baha’i-buddhistisch-humanistischen Sechserrunde über Gelassenheit. Die Frage kam auf, was das überhaupt sei, und wurde auch unterschiedlich beantwortet. Eine Position besagte, Gelassenheit könne man nur dann aufbringen, wenn man die Wahl habe, ob man etwas gelassen hinnehmen oder aber energisch tätig werden solle, wenn man eh nichts dagegen tun könne, sei es müßig, von Gelassenheit zu reden. Eine andere Position besagte, dass es Gelassenheit gerade gegenüber unabdingbaren Ereignissen eine Alternative zu innerer Wut, Depression und Verzweiflung sei. Jedenfalls wurde Gelassenheit in Verbindung mit Gleichmut und Vertrauen gebracht, und in einen Gegensatz zu Gleichgültigkeit gesetzt. Es gehe bei der Gelassenheit nicht darum, dass einem ein Ereignis egal sei, sondern darum, dass man schon ein Interesse am Ausgang eines Ereignisses habe, aber sehe, dass man es mit der eigenen Kraft und dem eigenen Willen nur bis zu einem begrenzten Maße beeinflussen kann, und alles übrige besser gelassen abwarte, als innerlich daran zu verzweifeln und aufzubegehren. Da bedeute natürlich, dass man für diese Sache so viel wie möglich an eigener Tätigkeit einbringe, gemäß dem berühmten Gebet: „Gib mir die Kraft, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann, die Gelassenheit, die Dinge zu lassen, die ich nicht ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“ Damit die Gelassenheit aber keine Resignation werde, sei es notwendig, sie aus einem Vertauen heraus, dass es letztlich doch gut werde, auch ohne das man es selber vollends dahin treiben könne. Theistisch gesehen, sei da Gottvertrauen notwendig, um im positiven Sinne gelassen sein zu können.

Als Beispiel für eine gelassen durchgeführte Aktion wurde das Schweigen für Frieden und Gerechtigkeit genannt. Utopisches Ideal wäre es, durch diese monatliche viertelstündige stille Demonstration den Weltfrieden herbei zu führen. Dass das nicht funktioniere, sähen alle Beteiligten. Nicht selten höre man die Meinung, das bringe doch überhaupt nichts. Die Teilnehmer indes beobachteten auch Passanten, die kurz stehen blieben, die Banderole läsen, sich Gedanken machten, etwas fragten, ihre Meinung sagten oder sich kurz in den Kreis dazu stellten. So sehe man doch eine Wirkung, wenn auch eine kleine, aber es sei ja auch nur eine kleine Aktion. Man tue, was man selber könne und vertraue gelassen, dass es richtig und gut sei und irgendwie doch zu dem großen Ziel, dem Weltfrieden beitrage.

Unterschiedliche Positionen wurden in Bezug auf die Frage vertreten, wie Gelassenheit, Toleranz und Friedfertigkeit zusammen hingen. Eine vertretene Meinung besagte, dass man auch dann, wenn man Gewalt anwenden müsse, nicht jede Aggression eines Angreifers gelassen hinnehmen dürfe, sondern sich oder andere Menschen notfalls verteidigen müsse. Eine andere Position besagte, dass im Augenblick der eigenen Gewaltanwendung der Frieden und die Gelassenheit dahin seien.

Man sieht an diesem kurzen Gedächtnisprotokoll eines zweistündigen, intensiven Gespräches, dass wir auch in dieser harmonischen Runde, nicht immer einer Meinung sind, und trotzdem gerne miteinander reden und das immer wieder. Es geht in diesen Gesprächen nicht darum, unbedingt die anderen Gesprächsteilnehmer von der eigenen Meinung zu überzeugen, ja es geht noch nicht einmal darum, zu einem gemeinsamen Ergebnis zu kommen. Jeder wird in seiner Eigenart und gegebenenfalls Andersartigkeit respektiert. Keiner weiß, wie das von Vertretern anderer Positionen Gehörte noch nachwirkt, aber dass es wirkt, scheint uns sicher. Deshalb nenne ich in den Gedächtnisprotokollen auch keine Namen. Wer dabei war, wird sich daran erinnern, wer was gesagt hat, ansonsten berge aber eine Namensnennung die Gefahr in sich, einen Menschen auf eine einmal vertretene Position festzuschreiben, denn schwarz auf weiß wirken Meinungen viel zementierter als mündlich gesprochen. Außerdem habe ich eventuell auch nicht alles korrekt in Erinnerung, eher so ungefähr, und bevor sich jemand zu Recht beschwert, ich hätte seine Position falsch dargestellt, stelle ich sie lieber anonym dar. Korrigierende und ergänzende Rückmeldungen der Gesprächsteilnehmer sind mir aber willkommen.

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II.2. Vorträge von mir

Im Januar und Februar werde ich zwei der Themen vom letzten Herbst noch einmal anbieten.


II.2.a. "Buddhismus und Gewalt", Do 26.01.2006, StadtRaum Köln
Während sich die Geschichte und auch die Gegenwart der monotheistischen Weltreligionen nicht selten als gewaltbelastet darstellt, scheint der Buddhismus immun gegen dieses Phänomen zu sein. Der Vortrag mit anschließender Diskussionsmöglichkeit fragt nach faktischer Gewalt und dem Ideal der Gewaltlosigkeit innerhalb der buddhistischen Kulturen. Dabei wird an Fallbeispielen zu zeigen sein, dass auch die zweieinhalbtausendjährige Kulturgeschichte des Buddhismus nicht frei ist von religiös legitimierter Gewalt.19.30 Uhr5/6 EURO ohne AnmeldungStadtRaum, Moltkestraße 79, 50674 Kölnhttp://www.stadtraum.de/Weitere Veranstaltungen zum selben Thema am selben Ort mit anderen Referenten:Fr./Sa. 17./18.02.06 Fr. Vortrag 20 h, 6/5 EURO ohne Anmeldung;
Workshop Sa. 11.-17.00 h 45/30 EURO mit Anmeldung: Blind vor Wut – Krank vor Ärger - Buddhismus und Gewalt mit Alfred Weil

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II.2.b. „Weltreligionen: was verbindet, was unterscheidet sie?“, Di 07.02.2006, VHS Siebengebirge in Königswinter
Die Menschheit hat im Laufe ihrer Geschichte eine unüberschaubare Menge an verschiedenen Sinndeutungs- und Welterklärungssystemen hervor gebracht. Einige davon sind zu Weltreligionen geworden, also Glaubenssystemen, die nicht nur für einzelne Völker, sondern für ganze Kulturkreise maßgebende Referenzgrößen darstellen und doch eigentlich das Individuum, den einzelnen Menschen ansprechen und zum Heil führen wollen. Als Weltreligionen in diesem Sinne werden heute zumeist der Buddhismus, das Christentum und der Islam, in einem weiteren Sinne auch das Judentum, der Hinduismus und die chinesische, sich aus Konfuzianismus und Taoismus speisende Religion bezeichnet, gefolgt von einigen kleineren Religionen, wie den Bahá'í. Die Unterscheidung zu den sogenannten Volksreligionen ist somit fließend. Der Referent gibt einen vergleichenden Überblick über diese Weltreligionen, wobei er Gemeinsamkeiten und Unterschiede erläutert. Auch gibt er Vorschläge, wie man sich als heutiger Mensch in der modernen, pluralistischen Gesellschaft und ihrem "Supermarkt der Religionen" zurecht finden und seinen eigenen Weg gehen kann.Di, 07.02.2006, 19:00 - 21:15, Königswinter,Jugendorf Christophorus Schule,7,50 EUR TN-Entgelt, schriftl. Anmeldung bis 1 Woche vor dem Termin

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II.3. Drei Tagungen in Bonn von verschiedenen Veranstaltern

II.3.a. Internationales Symposium „Islamisches Denken im Wandel und die Europäische Aufklärung“ am 21./22.1.2006 im Haus der Evangelischen Kirche in Bonn

Internationales Symposium
„Islamisches Denken im Wandel und die Europäische Aufklärung“

Veranstalter:
Annemarie-Schimmel-Forum für Interreligiöse und interkulturelle Verständigung e.V.

21./22.01.2006
Haus der Evangelischen Kirche, Adenauerallee 37, Bonn

Da ich nur eine Papier-Einladung mit Programm habe, die abzutippen mir jetzt zu zeitaufwändig wäre, bitte ich Interessenten sich ein Programm bei
Annemarie-Schimmel-Forum e.V.
Lochnerstraße 74
53757 St. Augustin
a-schimmel-forum@gmx.net
zu besorgen.

Dort möge man sich auch bis zum 13.1.2006 anmelden, wenn man teilnehmen möchte.

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II.3.b. Workshop „Fundamentalismus in den Religionen“ am 27.1.2006 im Haus der Geschichte in Bonn

Workshop vom ZERG
http://www.uni-bonn.de/www/zerg.html

Hier die Kopie der PDF-Datei, die ich von Prof. Hutter via Yggdrasill-Liste erhielt:
(Wer möchte bekommt die PDF-Datei von mir zugeschickt bzw. direkt von Dr. Görge Hasselhoff, bei dem man sich auch anmelden muss, wenn man teilnehmen möchte g.hasselhoff@uni-bonn.de .)

