Sunday, October 30, 2005

Interreligiöser Rundbrief Nr. 117

Interreligiöser Rundbrief für Köln/Bonn und Umgebung Nr. 117
( 30.10.2005)

I. Editorial 2
II. Veranstaltungshinweise. 3
II.1. Veranstaltungen unter Mitwirkung von Religions for Peace / WCRP Köln/Bonn 3
II.1.a. Schweigen für Frieden und Gerechtigkeit am 3. November und am 1. Dezember 2005 3
II.1.b. Interreligiöser Gesprächskreis in Bonn am 1. Dezember 2005. 3
II.2. Veranstaltungen des Wissenschaftsladens Bonn e.V. und des AK Religiöse Topographie Köln/Bonn e.V. 4
II.2.a. Exkursion zur Evangelischen Freikirche Bonn am Samstag, dem 05.11.2005. 4
II.2.b Vortrag "Islam in Deutschland" am Mittwoch, dem 09.11.2005. 5
II.2.c Exkursion zur Islamischen Hochschulvereinigung am, Samstag dem 26.11.2005. 5
II.2.d Vorschau auf 2006. 6
II.3. 45. Öffentliches Vortragswochenende der Deutsch-Tibetischen Gesellschaft e.V. am 12.11.2005. 6
II.4. Interreligiöse Tagung zum Thema Mystik und Frieden - Spirituelle Beiträge der Religionen zu einer Weltkultur" in Edlibach/Zug (Schweiz) am 3.-6.11.2005. 11
II.5. 5. Bonner Buchmesse Migration 10.-13.11.2005. 11
II.6. Jugendkongress JUPP’05 in Essen am 12.-13.11.2005. 11
III. Literaturtipps. 13
III.1. Martin Baumann, Samuel M. Behloul (Hg.), Religiöser Pluralismus. Empirische Studien und analytische Perspektive. 13
III.2. Acht neue Bände der Schriftenreihe "Interkulturelle Bibliothek". 14
IV. Pressemeldung. 15
IV.1. NS-Massengrab: Jüdische Zwangsarbeiter sollen an Fundort Ruhe finden. dpa-Meldung von Ulf Mauder. 15
V. off-topic: Musik-Rezensionen von mir 16
V.1. Konzertrezension: Show of Hands beim Folk im Feuerschlösschen in Bad Honnef am 15.9.2005. 16
V.2. Konzertrezension: Rheinpiraten und Liederjan im Bungertshof in Königswinter-Oberdollendorf am 30.9.2005. 20
V.3. Konzertrezension: Pure Irish Drops in der Brotfabrik in Bonn-Beuel am 8.10.2005 22
V.4. Konzertrezension: The Midden beim Folk im Feuerschlösschen in Bad Honnef am 22.10.2005. 23
V.5. CD-Rezension: Wibbelstetz. De Kopp voll Dröhm... 24
V.6. CD-Rezension: The Irish Folk Festival 05. Tunes for Tara. 25
V.7. CD-Rezension: Günter Hochgürtel. Troubadour. Günter Hochgürtel singt eigene und andere Lieder. 25
VI. Und noch’n Gedicht 26



I. Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

es ist Ende Oktober, die Temperaturen draußen sind fast sommerlich, man kann in herbstlich bunter Landschaft noch milde Luft an den Körper lassen, man kann es genießen, man kann sich sorgenvolle Gedanken über den Klimawandel machen. Wenn schon das atmosphärische Klima einen großen Einfluss auf uns und unser Wohlbefinden hat und wir einen Einfluss auf das Klima haben, den wir aber nicht absichtlich steuern können, sondern der unserer Macht entgleitet, so ist der Einfluss des sozialen, menschlichen Klimas auf uns häufig noch sehr vie spürbarer, und gleichermaßen beeinflussen wir dieses, aber auch dieser Einfluss entgleitet unseren Absichten. Die Atmosphäre und wir Menschen haben gemeinsam, dass wir chaotische Systeme sind. Eine kleine Veränderung in der Ursache kann eine kleine, eine große oder keine Veränderung in der Wirkung erzielen, ohne dass wir das im Griff hätten. Hatte Helmut Kohl schon gesagt „Wichtig ist, was hinten raus kommt!“, so entzieht sich gerade dieses oft unserer Macht. Was uns bleibt, ist die Möglichkeit, aus bestem Wissen und Gewissen heraus zu handeln und dann zu hoffen und zu vertrauen, dass es gut geht. Religionen bieten uns die Möglichkeit, uns von dem, worauf wir dann vertrauen, genauere Vorstellungen zu machen und unser Handeln mit diesen Vorstellungen abzugleichen. Aber Unfehlbarkeiten gibt es auch da nicht. Glücklich, wer diesen Unwägbarkeiten gegenüber eine Gelassenheit entwickelt, ohne dass es zu einem Mangel an Tatkraft kommt.