Die Projektgruppe
„Religiöse Interaktion“
im
Zentrum für Religion und
Gesellschaft (ZERG)
lädt ein
zu einem internationalen Workshop
„Fundamentalismus in den
Religionen“
am 27. Januar 2005
von 14:00-20:00 Uhr
im Haus der Geschichte Bonn
Zum Thema des Workshops
„Fundamentalismus“ als Schlagwort ist in
aller Munde. Es wird als politischer Slogan
verwendet, als Schreckgespenst an die
Wand gemalt, auf religiöse und politische
Gemeinschaften übertragen. Insbesondere
wird es im medialen Gebrauch auf
Gruppierungen des Islam übertragen, die im
Verdacht stehen, mit fanatischen
muslimischen Gruppierungen im Bund zu
stehen.
Übersehen wird dabei oftmals die
grundlegende Frage: „Was ist
Fundamentalismus eigentlich?“ Ist es ein
Phänomen, das nur auf den Islam
angewendet werden darf? Die Herkunft des
Worts liegt immerhin in der US-amerikanischen,
christlichen Bewegung des „Back to
the fundamentals“ – „Zurück zu den Wurzeln“.
In dem Workshop soll von renommierten
Wissenschaftlern aus Deutschland und den
Niederlanden der Frage nach
Fundamentalismus in den fünf sogenannten
Weltreligionen Judentum, Christentum,
Islam, Buddhismus und Hinduismus
nachgegangen werden.

Ablauf des Workshops
„Fundamentalismus in den Religionen“
14.15 Thematische Einführung durch
die Veranstalter
14.30-15.15 Wout van Bekkum (Groningen):
Historical perspectives of
modern Jewish fundamentalism
15:20-16:05 Erich Geldbach (Bochum):
Fundamentalismus im Christentum:
Historische Herleitung und
Erscheinungsformen (auch in
Deutschland)
16:10-16:55 Stephan Conermann (Bonn):
Gemäßigter und radikaler islamischer
Fundamentalismus –
ein und dasselbe Phänomen?
16:55-17:15 Pause
17:15-18:00 Manfred Hutter (Bonn): Die
Konstruktion des ‚reinen’ Buddha-
Wortes: Fundamentalistische
Intentionen und Auswirkungen
im modernen Theravada-
Buddhismus
18:05-18:50 Hermann Kulke (Kiel): Hindu-
Nationalismus oder Hindu-Fundamentalismus?
18:55-19:55 Diskussion mit einem Einleitungsstatement
von Werner
Gephart (Bonn)

Freitag, 27. Januar 2006
Haus der Geschichte, Konferenzraum
Willy-Brandt-Allee 14
Teilnahme nur nach Anmeldung
(g.hasselhoff@uni-bonn.de)

Vorstand des ZERG
Prof. Dr. Wolfram Kinzig (Sprecher)
Evangelisch-Theologische Fakultät
kinzig@uni-bonn.de
Prof. Dr. Albert Gerhards (stellvertr. Sprecher)
Katholisch-Theologische Fakultät
a.gerhards@uni-bonn.de
Prof. Dr. Dr. Manfred Hutter
Philosophische Fakultät
mhutter@uni-bonn.de
Sprecher der PG „Religiöse Interaktion“
Prof. Dr. Michael Meyer-Blanck
Evangelisch-Theologische Fakultät
meyer-blanck@uni-bonn.de

Ziele des ZERG
• Erforschung der Wechselwirkungen
zwischen den Religionen und ihren
jeweiligen Bezugsgesellschaften im innerund
außereuropäischen Kontext
• Besseres Verständnis der heutigen
religiösen Lebenswelten
• Wissenschaftliche Publikationen, z.B. in
der Buchreihe „Studien des Bonner
Zentrums für Religion und Gesellschaft“
(Ergon-Verlag, Würzburg)
• Förderung der interreligiösen und
ökumenischen Forschung
• Internationaler und interreligiöser
Wissenschaftsaustausch
• Beratung politischer und religiöser
Entscheidungsträger
• Optimierung der Koordination der mit
Religion befassten Fächer an der
Rheinischen Friedrich-Wilhelms-
Universität Bonn

Kontakt (PG „Religiöse Interaktion“)
Dr. Görge Hasselhoff (Projektkoordinator)
Tel.: 0228 - 73 7671/ -7679
Fax: 0228 - 73 7649
Postanschrift: Am Hof 1, 53113 Bonn
Mail: g.hasselhoff@uni-bonn.de
Kontakt (ZERG)
Barbara Tonn (Geschäftsführerin)
Tel.: 0228 - 73 4265
Fax: 0228 - 73 7649
Postanschrift: Am Hof 1, 53113 Bonn
Mail: tonn@zerg.uni-bonn.de
www.zerg.uni-bonn.de

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II.3.c. Tagung „Feindbild Orient – Feindbild Westen“ am 10.2.2006 im Gremiensaal der Deutschen Welle in Bonn

Von dieser vom Kulturamt der Bundesstadt Bonn veranstalteten und von Rainer Kaps organisierten Tagung habe ich auch nur ein Papierprogramm, fand aber auch folgende Infos im Internet beim Erzbistum Köln.
Wer das Programm und weitere Infos möchte, wende sich an das Katholische Bildungswerk Bonn, Adenauerallee 17-19, 53111 Bonn, rkaps@bildungswerk-bonn.de, wo man sich auch bis zum 30.1.2006 anmelden muss, wenn man teilnehmen will (nebst Überweisung von 45.- /30.- € Tagungsgebühr).

Feindbild Orient – Feindbild WestenMythen – Stereotype – Klischees
Symposium zum Projekt „Der neue Orient“zugleich Annemarie Schimmel Lectures 2006 Orient und Okzident, ein Konstrukt, das es nicht gibt? Eine Erfindung von unverbesserlichen Orientalisten, wie manche meinen? Beide Seiten tragen, wie es scheint, die Last einer langjährigen und langwierigen gemeinsamen Geschichte. Nicht erst seit dem 11.9. 2001. Man sucht nach den Ursachen dieser Hass-Liebe, die das Verhältnis zwischen Europa und der islamisch-arabischen Welt kennzeichnet. Hat das Abendland nach dem Zusammenbruch des real existierenden Sozialismus den Islam als neues Feindbild entdeckt? Wird das 21. Jahrhundert ein Jahrhundert der Kulturkämpfe sein, wie Samuel Huntington behauptet? Was ist das Besondere dieser nahen, fernen Nachbarn? Das Symposium versucht, mit Hilfe renommierter Experten Antworten auf diese tagtäglich dringlicher werdenden Fragen zu finden, damit Orient und Okzident einander vielleicht einen Schritt näher kommen.Das Symposium bietet in drei thematischen Runden sowie einer Schlussrunde Informationen und Meinungen zu folgenden Themen: 1.MEDIEN: Die mediale Darstellung des Ostens im Westen und des Westens im Osten in der Fernseh-Gegenwart. 2. GESCHICHTE: Kreuzzüge und Kolonialismus in der gegenwärtigen Literatur des Orients. Welche historischen Erfahrungen haben das westliche Bild vom Orient beeinflusst? 3. WEGE: Veränderungen in den allerletzten Jahren in den gegenseitigen Feind- und Freundbildern. 4. PERSPEKTIVEN: Projekte und Bilder ost-westlicher Annäherung Mitwirkende: Prof. Dr. Haschem El Ayoubi (Dekan des Instituts der Schönen Künste an der Universität Beirut, Libanon) ; Dr. Arnold Hottinger (Arabist, Orientalist und Historiker, langjähriger Korrespondent im Nahen Osten) ; Prof. Dr. Assad Kattan (Prof. für Orthodoxe Theologie an der Universität Münster); George Khoury (Journalist); Prof. Dr. Gudrun Krämer (Lehrstuhl für Islamwissenschaft an der Freien Universität Berlin); Prof. Dr. Angelika Neuwirth (Lehrstuhl für Arabistik an der Freien Universität Berlin); Andreas Pflitsch (Autor des Buches „Mythos Orient“); Peter Philipp (Sonderkorrespondent der Deutschen Welle); Marcel Pott (langjähriger Nahost-Korrespondent der ARD); Dr. Abdel-Naser Shrouf (Journalist und Redakteur bei der Deutschen Welle); Prof. Abdel-Raouf Sinno (Dekan der Pädagogischen Fakultät der Libanesischen Universität Beirut); Aktham Suliman (Korrespondent des arabischen Nachrichtendienstes Al-Dschasira in Deutschland); Prof. Dr. Martin Tamcke (Experte für Ostkirchengeschichte); Prof. Dr. Christian Troll, SJ (Honorarprofessor an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Frankfurt - St. Georgen); Volker Windfuhr; (Korrespondent des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ für die arabische Welt) Veranstalter: Kulturamt der Bundesstadt Bonn, Evangelisches Forum Bonn, Katholisches Bildungswerk Bonn Freitag, 10.2.2006, 9.30 Uhr bis 21.30 Uhr Gremiensaal der Deutschen Welle, Kurt-Schumacher-Str. 3, 53113 BonnTeilnehmerbeitrag: € 45,- (incl. Getränke, Mittag- und Abendimbiss); für Studierende und Auszubildende € 30,-Anmeldung ab sofort beim Kath. BildungswerkBBN 5601001