Meine Tatkraft ist derzeit auf meine Dissertation, die öffentlichen Vorträge und musikjournalistische Artikel fokussiert, und auch meine Familie benötigt ab und an meine Aufmerksamkeit. Dieser Rundbrief wird so gewissermaßen zwischen Tür und Angel zusammengestellt. Ich verweise darauf, dass auch einige der in den vorangegangenen Rundbriefen angekündigten Veranstaltungen noch vor uns liegen, z.B. einige Vorträge der recht gut besuchten Reihe „Der Neue Orient“ (vgl. Interrel. Rb. Nr. 116 Punkt II.5.b.). Ein Blick in die älteren Rundbriefe lohnt sich also immer noch. Fasziniert bin ich nach wie vor von Prof. Nasr Abu Zayd, der als historisch-philologisch arbeitender Koranexperte an einem Paradigmenwechsel der innerislamischen Koranexegese arbeitet, allen Widerständen zum Trotz. Die Wechselwirkung von Religion und Wissenschaft wurde auch auf der Feier zum 50. Jubiläum der Kölner Bahá’í-Gemeinde deutlich, auf der Prof. Manfred Hutters religionswissenschaftlicher Vortrag über das Verhältnis der Bahá’í zu anderen Religionen von den anwesenden Gläubigen interessiert aufgenommen wurde. Wissenschaft und Religion sind zwei verschiedene Teile menschlicher Kultur, die einander nicht ersetzen, aber einander ergänzen können. Es kann sehr wohl zu Konflikten kommen, wenn in Bezug auf das selbe Thema aus den verschiedenen Perspektiven unterschiedliche Aussagen formuliert werden. Das zeigten auch mehrere Beiträge auf der Tagung der Deutschen Vereinigung für Religionsgeschichte (die sich dort in „Deutsche Vereinigung für Religionswissenschaft“ umbenannt hat) in Bayreuth, in denen nicht nur von friedlichen Konfliktlösungen berichtet wurden, sondern auch von Gerichtsverhandlungen und gar gewaltsamen Übergriffen. Genau wie zwischen Religionen sind auch zwischen Religionen und Wissenschaften Dialoge notwendig. Nicht immer funktionieren sie so harmonisch wie bei besagtem Jubiläumsfest.

Dieser Rundbrief enthält nicht sehr viele Veranstaltungshinweise, darunter auch ein eher rein politischer (II.5.), den mir meine WCRP-Kollegin Sonja Profittlich zuschickte. Da er für Studierende im Rundbriefverteiler interessant sein könnte, habe ich ihn aufgenommen. Natürlich lade ich noch mal speziell zu meinem Vortrag über Islam in Deutschland (II.2.b.) ein, den ich in den nächsten Tagen vorbereiten werde und zum interreligiösen Gesprächskreis (II.1.b.), bei dem es um Gelassenheit gehen wird. Mein Fachkollege Michael Blume schickt in der religionswissenschaftlichen Yggrdrasill-Liste eine Pressemeldung über das in Stuttgart gefundene Massengrab jüdischer Zwangsarbeiter rund (IV), für das die zuständigen Fachleute der staatlichen Stellen, der Religionswissenschaft und vor allem der jüdischen Theologie im letzten Monat eine Lösung suchten, ein spannender Fall heutiger Religionspolitik, in der diesmal religiöser Pietät der Vorrang vor anderen Interessen gegeben würde. Ansonsten sehen Sie, dass ich ein paar Musikrezensionen (V.) mehr als sonst drin habe. Nun, ich besuche gerne Konzerte und höre gerne CDs, und da ich manchmal dafür in Form von Rezensionen zahle, statt mit Geld, wovon derzeit fast nichts rein kommt, möchte ich auch möglichst viele Menschen daran teilhaben lassen, und nicht nur die im Verteiler der folkigen Rundbriefe. Wenn Sie auch Folk- und Weltmusik mögen, schauen Sie doch mal da hinein http://www.bonn.folk.welt.musik.de.vu, da finden Sie einige Konzerthinweise, z.B. auf das Klangwelten-Festival am 8.11. mit Musik der Inuit, aus Kasachstan, Indien und Europa oder auf das Irish Folk Festival am 15.11.. Kulturelle Vielfalt zeigt sich nicht nur in den Religionen, sondern auch in den Musiken der Völker, die ebenfalls den Spagat zwischen Identitätsbildung und Grenzüberschreitung wiederspiegeln, den Menschen vollziehen.