Quelle:
http://www.erzbistum-koeln.de/bildungswerk/bonn/zentralesprogramm/Projekte_und_Reihen/Reihen.html

http://www.der-neue-orient.de/impressum.php


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III. Literaturhinweise


III.1. Ulrike Peters. Schnellkurs Esoterik

(zugsch. von Ulrike Peters)

Ulrike Peters: Schnellkurs Esoterik
192 Seiten mit etwa 170 Abbildungen, broschiert, Є 14,90 (D) / sFr. 26,90
ISBN 3-8321-7637-3 (DuMont Taschenbücher, Band 562)

Auf der Suche nach Selbsterfahrung und Sinn

Tarot und Kabbala, Meditation oder Bachblütentherapie – esoterische Praktiken sind weit verbreitet und es dürfte kaum jemanden geben, der nicht auf die eine oder andere Art schon einmal damit in Berührung gekommen wäre. Das esoterische Spektrum ist groß und reicht von der gelegentlichen Anwendung einzelner Praktiken bis hin zur alles bestimmenden Lebensform und religiösen Ausrichtung, wie im Neuheidentum, im Schamanismus oder im Hexenkult. Die Grenzen sind fließend, auch zum Christentum, zu Philosophie und Tiefenpsychologie sowie zu den Naturwissenschaften gibt es Grenzüberschreitungen, Berührungspunkte und Gemeinsamkeiten.

Entsprechend schwer ist die Beantwortung der Frage, was genau unter Esoterik zu verstehen ist: eine Religion, ein bestimmtes Weltbild oder »nur« eine Lebenspraxis? Und warum ist die Esoterik für viele ein alternatives Lebenskonzept zur Lösung aktueller Krisen und Probleme, das dem Menschen in unserer Zeit mehr zu bieten scheint als die christliche Religion?

»Schnellkurs Esoterik« versucht einen systematischen Überblick zu geben über die Vielfältigkeit und das Wesen der Esoterik. Dieser Band wendet sich an alle, die sich über die Esoterik, ihre Geschichte, ihr Weltbild und ihre Praktiken informieren wollen – sachlich-kritisch und ohne Polemik oder Propaganda.

Ulrike Peters, 1957 in Bonn geboren, studierte Vergleichende Religionswissenschaft, Alt-Amerikanistik und Ethnologie in Bonn und Wien. Tätigkeiten am Nationalmuseum für Anthropologie in Mexiko City, dann als wissenschaftliche Mitarbeiterin an den Universitäten Bonn und Paderborn sowie als Dozentin in der Erwachsenenbildung und als Sachbuchautorin. Bei DuMont erschien von ihr »Schnellkurs Altes Mexiko«.


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III.2. Neuerscheinungen der Schriftenreihe „Interkulturelle Bibliothek“

(zugsch. in drei E-Mails von Hamid Reza Yousefi via Yggdrasill-Liste)

Sehr geehrte Damen und Herren,
eben sind 4 weitere Bände der Schriftenreihe "Interkulturelle
Bibliothek" erschienen. Sie können direkt beim Verlag bestellt
werden. Ladenpreis 10 Euro:
http://www.bautz.de/interkulturell.shtml

Es handelt sich um:
Band 12
Ram Adhar Mall: Ludwig Wittgensteins Philosophie interkulturell
gelesen

Band 39
Ramakrishna Puligandla: Die Upanischaden. Eine interkulturelle
Perspektive

Band 78
Marco Iorio: Karl Marx interkulturell gelesen

Band 91
Afsaneh Gächter: Daryush Shayegan interkulturell gelesen

Mit freundlichen Grüßen
Hamid Reza Yousefi


Sehr geehrte Damen und Herren,
eben sind 7 weitere Bände der Schriftenreihe "Interkulturelle
Bibliothek" erschienen. Sie können direkt beim Verlag bestellt
werden. Ladenpreis 10 Euro:
http://www.bautz.de/interkulturell.shtml

Es handelt sich um:

Band 12
Ram Adhar Mall: Ludwig Wittgensteins Philosophie interkulturell
gelesen

Band 23
Wolfgang Gantke: Otto Friedrich Bollnows Philosophie interkulturell
gelesen

Band 44
Henk Oosterling: Interkulturalität im Denken Heinz Kimmerles

Band 55
Alexander Thomas: Grundlagen der interkulturellen Psychologie

Band 68
Martin Euringer: Epikureische Philosophie interkulturell gelesen

Band 90
Harald Seubert: Nicolaus Cusanus interkulturell gelesen

Band 119
Wassilios Klein: Abu Reyhan Biruni und die Religionen.
Eine interkulturelle Perspektive

Mit freundlichen Grüßen
Hamid Reza Yousefi

Dr. Hamid Reza Yousefi


Sehr geehrte Damen und Herren,
eben sind 5 weitere Bände der Schriftenreihe "Interkulturelle
Bibliothek" erschienen. Sie können direkt beim Verlag bestellt
werden. Ladenpreis 10 Euro:
http://www.bautz.de/interkulturell.shtml

Es handelt sich um:

Band 7
Reinhard Kirste: Die Bibel interreligiös gelesen

Band 33
Thorsten Paprotny: Karl Jaspers' Philosophie interkulturell gelesen

Band 55
Alexander Thomas: Grundlagen der interkulturellen Psychologie

Band 94
Harald Seubert: Interkulturelle Phänomenologie bei Heinrich Rombach

Band 105
Reetta Toivanen/Claudia Mahler: Menschenrechte im Vergleich der
Kulturen

Mit freundlichen Grüßen
Hamid Reza Yousefi

Dr. Hamid Reza Yousefi

Universität Trier
Universitätsring 15
D-54296 Trier
Fachbereich I - Philosophie
Tel.: +49 (0) 651 201 2344 und +49 (0) 6511461784
http://www.bautz.de/interkulturell.shtml
http://www.bautz.de/bausteine.html
http://www.mensching.uni-trier.de/


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III.3. Buchrezension von mir: Andreas Ludwig. Aleister Crowley’s Scientific Illuminism.

Buchrezension: Andreas Ludwig. Aleister Crowley’s Scientific Illuminism. Magie und Mystik als angewandte Psychologie zur Transformation des Menschen. Marburg (Tectum) 2005. Pb., 215 Seiten.

Leicht tue ich mich nicht mit dieser Rezension, denn obwohl es ein Buch eines Fachkommilitonen ist, behandelt es ein Thema, mit dem ich mich nicht auskenne, und so rezensiere ich es auch wiederum nicht für Fachleute der Aleister Crowley-Forschung, sondern für interessierte Laien auf diesem Gebiet, wie auch ich einer bin. Es handelt sich um die für ein breiteres Publikum leicht überarbeitete Fassung einer religionswissenschaftlichen Magisterarbeit, und da der Autor mit Hilfe dieser Arbeit diese akademische Hürde gepackt hat, ist Sachkundigkeit garantiert.

Das Buch ist nicht in erster Linie eine Biographie von Aleister Crowley (1875-1947), abgesehen von einem biographischen Kapitel, das mehr der Einleitung dient, sondern eine detaillierte Darstellung von zwei Seiten seiner Lehre, nämlich 1. Thelema und 2. Scientific Illuminism, wobei Thelema als eigentlich religiöse und Scientific Illuminism als wissenschaftliche Hälfte von Crowleys Lehre vorgestellt wird. Thelema ist demzufolge das Ergebnis einer Offenbarung, die Crowley von den Secret Chiefs erhalten habe, Gottheiten mit religionsgeschichtlichen Wurzeln im alten Ägypten, die dem Propheten Crowley die Holy Books wortwörtlich in einem etwas älteren Neu-Englisch diktiert hätten. Inhalt dieser Heiligen Bücher sei zum einen eine spirituelle Chronologie der Welt über mehrere Äonen hinweg, zum anderen der Kult, den ein Thelemit zu praktizieren habe.

“This Bread I eat. This oath I swear
As I enflame myself with prayer:
‘There is no grace: there is no guilt:
This is the Law: DO WHAT THOU WILT!’”

Was sich hier liest wie J.R.R. Tolkiens „Lord of the Rings“ im Original ist ein Zitat des täglichen Rituals eines Thelemiten und enthält den Kern der Lehre, das „TU WAS DU WILLST!“, das viele eventuell aus Michael Endes „Die Unendliche Geschichte“ kennen.

Ludwig beschreibt Crowley im Zusammenhang dieser Offenbarungen als einen Propheten und Religionsstifter mit vielen inhaltlichen Parallelen zu anderen „Kollegen“, deren Lebenszeit nur eben geschichtlich so weit zurück liege, dass man ihre Menschlichkeit schon beinahe vergessen habe.