Wer noch etwas zum Rundschicken hat, kann es mir zu den Stichtagen 12.11., 26.11. und 10.12. für Ergänzungsrundbriefe und 20.12. für den nächsten Hauptrundbrief noch zuschicken.

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II. Veranstaltungshinweise

II.1. Veranstaltungen unter Mitwirkung von Religions for Peace / WCRP Köln/Bonn

II.1.a. Schweigen für Frieden und Gerechtigkeit am 3. November und am 1. Dezember 2005

jeweils 17.30-17.45 Uhr:, Münsterplatz, Bonn.

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II.1.b. Interreligiöser Gesprächskreis in Bonn am 1. Dezember 2005

19.30-21.30 Uhr bei Lioba von Lovenberg, Argelanderstr. 6, 53115 Bonn
Thema: „Gelassenheit – Duldung oder Akzeptanz?“

Rückblick auf den letzten Gesprächskreis im Oktober:
Am 6.10.2005 waren wir sieben Gesprächsteilnehmer(innen) mit christlichem, muslimischem, vereinigungskirchlichem, buddhistischem und humanistischem Hintergrund. Wir führten das im September begonnene Gespräch über die Frage, wie wir unseren eigenen Fanatismus erkennen und überwinden können fort. Dabei stellten wir fest, dass es in religiösen wie auch in anderen kulturellen Angelegenheiten bisweilen eine traditionelle und eine auf Änderung bedachte Partei gibt. Auf beiden Seiten gibt es Menschen, die ihre Werte nicht nur für sich, sondern auch für andere als verbindlich betrachten. Es kommt vor, dass man die eigenen Vorstellungen als für die gesellschaftliche Stabilität und Sicherheit, für das Funktionieren des Zusammenlebens als notwendig erachtet. Der Hintergrund mag auch eine eigene, individuelle Abhängigkeit von einer bestimmten Gesellschaftsordnung sein. Bei der Verteidigung dieser Werte gegenüber Menschen, die diese in Frage stellen, kommt es daher oft zu Fanatismen. Nun ist es einfach, Fanatismus bei den Anderen fest zu stellen, aber schwierig, ihn bei sich selbst zu erkennen. Wenn wir so in harmonischer Runde zusammen sitzen, und uns der Wichtigkeit des friedlichen Zusammenlebens von Menschen verschiedener Weltanschauungen bewusst sind, und alle sogar noch einer eher inklusivistischen oder pluralistischen Theologie anhängen, nach der der Kern aller Religionen gleich sei, kommt es uns nicht so leicht in den Sinn, dass auch wir der Gefahr unterliegen, diese unsere Ansicht gegenüber Vertretern von exklusivistischen Anschauungen fanatisch vertreten zu können. Nachdem uns das aber bewusst wurde, kam die Frage auf, wie das zu verhindern sei, und dabei kam uns der Begriff „Gelassenheit“ in den Sinn, Gelassenheit die auf dem Vertrauen beruht, dass sich das Wahre letztlich durchsetzen werde und dabei nicht von unserem fanatischen Eintreten dafür abhänge. Dieses Vertrauen und diese Gelassenheit zu entwickeln, sei aber selber ein Übungsweg.

Ein Nebenthema war auch, wie religiöse Erfahrung und Institutionalisierung von Religion zusammenhängen, verbunden mit der Frage, ob es Erfahrungen gibt, die gänzlich unabhängig vom kulturellen Kontext des Erfahrenden sind, was von einigen bejaht, von anderen abgelehnt wurde. Auch die Frage, ob man eine Instrumentalisierung von Religion für andere Ziele, z.B. der Erhaltung einer Institution als politischer Größe, vom religiösen Fanatismus trennen müsse, wurde nicht ganz gleich beurteilt. Der Rückblick auf frühe Religionen, in denen Religion und Politik eine Einheit bildeten, so dass von daher eine konservative Haltung auch gegenüber dem Anspruch von Menschen, die eine neue, richtungsweisende religiöse Erfahrung zu lehren behaupten, verständlich macht, zeigte auch die Verzahnung von Instrumentalisierung und Fanatismus, die so eher idealtypisch zu trennen sind, als wirklich am konkreten Fallbeispiel (z.B. Moses, der aufgrund seiner religiösen Erfahrung eine politische Handlung durchführt, nämlich die Israeliten aus Ägypten zu führen, oder Muhammad, der aufgrund seiner religiösen Erfahrung die politische Handlung begeht, in Medina ein neues Gemeinwesen zu gründen).

Ein anderes Nebenthema war das Verhältnis von großen, etablierten und kleinen, randständigen Religionsgemeinschaften gerade auch im interreligiösen Dialog. Wir waren alle dafür, die kleinen Gemeinschaften nicht durchweg als „Sekten“ zu diffamieren. Die ISKCON z.B. ist ja auch in der WCRP schon als gleichberechtigter Dialogpartner anerkannt, die Quäker haben etwas Schwierigkeiten, nicht von den großen christlichen Kirchen vereinnahmt zu werden, die Vereinigungskirche wird von den großen Kirchen noch als Sekte abgelehnt, und die Scientology wird gar nicht als Religionsgemeinschaft, sondern als Wirtschaftsunternehmen angesehen. Differenzierungen wurden von uns allen als notwenig erachtet, wie die Urteile dann jeweils ausfallen, müsste aber hier und da noch weiter kritisch untersucht werden.

Aus diesem Gespräch erwuchs als Thema „Gelassenheit – Duldung oder Akzeptanz?“, und es wurde auch das Thema „Wie verführbar sind wir?“ vorgeschlagen, das dann entweder mit in das Gelassenheits-Thema hinein spielt oder beim übernächsten Mal behandelt wird.


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II.2. Veranstaltungen des Wissenschaftsladens Bonn e.V. und des AK Religiöse Topographie Köln/Bonn e.V.

II.2.a. Exkursion zur Evangelischen Freikirche Bonn am Samstag, dem 05.11.2005

„Der Fremde nebenan" - Exkursionen zu den Religionsgemeinschaften in Bonn
Krischan Ostenrath, M.A., Dr. Peter Schneemelcher

Nachdem Bonn bis weit in die Neuzeit hinein im wesentlichen vom
römisch-katholischen Milieu bestimmt war, hat sich in den letzten
zweihundert Jahren eine beeindruckende weltanschauliche Vielfalt Raum
geschaffen. Heute ist Bonn ein Mikrokosmos der Religionen, die beinahe alle
ihren Platz am Rhein gefunden haben.
In Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Religiöse Topographie Köln / Bonn
e.V. lädt das Bildungszentrum des Wissenschaftsladen Bonn e.V. interessierte
Bürgerinnen und Bürger dazu ein, sich mit den oft unbekannten Lebens- und
Glaubenswelten anderer Religionen auseinander zu setzen. Die Exkursionen zu
den Gebets- und Versammlungsstätten der Gemeinschaften werden von
Religionswissenschaftlern geleitet, die zusammen mit Repräsentanten der
Religionsgemeinschaften einen Beitrag zur Auseinandersetzung der Kulturen
leisten wollen. Treffpunkt ist die jeweils angegebene Adresse. Anmeldungen
werden erbeten.

Sa., 05.11.2005, 14.00 Uhr (3 UStd.): Evangelische Freikirche Bonn,
Newtonstraße 1, 53125 Bonn.

Teilnahmegebühr: 10 Euro

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II.2.b Vortrag "Islam in Deutschland" am Mittwoch, dem 09.11.2005

Islam in Deutschland – Vortrag von Michael A. Schmiedel, M.A.