Das Kapitel über den Scientific Illuminism beschreibt den anderen Teil seiner Lehre, den Crowley als Wissenschaft, genauer als Psychologie, zugleich aber auch als Magie verstanden habe. Während die Secret Chiefs als tatsächlich außermenschliche Gottheiten gälten, habe Crowley in diesem Teil die Welt als bloßes illusionäres Spiel angesehen, das zu durchschauen und dann meisterlich zu spielen der Adept einen hierarchischen Ausbildungsweg vom Studenten unter der Obhut des je eigenen Guardian Angels über mehrere Zwischenstufen bis zum Ipsissimus zu gehen habe, wobei dieser Weg als kabbalistischer Lebensbaum oder als Enochische Magie beschrieben werden könne. Der wesentlichste Teil dieses Weges sei der Sprung über den Abyssos, der einer gänzlichen Zerstörung des Ego gleich komme, mit allen Gefahren, die er für einen noch nicht reifen Adepten in sich berge. Der Ipsissimus produziere wie ein Buddha kein Karma mehr, im Unterschied zu diesem aber wende er sich dann nicht von der Welt ab, sondern könne sie erst recht richtig genießen.

Ludwig präsentiert mit diesem Buch eine klassische ideengeschichtliche Beschreibung eines religiösen Systems. Die biographischen Umstände, unter denen Crowley seine religiösen Erfahrungen machte, werden tangiert, aber nicht ins Zentrum der Betrachtung gestellt. Die zu Lebzeiten Crowleys und darüber hinaus kursierenden Geschichten um seinen hedonistischen Lebenswandel und seine satanistischen Kulte verweist Ludwig in das Reich der Klatschpresse und der Polemik aus der Feder christlicher Apologeten, und argumentiert gegen derartige Vorwürfe aus der Theorie der Crowley’schen Lehre selbst. Ob das schlüssig ist, kann ich nicht letztgültig beurteilen, da mir wie gesagt, das Thema fremd ist, aber alleine aus einer theoretischen Lehre hinaus auf das praktische Leben eines religiösen Menschen zu schließen, genügt in den meisten Fällen nicht. Mit dem gleichen Maßstab ergreift Ludwig auch hier und da Partei für die reine Crowley’sche Lehre gegenüber Fehldeutungen und Anmaßungen abtrünniger Schüler.

Das Thema ist auch unter Religionswissenschaftlern ein heißes Eisen, und Ludwig verwahrt sich schon in der Einleitung davor, dass aus seiner Behandlung dieses Themas auf eine inhaltliche Involvierung zu schließen sei. Einige zitierte Briefe von Vertretern des heutigen Crowley’schen Ordens zeigen aber, dass Ludwig sich schon viele Jahre vor dem Beginn der Magisterarbeit mit dem Thema intensiv beschäftig hat. Dass er schon einmal eine Hauptseminararbeit darüber geschrieben hat, erwähnt er nicht und auch nicht, was ihn abgesehen davon, dass es eine unverzeihliche Lücke der Religionswissenschaft sei, Crowley bislang so gut wie gar nicht erforscht zu haben, noch an dem Thema begeistert. Mit dieser Zurückhaltung einer Offenlegung des eigenen Vorverständnisses ist er indes in bester Gesellschaft vieler Fachvertreter, die annehmen, eine solche Offenlegung gefährde eher die Sachlichkeit, als dass sie ihr nütze. Ich bin da anderer Meinung.

Stilistisch ist das Buch auf eine etwas altmodische Weise geschrieben: alte Rechtschreibung, großenteils lateinische statt deutscher Abkürzungen in den Fußnoten, z.B. „op. cit.“, statt „a.a.O.“, und „der Verfasser“, statt „ich“. Letzteres kann auch wieder der Betonung des persönlichen Abstandes vom Forschungsobjekt dienen. Dieser Zielsetzung weniger dienlich ist die überwiegende Benutzung des Indikativs statt des Konjunktivs bei der Darlegung Crowley’scher Lehrinhalte, aber es liest sich so natürlich besser.

Fazit: Wer wie ich interessiert, aber ohne größere Vorkenntnisse dieses Buch liest, dem öffnen sich einerseits Tore in eine ganz andere Geisteswelt, der trifft aber auch sehr viele aus anderen Religionen bekannte Vorstellungen, Namen, Lehrinhalte. Die minutiös erhobenen Fakten schließen auf jeden Fall eine Lücke in der Kenntnis religiöser Zeitgeschichte, und darüber hinaus regt das Buch zu allerlei Überlegungen über das Werden von Religionen generell, und auch über das Verhältnis von Religion, Magie und Wissenschaft an und ermöglicht das Einnehmen anderer als bisher vertretener Perspektiven. Wer das alles in einem wissenschaftlichen Buch sucht, der ist gut beraten, hier zu zugreifen.


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IV. Off-Topic: Musikrezensionen von mir

IV.1. Konzertrezension: Klangwelten-Festival in der Kunst- und Ausstellungshalle in Bonn am 8.11.2005

Rüdiger Oppermanns Klangwelten-Festival tourt dieses Jahr nun schon zum 19. Mal durch Deutschland, für mich indes war es eine Premiere, es einmal zu besuchen. Oppermanns Dialekt kam mir als im Rhein-Lahn-Kreis Aufgewachsenem sehr heimatlich-vertraut vor, hatte er doch den hessischen Einschlag, der auch in meiner Kindheitsheimat ansatzweise durchzuhören ist, die an diesem Abend zu hörende Musik aber war alles andere als heimatlich und vertraut, sondern exotisch, ungewohnt und meisterhaft schön. Und das, obwohl zwei Fünftel der angekündigten Musiker bzw. Acts nicht anwesend waren. Das inuitische (gibt es das Adjektiv überhaupt?) Katajaq Duo aus Kanada war wegen Krankheit verhindert, die deren Gesang auch beherrschende und als Ersatz angekündigte Toni Pope aus San Fransisco war wieder abgereist, weil ihre Großmutter gestorben war, und die kasachische Sängerin Uljana Baibusjnova war auch nicht da. Nun kündigte Oppermann an, dass die Inuit-Frauen doch noch kämen, aber erst am nächsten Tag, und wer sie hören wolle, dürfe mit dem Bonner Ticket zum halben Preis ein beliebiges anderes Klangwelten-Konzert dieser Tour besuchen.

Anwesend waren aber Rüdiger Oppermann selber, das Ranga Panga Trio aus Madagaskar, benannt nach einem Reiswassergetränk ihrer Heimat, der indische, in Wien lebende Trommler Jatinder Thakur, und nicht angekündigt und Irish Spring Festival-Besuchern bekannt – nein, kein Ire, sondern – Enkh Jargal, besser bekannt als Epi, aus der Mongolei, aber wohnhaft in Karlsruhe. Oppermann erklärte ein wenig, was es mit der jeweiligen Musik und den Instrumenten auf sich habe, aber übertrieb es damit nicht, denn es war weder eine musikwissenschaftliche Vorlesung, noch eine musikethnologische Museumsführung, sondern ein Konzert, bei dem die Musik absolut im Mittelpunkt stand. Das kleine Programmheftchen aber gibt umfangreiche Auskunft. Madagaskar soll musikalisch und auch sonst kulturell viel von indonesischem Erbe bewahrt haben und weniger von afrikanischem, aber die Musik des Ranga Panga Trios mit Monjamahafay Zeze (kurz Monja), Sammy Andriamalalaharijaona Samoela und Jean Bosco Rakotonirina kam meinem Gehör sehr afrikanisch vor, wohl weil sie von der mehr afrikanisch beeinflussten Südküste der Insel stammen. Mehrstimmiger Gesang, im besten Sinne es Wortes merk-würdige Saiteninstrumente (z.B. die Maro-Vaani, ein Kasten mit an zwei Seiten angebrachten Fahrrad-Bowden-Zug-Saiten, die Vailiha, ein runder Bambusstamm (oder sagt man „Bambushalm“, da es doch ein Gras ist?) mit aus diesem herausgeschnittenen Saiten rundherum, die Jejy Voatavo, ein schmaler Kasten mit Saiten an allen vier Seiten und einem Kürbis als Klangkörper und die Jeji Iava, ein Baum oder ein Ast mit gespannten Basssaiten und Tonabnehmer), ein Blasinstrument, ein sehr einfaches Percussionsinstrument, nämlich ein Büschel trockenen Grases. Das alles zusammen klang arachaisch und hochmodern zugleich, besonders auch, wenn der Gesang durch ein eingeatmetes Jiha oder durch ein Hahnenkrähen ergänzt wurde. Epi spielte seine mongolische Pferdekopfkniegeige und sang in Unter- , Ober- und normalen Tönen mongolische und kasachische Lieder, so dass man akustisch und gefühlsmäßig vom madagassischen Urwald in die zentralasiatische Steppe wechselte. Thakur bewies sich als rasanter Tablavirtuose, dass es nur so staubte (er hatte die Trommelfelle mit Talk eingepudert), aber auch als Stimmenpercussionist, denn nach indischer Tradition lernt man die Trommelpartien durch gesungene Parteien eben der selben, und Oppermann spielte einige Tunes auf einer großen und einer kleinen keltische Harfe, teilweise mit elektronischen Loops, Echos usw. gedehnt und wiederholt. Und wenn das dann alles zusammen erklang, also nicht ordentlich ethnologisch und geographisch getrennt, sondern crossover vermischt, ohne dass die Eigenarten der jeweiligen Stile (zumindest für meine Ohren) verloren gingen, dann wurde daraus das, was ich eigentlich als „Weltmusik“ bezeichne: multiethnische, jazzige-jam-session-mäßige, traditions-innovative, mitreißende Arrangements, die die Halle zum Beben brachten. Interessant war dabei auch ein auf der Harfe statt einer Sitar gespielter Raga mit Tablabegleitung.

Fazit: Die Klangwelten sind nichts für Puristen und nichts für Leute, die vorher schon wissen wollen, was sie erwartet, aber sehr zu empfehlen für Liebhaber experimentierender musikalischer Vielfalt, die ihre traditionellen Wurzeln zwar kräftig gedehnt, aber noch nicht aus dem Boden gerissen hat.

http://www.klangwelten.com/
http://www.folker.de/200406/07opper.htm

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IV.2. Konzertrezension: The Irish Folk Festival – Tunes for Tara Tour in der Philharmonie in Köln am 15.11.2005

Man könnte meinen, eine Tournee durchzuführen ist wie Flöhe hüten, denn waren schon Rüdiger Oppermann beim Klangwelten-Festival vier Damen abhanden gekommen bzw. erst gar nicht erschienen, so traf es Petr Pandula zwar nicht ganz so hart, aber auch bei seinem Irish Folk Festival fehlte eine angekündigte Musikerin, nämlich Phamie Gow, auf deren Gesang, sowie Harfen- und Pianospiel wir somit leider verzichten mussten. Als Vertretung fungierte Alan Burke, der ganz folkig mit Gesang und Gitarre den musikalischen Einstieg in das diesjährige IFF in Köln bescherte. Irgendwie wirkte er von der obersten Sitzreihe her gesehen ja winzig klein da unten auf der runden Bühne der Philharmonie, aber seine kräftige Stimme erfüllte mit elektronischer Unterstützung trotzdem die ganze Halle. (Ich erinnere mich noch an Noel Hill mit der kleinsten Concertina der Welt beim 1990er IFF in der riesigen Schwabenlandhalle in Fellbach.) Ihm folgten mit Gesang, Gitarre und Fiddle Kevin Burke & Ged Foley, auch „the high kings of tradition“ genannt, verbindet der Kenner/die Kennerin ihre Namen doch mit Formationen wie der Bothy Band, der Battlefield Band und Patrick Street, also altehrwürdigen Gruppen der irischen und schottischen Folkszene. (Die Battlefield Band wird übrigens am 1.2.2006 in der Bonner Brotfabrik spielen, natürlich in aktueller Besetzung, wenn es stimmt, was da im IFF-Programmheft steht.) Puristische Freunde traditioneller Musik hätten sich nach diesen beiden Acts eigentlich auf den Heimweg machen können, aber solche Spezialisten finden eh immer seltener den Weg zu einem IFF.

Beoga nämlich, eine fünfköpfige Band aus Nordirland, machte sowohl der Bedeutung ihres Namens „lebendig“ als auch der Zusatzbezeichnung „new folk wizards“ alle Ehre. Liam Bradley (Piano, Keyboard), Sean Óg Graham (Knopfakkordeon), Damian McKee (auch Knopfakkordeon), Eamon Murry (Bhodrán) und Niamh Dunne (Gesang, Fiddle) legten nicht nur ein schnelles Tempo vor, sondern mixten Stile unterschiedlicher ethnischer Provenienz zur einem Irish Stew zusammen, dass ich mich gar nicht satt hören konnte. Die beiden Akkordeons wurden so gespielt, dass jedes einzeln heraus zu hören war, das Bhodránspiel erinnerte mich an Jatinder Thakurs Tablaspiel beim Klangwelten-Festival, die Fiddle und vor allem auch der druckvolle Gesang der Gastmusikerin hätte mich beinahe aus dem bequemen Sitz gerissen. Wirklich sehr, sehr schade, dass dann viel zu schnell die Pause kam.

Die zweite Hälfte des Festvials bestritt Solas alleine, aber auch wenn der Name so klingt, so hat Solas nicht mit solo zu tun, sondern viel mehr mit Licht, und hatte Beoga den akustischen Luxwert schon in blendende Höhe geschraubt, so war man bei Solas der Gefahr ausgesetzt, einen musikalischen Sonnenbrand zu bekommen, ach was heißt Gefahr, vielmehr war diese Bestrahlung ein Hochgenuss. Die irisch-amerikanische Truppe, bestehend aus Seamus Egan (Flöte, Tenorbanjo, Mandoline, Tinwhistle, Lowwhistle, Gitarre, Bodhrán), Winifred Horan (Ex-Cherish the Ladies; Fiddle), Mick MacAuley ( Knopfakkordeon, Concertina, Akkordeon, Lowwhistle, Hintergundgesang), Deidre Scanlan (Gesang), Eamon McElholm (Gitarre, Gesang, Keyboard) legten auf die Vorlage von Beaga noch einen drauf, und gefielen mir auch noch besser als im letzten Jahr, als sie auch schon dabei waren. Vielleicht habe ich mich ja auch verhört, aber ich habe hauptsächlich ungerade Rhythmen in Erinnerung, als läge zwischen Amerika und Irland nicht der Atlantik, sondern der Balkan. Aber was ist schon Geographie bei einer Gruppe, die ein Stück, das nach Österreich-Ungarn klingt „The highlands of Holland“ nennt? Aber Amerikaner dürfen das, denn auch Willy Schwarz, in Deutschland lebender amerikanischer Liedermacher bescheinigt seinen Landsleuten nicht eben die besten Geographiekenntnisse (Vgl. Folker! 6.05 S. 63).

Viel zu schnell war auch dieser Act vorbei, und es blieb nur noch die Festival-Session aller beteiligter Musiker, in der sie bewiesen, dass sie neben dem Spaß auch den Ernst des Lebens zu würdigen wissen. Die Folk-Szene ist heutzutage ja nicht mehr so politisch, wie sie mal war, aber das diesjährige IFF war ja den durch den geplanten Bau eines Motorways gefährdeten Hügeln von Tara gewidmet, dem irischen Nationaldenkmal schlechthin, das in einer Archäologenherzen höher schlagen lassenden Landschaft liegt, und warum auch immer noch nicht als Unesco-Kulturerbe der Menschheit geadelt wurde. Dias von Thomas Frühwacht, umspielt von dem extra dafür komponierten „The hills of Tara“, das auch die Festival-CD so unendlich melancholisch beginnen lässt und „The march of Brian Born“, versuchten, die Herzen des Publikums für die Rettung Taras zu gewinnen. Man konnte dann auch gleich eine Petition unterschreiben. Das Programmheft enthält zudem noch ein paar andere Schauergeschichten historischer und aktueller irischer Politik, Wirtschaft und Religion, geschrieben von Petr Pandula und Gabriele Haefs (Folker!-Lesern bekannt), in denen es um lebensgefährliche Ölpipelines und inhaftierte Anwohner, die sich nicht fügen wollen, geht, und um eine englische Religionsgemeinschaft namens „British Israelites“, die die Engländer für einen verschollenen Stamm Israels hielt und in den Hügeln von Tara die verloren gegangene Bundeslade vermutete, was sie zu Raubgrabungen veranlasste. Heute ist Tara auch ohne solchen religiösen Wahnwitz gefährdet durch pekuniäres Kalkül korrupter Politiker irischer Nationalität. Ich meine, solche aktuelle Politik gehört nicht minder in ein Folks Festival, als Rebelsongs vergangener Zeiten.

http://www.irishfolkfestival.de/
http://www.tradmusic.com/artistinfo.asp?artistID=525
http://www.kevinburke.com/
http://www.gedfoley.com/
http://www.solasmusic.com/
http://www.beogamusic.com/
http://www.savetara.com/
http://www.taraskryne.org/
http://www.protect-tara.org/
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2005/09/cd-rezension-irish-folk-festival-05.html
http://www.folker.de/200506/16magneticmusic.htm
http://www.magnetic-music.com/
http://www.koelner-philharmonie.de

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IV.3. Konzertrezension: Gambrinus beim Folk im Feuerschlösschen in Bad Honnef am 19.11.2005

Das letzte FiF-Konzert in diesem Jahr bestritt die Gruppe Gambrinus, deren Mitglieder nicht so weit anreisen mussten, wie die der anderen Gruppen aus England, Schottland und Schweden, sondern im engeren Umkreis zwischen Asbach im Westerwald und Dormagen am Niederrhein wohnen. Ulrich Joosten, der schon in den Gruppen Rhodochrosit, Seidelbast und Filou spielte und auf Deutschfolk spezialisierter Autor im Folker! ist, Matthias Götze-Wittschier, ehemals Musiker bei Whyr, Zaunkönig und auch Filou, Ralf Mrazek, Ex-Skiffle Train , -Maddox und –Stringdance, sowie als „Anstandsdame“ Sylvia Stephan, ehemals Musikern bei Die Lauten, Trumscheyd, Till Nine und Boncompagno nennen ihr Gambrinus-Programm „Kontrastissimo“, und wahrlich, der Name trog nicht.