Entgegen der Stereotypen von den Stammtischen hat sich der Islam in
Deutschland im Zuge von Zuwanderung aber auch durch Konversion zu einem
höchst komplexen Gebilde entwickelt, das selbst von Fachleuten kaum noch zu
durchschauen ist. Dabei ist das Wissen um die offiziellen und inoffiziellen
Strukturen des Islam in Deutschland von großer Bedeutung, wenn es
beispielsweise um die Frage nach einem islamischen Religionsunterricht an
staatlichen Schulen geht.

Der Vortrag mit anschließender Diskussionsmöglichkeit gibt einen Einblick in
die Geschichte des deutschen Islam und gleichzeitig in die Breite des
islamischen Spektrums. Anmeldungen werden erbeten.

Di, 08.11.2005, 18.00 Uhr (3 UStd.). Bildungszentrum des Wissenschaftsladen
Bonn e.V., Reuterstraße 233, 53113 Bonn (Seminarraum 1. Stock)

Dank der Unterstützung durch den Arbeitskreis Religiöse Topographie Köln /
Bonn e.V. entstehen für die Teilnehmer keine Gebühren.

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II.2.c Exkursion zur Islamischen Hochschulvereinigung am, Samstag dem 26.11.2005

14.00 Uhr (3 UStd.) beim Muslimischen Sozialbund (MSB), Adenauerallee 13, 53111 Bonn

Teilnahmegebühr: 10 Euro

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II.2.d Vorschau auf 2006

Das Verhältnis von Religion und Staat – Vortrag von Dr. Thomas Lemmen
Di, 4.4.2006 18.00 Uhr (3 UStd.)

Geschichte und Wirkung der Anthroposophie in Deutschland – Vortrag von Dr. Dr. Helmut Zander
Di, 9.5.2006 18.00 Uhr (3 UStd.)
beide im Bildungszentrum des Wissenschaftsladen Bonn e.V., Reuterstraße 233, 53113 Bonn (Seminarraum 1. Stock)

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Infos bei
Krischan Ostenrath
Wissenschaftsladen Bonn e.V.
Buschstraße 85
53113 Bonn
Tel. (0228) 20 161 - 43
Krischan.Ostenrath@wilabonn.de


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II.3. 45. Öffentliches Vortragswochenende der Deutsch-Tibetischen Gesellschaft e.V. am 12.11.2005

(zugesch. v. Hanna Schneider)





45. Öffentliches Vortragswochenende
am 12. November 2005

Universitätsclub
Konviktstraße 9
53113 Bonn


Beginn: 14.30 Uhr

14.30 Uhr: „Ein Tibethaus für Deutschland – das neu gegründete Tibethaus Frankfurt“
Vorgestellt durch den Vorstand des Tibethauses, vertreten durch Frau Elke Hessel und Herrn Carsten Graaf

15.00 Uhr: „Traditionelle Medizin in der Mongolei und in Tibet – Ähnlichkeiten und
Unterscheidungen“
HP Annette Mund M.A., Königswinter

15.45 Uhr: „Dharmabhadra (1772-1851) and Different Denominations of Coins found
in his Biography and in the Biography of his Nephew dByangs can grub-pa (1809- 1887)”
Dr. Thupten Kunga Chashab, Warschau
(Der Vortrag wird in Englisch gehalten und konsekutiv ins Deutsche übersetzt)

16.30 Uhr: Kaffeepause

17.00 Uhr: „Sakrale Kunst – Pflege, Kult oder Sakrileg“
Ein Tagungsprojekt der Referentin für die VDR-Tagung 2007 des
Verbands Deutscher Restauratoren e.V.
Dipl.-Restauratorin Ute Griesser, Köln

17.30 Uhr: „Eine Reise nach Khyunglung: Zentrum des legendären Bön –Königreiches Zhangzhung in Westtibet“
Ein Diavortrag von Michael Henss, Zürich

18.45 Uhr: Ende. Anschließend gemütliches Beisammensein
Eintritt: EUR 7,00 (EUR 5,00 ermäßigter Eintritt – auch für Mitglieder der DTK)

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Vorschau: 46. Vortragswochenende der DTK am Samstag, den 29. April 2006 im Universitätsclub Bonn V.i.S.d.P:
Hanna Schneider, Auf dem Uhlberg 7, 53127 Bonn Tel./ Fax: 0228-9212324; eMail: HannaSchneider@gmx.de

Zu den Vortragenden :