Uli bediente die Dreheleier und zwei Gitarren, Sylvia ihren Kehlkopf (Instrumentbeschreibung siehe auf deren Homepage) und Percussion, Ralf Banjo und Gitarre und Matthias Geige, Cister und diatonisches Knopfakkordeon und auch die drei Herren ihre Kehlköpfe (Instrumentbeschreibung siehe ...). Und was produzierten sie dabei? Nun zum Beispiel französische, galizische und deutsche Tanzstücke mit Drehleier, Banjo und Geige, wobei sich die ungewöhnliche Drehleier-Banjo-Kombination besonders gut anhörte, man müsste nur, wenn die Drehleier so richtig lauf zu schnarren anfängt, dem Banjo ein Mikrophon extra noch hinstellen, aber das ist ein dermaßen schmissiger Sound, dass ich mich wundere, warum es so was nicht öfter gibt. Oder gibt es das? Oder vierstimmigen Gesang, sogar ein Madrigal auf Kölsch. Mit vier Stimmen vierstimmig zu singen, ohne sich gegenseitig raus zu bringen, das will geübt sein – und war es auch. Oder Übertragungen von tragischen Tierliedern aus der Feder von Eric Bogle ins Deutsche, schottische und quebecoische Lieder in Originalsprachen, eine reine Instrumetalversion des jiddischen „Bei mir bist du schön“, Vertonungen von Gedichten von Fritz Grasshoff, das Till Nine-Fans bekannte „My Johnny was a shoemaker“, das Sylvia in deren Repertoire hinein gebracht hat und anderes mehr. Kontrastissimo eben.

Eigentlich war es schade, dass das Konzert so gut besucht war, dachten wir am Schluss, nachdem das Publikum weg war (Petra und ich waren noch da), als Sylvia und Tontechniker Alex Thieme noch ein paar zweistimmige mittelalterliche Lieder sangen und zusammen mit Mathias eine Schnulze aus dem 20. Jh., denn so ohne die ca. 80 schallschluckenden Körper wirkte die Akustik der Aula (ich habe sonst immer „Foyer“ geschrieben, aber offiziell heißt es „Aula“) noch besser. Aber im Grunde waren doch alle Beteiligten froh, dass so viele Leute kamen, und wenn ich von mir auf andere schließe, waren auch diese 80 froh, gekommen zu sein. Und die von Gambrinus können auch gerne noch öfter kommen.

http://www.gambrinus-folk.de
http://www.inter-times.de/Components/Vereine/Vereine_Bad_Honnef/Stapelseiten_Bad_Honnef_/stapelseiten_bad_honnef__33.html


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IV.4. Konzertrezension: Norland Wind im Bungertshof in Oberdollendorf am 24.11.2005

„Der liebe Gott hat die Zeit erschaffen, und er hat genug davon gemacht.“ An dieses irische Sprichwort dachte ich wirklich nicht, als ich um 19.15 Uhr an der U-Bahn stand, die nächste Bahn erst um 19.36 Uhr kommen sollte, und ich beschloss das Auto zu nehmen, um rechtzeitig um 20 Uhr am Bungertshof zu sein, das Auto aber nicht ansprang, ich so die Bahn um 20.06 Uhr nehmen musste und um 20.30 Uhr am Bungersthof ankam. Aber die Musiker waren so freundlich, mit dem Konzert noch nicht angefangen zu haben. Das lag aber doch nicht an meiner Verspätung, sondern daran, dass sie von Berlin kommend zehn Stunden auf der Straße verbracht hatten, davon drei im absoluten Stau. Nun, sie mussten erst einmal das ganze elektronische Equipment aufbauen und einrichten, einige hatten zwischendurch auch noch Zeit für ein Schwätzchen, das Publikum in dem vollständig besetzen Raum, inklusive einer Hochzeitsgesellschaft, wartete geduldig, die Leute unterhielten sich, aßen und tranken, ganz im Sinne einer französischen Mittagspause, wie David Michel von Le Clou, die am 3.2.2006 im Bungertshof spielen werden, es gerne sagt, und schauten den Musikern beim Aufbau zu. Nachdem ich so eine Stunde da stand, mit Wirt und Wirtin, sowie den Duggan-Brüdern sprach, dann plötzlich Matthias Klose von Till Nine auftauchte und sagte, an ihrem Tisch ganz vorne sei noch ein Platz frei, begann dann so gegen 21.30 Uhr das Konzert, und es wundert nun eigentlich nicht, dass mir da oben zitiertes irisches Sprichwort einfiel.

Eine der besten deutschen oder – besser gesagt – in Deutschland ansässigen – da ja deutsch-irisch-norwegisch-schottisch/englisch besetzt – Irish Folk-Gruppen zu hören, nimmt man doch gerne mal etwas in Kauf, zumal ich sie noch von ihrem Konzert 2001 in der Harmonie in angenehmster Erinnerung hatte, und Kerstin Blodig zwischendurch noch in der Brotfabrik mit Kelpi und in Rudolstadt mit Malbrook gehört hatte. Und als sie da nun mit ihrer Gitarre wieder vor mir stand und ihre faszinierende Stimme erklingen ließ, neben ihr, aus Publikumsperspektive links Noel Duggan mit einer Mandoline, hinter ihm Matthias Kießling am Keyboard, rechts von Kerstin Thomas Loefke an seiner Harfe, etwas versteckt hinter ihm Pádraig Duggan mit Bongos, rechts von Thomas Máire Breathnach mit ihrer Geige und ganz rechts Colin (den Nachnamen habe ich jetzt leider nicht) an der Low Whislte, und zwar in Vertretung für Ian Melrose, der sich lieber auf einem Gitarrenfestival herum trieb, als uns die Ehre zu erweisen, nahm mich die Magie dieser Musik sofort wieder gefangen. Wie schon 2001 beschrieben, spielen sie einen sehr an die frühen Clannad erinnernden Sound, ohne sie einfach nachzuahmen. Kerstins Stimme ist auch etwas schärfer als die von Moya Brennan, der berühmten Nichte der Duggan-Brüder, und diese klare Stimme verbunden mit dem recht harten Klang der Harfe, die beide rhythmisch und melodisch zugleich klangen, oft unterstützend ein mehrstimmiger Satzgesang der Duggans und Máires, der Klangteppich des Keyboards, dann die Geige und die Whistle entschädigten sofort für die Wartezeit. Zwischendurch gab es auch einige Soli, leider nicht von Colin, der an diesem Abend seinen ersten Gig in dieser Formation hatte und extra von Mönchengladbach, wo der Engländer wohnt, nach Berlin geflogen war, um sich für drei Tage der Tour anzuschließen. Ein solches hoffe ich doch irgendwann mal hören zu dürfen, denn der junge Mann spielte genau so erstklassig wie die anderen.

Für Gitarristen dürfte es interessant gewesen sein, Kerstins Gitarrenspiel zu beobachten, das sie bei einem norwegischen Trollsang, welcher besseres Wetter herbei rufen sollte, einsetzte: Sie tippte zuerst die Saiten mit den Fingernagelspitzen an, strich dann einen harten Akkord mit den Fingernägeln, dann einen weichen mit den Fingerkuppen. Der Till Niner Bernd meinte, das machten Rockmusiker manchmal mit E-Gitarren, aber Kerstin hatte eine elektroakkustische, und ihr ruhiges, aus sehr langen Vokalen bestehendes Lied wurde dadurch rhythmisch und um noch eine Spur sphärischer, als es eh schon war. Die meisten Lieder wurden natürlich nicht auf Norwegisch, sondern auf Gälisch gesungen, wenige auf Englisch. Dass die Duggans Gälisch können, ist ja allgemein bekannt, und auch bei Máire Breathnach wundert es nicht, aber auch Kerstin Gälisch hörte sich für meine Ohren authentisch an. Das Besondere am Norland Wind- und frühen Clannad-Sound ist meines Erachtens, dass sich selbst die ruhigen und eher langsamen Stücke sehr rhythmisch und vielschichtig anhören. In dieser Art ist auch eines der Stücke aus Thomas Loefkes Feder, zugleich eines meiner Lieblingsstücke überhaupt. Es wurde von Thomas mit der Geschichte angekündigt, dass am 2. Weihnachtsfeiertag in Dublin viele Leute mit Geigenkoffern unterwegs seien, die Träger eines geheimen keltischen Wissens seien, nämlich, welche Kneipen an diesem Tag offen hätten und dass man diesen Geigenkofferträgern in Dublin dann ruhig folgen sollte, was in Palermo nicht anzuraten sei. Das Publikum lachte, so dass wohl auch viele zum ersten Mal Norland Wind hörten und den Witz noch nicht kannten. Natürlich kam nach dieser Ankündigung kein Pubsong, sondern ein filigran-rhythmisches Harfenstück namens „Stephen’s Day Session“.

So ging das Konzert dann bis ca. 23.30Uhr ohne Pause, und irgendwie wollten die Leute das nicht so richtig begreifen, und es war wohl eher der Gedanke, dass der Freitag ein Arbeitstag sei, der sie dann aufbrechen ließ, und bestimmt ging ihnen am Freitag die Arbeit viel besser von der Hand als sonst.

Pádraig Duggan konnte mir übrigens während der Wartezeit am Anfang eine Frage beantworten, die ich schon mit vielen Musikern und Irish Folks-Fans diskutiert hatte, ohne eine befriedigende Antwort zu erhalten: Wie wird „Clannad“ ausgesprochen, „Clännäd“, wie die meisten meinten, oder „Clannâd“, wie Ted Furey es 1975 beim 2. Irish Folk Festival in Deutschland ankündigte und dem ich immer geglaubt hatte? Weder noch, sondern schlicht und einfach „Clannad“, also schnell und kurz, auf dem ersten a betont, aber nicht mit ä. Pádraig meinte, Ted Furey habe es warum auch immer falsch ausgesprochen damals vor 30 Jahren. Die Duggans gaben mir dann auch noch ihre neue CD „Rubicon“ zur Besprechung mit. Die folgt dann also auch noch demnächst.