Das Tibethaus Frankfurt:
Das neu gegründete Tibethaus in Frankfurt ist im Sommer 2005 als Inspirationsquelle für alle Interessierten und gleichzeitig als Brücke zwischen der vielfältigen und tiefgründigen Kultur Tibets und der westlichen Gesellschaft ins Leben gerufen worden.
Es bietet Veranstaltungen auf den Gebieten der Wissenschaft, der Heilkunde, der Kunst und Kultur, im sozialen und gesellschaftlichen Rahmen, im interreligiösen Dialog sowie in der buddhistischen Theorie und Praxis an.
Inhaltliche und thematische Basis dieser Diskurse wird ein Dokumentationszentrum mit drei Schwerpunkten sein:
1. Eine Bibliothek mit tibetischen Originaltexten und –Kommentaren sowie mit umfangreicher westlicher Literatur zu allen Traditionen des Buddhismus.
2. Ein Übersetzungsbüro, sowohl für Texte der traditionellen Schriftsammlungen – hier eingeschlossen sind die tibetischen Werke, die für die buddhistische Philosophie, Wissenschaft und Praxis relevant sind, als auch für Vorträge, die tibetische Meister speziell für Menschen im Westen gegeben haben und geben werden.
3. Eine Verlagsabteilung zur Publikation eigener Schriften.
Weltweit hat die tibetische Kultur inzwischen ihren Platz, und Menschen jeder "Couleur" können daraus Nutzen ziehen. In den 60ern haben Tibeter das erste "Tibet House" in Delhi als kulturellen Treffpunkt eröffnet. In New York, Tokio, London und Barcelona sind weitere Tibethäuser sehr erfolgreich ins Leben gerufen worden. Das Tibethaus steht unter der Schirmherrschaft S.H. des 14. Dalai Lama und unter der geistigen Führung S.E. des IX. Dagyab Kyabgön Rinpoche.
Tibethaus Frankfurt, Friesengasse 13, D – 60487 Frankfurt/ Main – www.tibethaus.com


Frau Annette Mund M.A.:
Geb. 1961 in Köln. Studium der Philosophie, Germanistik und Geschichte in Köln.
Nachfolgend war Frau Mund u.a. zwei Jahre als Museumspädagogin in Nettersheim tätig. Anschließend absolvierte sie die Ausbildung und Prüfung zur Heilpraktikerin, ebenso begann sie zu diesem Zeitpunkt, sich für die asiatische Medizin zu interessieren. Konsequent begann sie zu diesem Zeitpunkt, sich in die chinesische Sprache einzuarbeiten. Seit einigen Jahren hat die Referentin sich bereits mehrfach in der Mongolei aufgehalten und die Möglichkeit wahrgenommen, in dort ansäßigen traditionell arbeitenden Kliniken mitzuarbeiten. So hat sie am Aufbau eines Zentrums für traditionelle mongolische Medizin in der Nähe von Ulan Baatar mitgewirkt, das für Einheimische und Ausländer geöffnet ist. Frau Mund wird ihren Vortrag mit einem kurzen Überblick über die traditionelle mongolische Medizin beginnen., hierauf die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen der traditionellen mongolischen und der traditionellen tibetischen Medizin herausarbeiten. Ebenso wird sie uns über den Stand der traditionellen mongolischen Medizin in der Mongolei und den Stand der tibetischen Medizin in der TAR/ China und in den übrigen Ländern, in denen heute nach tibetischen Diagnose- und Heilverfahren praktiziert wird, informieren.