Wer die angenehme Mischung aus gemütlichem Restaurant mit guter Wein- und Bierauswahl und irischer Musik demnächst noch mal erleben will, kann das am 16.12., denn dann werden Whisht! dort spielen, und am 22.12., wenn Nadia Birkenstock mit ihrer Harfe da sein wird.


http://www.thomasloefke.de/
http://www.concertidee.de/norlandwind/
http://www.kerstinblodig.de/
http://www.clannad.ie/
http://www.mairebreatnach.com/
http://www.bungertshof.de

Nachtrag:
Margret Hüffer beantwortete die im folkigen Rundbrief rund geschickte Norland Wind-Rezension:

"Hallo Michael,
wenn es sich bei Norland Wind um Colin aus MG handelt, ist es Colin Goldie, der die Overton-Whistles in Lizenz baut und selbst ein ganz exzellenter Whistlespieler ist. Schade, hätte ich gewußt, daß er dabei ist, hätte ich es mir glatt noch überlegt...Colin hat übrigens eine ganze Reihe von Whistlern hier ([Namen lasse ich hier raus; MAS] mich selbst etc) mit seinen Whistles versorgt.
Nun weißt Du was Neues, schönes Wochenende
Margret"

Ja, nun weiß ich was Neues. Derartige Rückmeldungen auf Grund sorgfältig gelesener Rundbriefe sind mir immer willkommen.

Und hier deshalb gleich der Link auf Colin Goldies Seite:
http://www.overton.de/texte/csghomedeu.html


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IV.5. Konzertrezension: Whisht! im Bungersthof in Königswinter-Oberdollendorf am 16.12.2005


„Interessiert sich überhaupt einer dafür, was ich hier labere?“ Nein, diese Frage stellte niemand an diesem Abend im Bungersthof, sondern es war zwei Tage später Tumalon, alias Mathias Aring auf dem mittelalterlichen Weihnachtsmarkt in Siegburg, als das Publikum ein wenig passiv auf seine Fragen reagierte. Er meinte es scherzhaft, denn sein Publikum war sehr aufmerksam, aber einige der Leute, die am Freitagabend das Konzert von Whisht! im Bungertshof besuchten, hielten die Musik wohl eher für Tafelmusik zur hintergründigen Untermalung ihrer Tischgespräche, die sie auch dann nicht unterbrachen, als die Musiker die Inhalte der je folgenden Lieder erklärten. Erst nach einer doch diesbezüglichen Bitte Johannes Schiefners wurde es in der zweiten Hälfte etwas besser.

Nun, dafür konnten die vier Musiker vorne auf der Bühne nichts, sie gaben ihr Bestes, und das war so gut, dass auch das Ehepaar aus Ulmen in der Eifel, das an unserm Tisch saß, seine eineinhalbstündige Herfahrt nicht bereute. Ekhart Topp (Gitarre, Gesang), Holger Ries (Percussion, Bhodrán, Gesang), Johannes Schiefner (Uilleann Pipes, wooden Tin Whistles, Keyboard und Gesang) und Sabrina Palm (Fiddle) präsentierten ihre schon in den Rezensionen vom 3. Bonner Irish Folk Festival am 24.4.2004 und ihrem Konzert im Feuerschlösschen am 9.10.2004 beschriebene Mischung aus Tunes und Songs (Ekhart erklärte fachkundig, Tunes seien Melodien ohne und Songs Melodien mit Text) im Rhythm&Reel-Stil, moderne Arrangement traditioneller Stücke, vor der Pause evtl. ein wenig unter zu lauter Percussion leidend, was aber laut Info von Johannes in der Pause daran lag, dass die anderen Instrumente zu leise seien, so dass das nach der Pause behoben war, lustige Ansagen zwischendurch, sehr flotte Hornpipes (das waren doch welche, oder?) und Reels, gefühlvolle Liebeslieder, wieder das mystische „Broceliande“, bei dem man Sabrinas schaurig gekratzte Geige leider nicht so deutlich hörte wie sonst, auch wieder die Laridée, auf die aber leider niemand tanzte, ein seemännischer Shanty, bei dem das Publikum den Refrain so kräftig mitsang, dass wir dafür eigentlich einen Segelschein bekommen müssten, und besonders zu erwähnen, Irish Step Dancing-Einlagen zweier Damen namens Antje und Anike, die einen Hauch der großen Tanzshows in die Gaststube brachte. Das Einzige was nun eigentlich noch fehlte, war, dass auch Sabrina mal sang, denn während die drei Männer sich nicht scheuten, auch ihre natürlichen Instrumente, erklingen zu lassen und nicht nur die künstlichen, erklang Sabrinas Kehlkopf nur für ihre Ansagen. Zum Ausgleich hüpfte sie aber ab und zu wieder ausgelassen beim Geigespielen, während die drei Herren die meiste Zeit nur saßen oder vielleicht auch mal kurz standen.
Nee, es fehlte eigentlich nichts, außer, dass sie endlich mal ein Whisht!-CD produzieren sollten. Na, die wird bestimmt eines Tages kommen.

Der Bungertshof mausert sich immer mehr zum folkigen Szenelokal, das nächste irische Konzert mit Nadja Birkenstock am 22.12. soll schon ausverkauft sein, aber am 25.12., also nicht am Stephen’s Day, sondern einen Tag davor, am 1. Weihnachtsfeiertag soll die monatliche Session statt finden. Ansonsten, wie schon mal angekündigt, wird am 3.2.2006 die wohl dienstälteste Bonner Folkband ihr 30. Bühnenjahr im Bungertshof einleuten, und wer den Geiger auf unserer Homepage noch immer nicht erkannt hat, wird ihn dann leibhaftig kennen lernen dürfen.

http://www.whisht.de/
http://www.bungertshof.de


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IV.6. CD-Rezension: Deitsch. Königskinder.

(rough trade) 2005, 14 Tracks, 55,47 Minuten mit Texten, Infos und Fotos


Das schrieb ich ganz spontan am 31.10.205:

„Hi Folks,

eben war die neue Klingende Post im Briefkasten mit 22 Stücken aus 22 CDs von Old Songs New Songs in Bochum, darunter eines, auf dass ich in dieser Runde aufmerksam machen muss. Jürgen Treyz und Gudrun Walter, bekannt als Musiker bei Adaro, La Marmotte bzw. Lynch the Box, More Maids u.a. haben sich zu dem Duo Deitsch zusammengefunden und auf der CD "Königskinder" alte deutsche Lieder eingespielt und -gesungen, und zwar in einer solchen Qualität (zumindest nach dem Hörbeispiel der Klingen Post aus zu urteilen), dass mir Tränen der Begeisterung kamen. So zeigt es sich, dass die beiden viele Jahre die irische und französische Musik geübt haben, um nicht nur den Gesang, sondern auch die Instrumentalpartien mitreißend zu spielen, was ja bei Deutschfolkbands oft zu wünschen übrig lässt. Ich kann die CD nicht rezensieren, da ich sie nicht selbst habe, aber lest mal die Rezi von Klaus Sahm und Erich Schmeckenbecher unter:
http://osns.sam-ip.com/detail2.asp?Produkt_ID=453373192.

Wie ich unter http://www.deitsch.de lese, ist es nicht nur ein Duo, sondern auch dabei sind:
Johannes Uhlmann: diatonisches Akkordeon
Henrik Mumm: Fretless-Bass, Akustik-Bass, Kontrabass, Cello
Herbert Wachter: Perkussion, Schlagzeug
Christoph Pelgen: Dudelsäcke (Schäferpfeife, Hümmelchen)
Andreas Uhlmann: Posaune
Konstanze Kulinsky: Satzgesang
Hans Ehrenpreis: Satzgesang

Konstanzes Drehleier ist also leider nicht dabei.“
[Ich habe gegenüber dem Original ein paar Tippfehler korrigiert und den Klaus Sahm eingefügt.]

Und nun, da mir die CD vorliegt, die zwei Tage später kam, ergänze ich zunächst die Instrumente der beiden Hauptprotagonisten:
Gudrun Walter: Gesang, Violine, Viola, Satzgesang
Jürgen Treyz: Akustik-Gitarre, 12-saitige Gitarre, Dobro, Telecaster, Mandoline, Mandola, Satzgesang

Potzblitz, was ist denn da der Esslinger Musikschmiede entstiegen? Eine Stimme wie Nena, ein Bandsound wie Altan, eine Liedauswahl wie bei Garmana oder Triakl, nur eben keine Neue Deutsche Welle und auch keine Irish Folk Music oder Svensk Folkmusik, sondern deutsche Volksmusik, und zwar Lieder, die auch meine Schwiegermutter kennt und mir am Telefon vorsingt, als ich ihr von der CD erzähle. Na zumindest das Titellied „Es waren zwei Königskinder“ singt sie, aber schon geht die Diskussion los: War es nun eine falsche Norne, die die Kerzen ausblies, so wie im Text der CD, oder vielmehr eine falsche Nonne, wie meine Schwiegermutter meint? Ich recherchiere im Internet und finde eine Version von „Deutsche Volkslieder“ von 1807, in der die Norne bestätigt ist, aber auch eine lateinische Version, in der eine monacha falsa, also eine Nonne die Übeltäterin ist, desgleichen in der plattdütschen Version im „Hausbuch deutscher Balladen“, das ich neulich beim Bücherbasar der ULB Bonn erstand, in der es eine Nunne ist. Lassen wir die Frage offen, ob es nun eine germanische Schicksalsgöttin oder eine christliche Ordensfrau war, zumal die Herkunft der Geschichte im antiken Griechenland liegen soll, und schauen, was es sonst noch gibt:

Gesungene Lieder und rein instrumental gespielte Melodien, zumeist Tänze, wechseln einander ab, d.h. Lieder sind es etwas mehr, nämlich acht der 14 Stücke. Gudrun singt hochdeutsch, eines ist von Jürgen auf Schwäbisch. Die Texte, in denen es nicht nur um besagte Königkinder, sondern auch um ein um ihren untreuen Geliebten trauerndes Mädchen, einen Wassermann (ein sehr beliebtes Motiv deutscher Balladen, nicht nur bei Achim Reichel und Johannes Mayr), ein Mädchen das Brombeeren pflückt und dabei schwanger wird, ein anderes Mädchen, das lieber einem jungen Reiter folgt als bei der Mutter zubleiben, einen heimgekehrten Mann, der seine wartende Geliebte hart auf ihre Treue prüft, die Schönheit der Maienzeit und einen schwäbischen Schumacherburschen geht, sind alle traditionell und auch die Liedmelodien, abgesehen von „Der Lindenbaum“, und während die tradierten Melodien recht einfach sind, wie man sie so kennt, werden sie von komplexen und rhythmischen Instrumentaleinlagen begleitet, komplex vor allem dahin gehend, als sie sich dem jeweiligen Textinhalt anpassen, bei dramatischen Stellen an Intensität zunehmen oder ihre Stimmung je nach inhaltlicher Wendung ändern. Mit einfachen Begleitakkorden hat das nichts zu tun, sondern ist Kunst in Hochform. Man merkt den Musikerinnen und Musikern eine langjährige intensive Beschäftigung mit irischer, französischer, balkanischer und anderer Musik an, wobei sich alle diese Einflüsse harmonisch der deutschen Leitlinie anpassen und sie bereichern, ohne exotisch oder zu experimentell zu wirken. Es ist eher so, wie auch irische Musiker sehr viel Fremdes importieren und verarbeiten und zu Eigenem machen. Das gilt auch für die Instumentals: Zwiefacher, Schottische, Rheinländer, Polkas (na, die eine spontan im Studio geschriebene Polka könnte aus Kerry stammen) und anderes (ich kann nicht alles genau identifizieren, da fehlt mir noch etwas Sachverstand), auch mal ein ganz ruhiges Stück mit oben aufgelisteten Instrumenten, wobei Christophs Sackpfeifen etwas sehr zurückhaltend sind, aber Geige und diatonisches Akkordeon verbreiten eine so gute Laune, die bei der doch sehr zu Herzen gehenden Dramatik der Balladen sehr gut tut, und dabei ist der Klang so voll, wie eben bei Altan und anderen der irischen Spitzengruppen.

Fazit: Auf so eine CD habe ich lange gewartet. Endlich widmen sich mal wieder Spitzenmusiker(innen) auch außerhalb der Mundart-, Kabarett- und Bordunszene der deutschen Volksmusiktradition und katapultieren sie ins 21. Jahrhundert, so dass „wir“ endlich mal wieder auf einer Ebene mit unseren europäischen Freunden stehen. Ich setze das „wir“ in Anführungszeichen, weil ich von Kollektividentitäten wie bei „Wir sind Papst“ nicht sehr viel halte, aber etwas Wir-Gefühl ist doch dabei, nicht nur, weil ich die Texte verstehe. Jedenfalls haben wir wieder etwas zum Vorzeigen, wenn wir woanders zu Gast sind: Guck mal, bei uns gibt es auch sehr gute Volksmusik, jenseits von Tümelei, Museum und Kindergarten. Und da sie auch meine Schwiegermutter mit 74 anspricht – wobei sie auch Jazz und Soul hört und El Hussein Kili – könnte diese Musik die Generationen wieder verbinden, und vielleicht auch die Folk- und die volkstümliche Szene, es sei denn letzterer ist diese Musik zu ernst, zu tief, zu bewegend. Wenn sie Schule macht, könnte sie auf jeden Fall eine Neue Deutsche Folkwelle in Gang bringen. Behalten wir es im Ohr!

Interessant zu wissen wäre es, wie sich Deitsch life anhört, nur als Duo, oder ob nicht doch eine größere Band daraus wird, damit der schöne und volle Bandsound erhalten bleibt. Im Folker! 1/06 wird ein Artikel über Deitsch von Uli Joosten erscheinen. Darauf bin ich sehr gespannt. Im Übrigen hat der Folker! die Entstehung der CD unterstützt.

http://www.deitsch.de
http://osns.sam-ip.com/detail2.asp?Produkt_ID=453373192

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IV.7. CD-Rezension: The Duggans & Friends. Rubicon

MDM Records 2004 mit Fotos und Infos (engl.)
15 Tracks, 64,12 Minuten

Die Brüder Pádraig & Noel Duggan (Gesang, Mandoline & Gesang, Akustische Gitarre) legen mit dieser Scheibe eine großenteils ruhige, nur in wenigen Liedern etwas temporeichere CD vor, die sehr gut in das Kielwasser der Clannad-Veröffentlichungen passt. Im Büchlein ist auch erzählt, wie die beiden dereinst die heute als Cultband gehandelte Familiencombo gründeten. Dass die beiden in den vergangenen drei Jahrzehnten ihrer musikalischen Karriere aber nicht alles nur auf das eine Pferd setzten, beweist die lange Reihe der Freunde, die als Gastmusiker mitwirken: Eamonn de Barra (Holzquerflöte), Kerstin Blodig (Gesang, Akustische Gitarre, Bouzouki, Bhodrán), Máire Breathnach (Fiddle, Viola, Hintergrundgesang), Brídín Brennan (Gesang), Deidre Brennan (Gesang, Bones), Moya Brennan (Gesang), Ciaran Byrne (Hintergrundgesang), Paul Byrene (Percussion, Akustischer Bass), Orlagh Fallon (Gesang), Urs Fuchs (Percussion, Akustischer Bass), Finbar Furey (Gesang, Uilleann Pipes), Peter Jack (Bass), David James (Cello), Ingolf Kurkowski (Trommeln, Percussions), Thomas Loefke (Keltische Harfe), Patsy Dan MacRuidhrí (Gesang), Ian Melrose (Akustische & Elektrische Gitarre), Sean More (Piano), Aidan O’Brian (Uilleann Pipes), Ian Parker (Piano), Andres Roberts (Hintergrundgesang).
Diese hier wie im Büchlein alfabetisch wieder gegebene Liste zeigt sehr schön die Verzahnung irischer und deutscher Musiker, und Fans wissen ja eh, dass die Duggans auch Mitglieder der in Berlin ansässigen Norland Wind sind. Das besondere an dieser CD scheint mir in Abgrenzung zu den Clannad-CDs weniger der Stil zu sein, als viel mehr, dass die beiden Brüder, obwohl Nichte Moya auch in einigen Liedern mitsingt, ihre eigenen Stimmen mehr zu Gehör bringen. Und auch Kerstin Blodig, die dabei Norland Wind sie Hauptsängerin ist, hält sich hier sehr zurück. Nun sind die beiden aber wohl bessere Instrumentalisten als Sänger, denn die Lieder wirken großenteils eher gehaucht als markant gesungen. Lustig klingt das 70er-Jahre Pop-Lied „Lisa“ aus der Feder der Duggans, das mich an manche Blääck Fööss-Lieder aus dieser Zeit erinnert. Hauptsächlich sind es aber traditionelle Lieder in gälischer Sprache, und für Könner dieser Sprache ist die CD bestimmt ein poetischer Genuss, aber das kann ich nur erahnen. Das müsste z.B. Michael Klevenhaus beurteilen. Nützlich wäre eine zweisprachige Widergabe der Texte im Büchlein. Es gibt auch ein englisches Lied, in dem es heißt: „A bird can sing with a broken wing but not with a broken heart“, was mich an „These broken wings wont’t fly“ von Cherish the Ladies erinnert. Nun mag man den Vogel fragen, was für ihn wichtiger ist, das Fliegen oder das Singen.
Die CD ist ein Muss für Clannad- und Norland Wind-Fans und überhaupt sehr empfehlenswert für Freunde ruhiger, verträumter und dabei gleichzeitig traditioneller und moderner Musik aus dem mystischen Irland.

http://www.clannad.ie/
http://www.thomasloefke.de/
http://www.concertidee.de/norlandwind/


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V. Und noch’n Gedicht

„Im silbrigen“ von Merlikin

Im silbrigen
Mondlicht
in stiller Nacht

die Blumen
beginnen

zu träumen.

Quelle: http://merlikin.blog.de/

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Herzliche Grüße,
Euer/Ihr
Michael A. Schmiedel