Dr. Thupten Kunga Chashab:
Geb. 1963 in Solu Khumbu/ Ostnepal.
Schulausbildung ebendort; daran anschließend verbrachte er drei Jahre (1978-1982) im Shelkar-Zweigkloster Solu Khumbu.
Zwischen 1983 und 1989 absolvierte er die verschiedenen Abteilungen der klösterlichen tibetisch-buddhistischen Ausbildung, hier eingeschlossen waren die Fächer Logik und Prajnaparamita ("Perfektion der Weisheit").
Von 1990 – 1992 studierte T.K. Chashab-la Madhyamaka, den Tshad ma rnam 'grel, ebenso wie Abhidharma am Institut für Buddhistische Dialektik in Dharamsala.
Seine westlichen akademischen Studien umfassen den M.A., den er 2001 bei Prof. Per Kvaerne an der Universität Oslo ablegte. Im Jahre 2003 promovierte er bei Prof. Marek Major zum Dr. Phil. an der Universität Warschau.
Zum Vortragsthema:
dNul chu Dharmabhadra war Praktizierender, Lehrmeister und Grammatiker. Gerade in letzterer Rolle ist er bei den Tibetern wie auch hier im Westen als Kommentator bekannt. Dies war auch m.E. der Grund, warum der Referent begann, sich mit dieser herausragenden Persönlichkeit zu befassen.
Aus den Biographien des Dharmabhadra wie auch seines Neffen dByangs can grub pa geht hervor, dass beide Lehrmeister sich gerade in ihrem zweiten Lebensabschnitt damit befaßten, jährliche Spenden an religiöse Institutionen wie auch an einen weit gefaßten Personenkreis, insbesondere an Arme zu geben. In ihren Biographien finden sich detaillierte Angaben hiezu.
Aus diesem Zusammenhang geht die zentrale Thematik des Vortrags des Referenten vor unserer Gesellschaft hervor, die das Wirken dieser beiden Lehrmeister einmal von einer anderen Seite beleuchtet.
Der Referent wird zuerst einen Abriß der nepalesisch-tibetischen Münzgeschichte geben und hierauf die verschiedenen Einheiten der tibetischen Währung [Karma, Kha, Zho, Srang und rDo-tsad] abhandeln, ebenso die verschiedenen Bezeichnungen für den Srang wie Srang, Tam-srang, dNgul-srang, mThur-srang, rGya-srang, Kha-che’i Srang, so, wie sie in den beiden o.a. Biographien aufgelistet sind.
Die Erwähnung dieser verschiedenen Währungseinheiten ebendort – d.h., in einer biographisch-historischen Quelle - gibt darüber hinaus Zeugnis davon, welche Münzen zwischen 1772 und 1887 in Umlauf waren.

Dipl.-Restauratorin Ute Griesser:
Restauratorin mit Spezialisierung in der Restaurierung und Konservierung tibetischer Thangkas mit Sitz in Gymnich/ Köln. Die Idee für die Tagung entwickelte sich aus der Arbeit mit Thangkas in ihrer Rolle als meditatives Gebrauchsobjekt in seinem ursprünglichen kulturellen Kontext auf der einen, und den oft in Widerspruch dazu stehenden westlichen Anforderungen der Konservierung und Restaurierung an das Kunstwerk Thangka auf der anderen Seite. "Initialzündung" für die Tagung war ein Vortrag einer Restauratorin für völkerkundliche Objekte im März 2003 in Mannheim, in dem sie von einer ozeanischen Fruchtbarkeitsgottheit und deren musealer "Leidens"geschichte berichtete.
Die Tagung soll im Vergleich zur christlichen abendländischen Kunst andere Kulturen mit anderen Glaubensrichtungen, im besonderen den tibetischen Buddhismus erlebbar machen und kritisch hinterfragen, ob die bestehenden Auffassungen der Konservierung/ Restaurierung, die für den Westen gelten, auch auf andere Kulturen mit anderen Glaubensrichtungen übertragbar sind. – Ob Unterschiede in der Präsentation, Handhabung oder Bearbeitung gemacht werden sollen, wenn sich ein kultisches Objekt eines anderen Kulturkreises in einer westlichen Sammlung befindet oder ob Methoden entwickelt werden können, die auch den jeweiligen kulturellen Gegebenheiten angepasst sind bzw. ihnen gerecht werden (können).
Angesprochen sind nicht nur Restauratoren und Restauratorinnen aller Fachrichtungen, sondern auch Kenner und Förderer dieser betreffenden Kulturen und Glaubensrichtungen, sowie Experten in Sachen Kunst und Kultur. Generell soll das Verständnis des angesprochenen Personenkreises für die o.a. Problematik geweckt werden, bestenfalls sind konkrete Ergebnisse zu ermitteln, wie dieses Verständnis im Westen wie auch im jeweiligen Land bzw. Kulturkreis praktisch umgesetzt werden kann.
Theorie und Praxis sollen sich dabei als gleichwertige Partner gegenüberstehen, da sich bei der Präsentation, Handhabung und Bearbeitung sakraler Objekte technologische, ethische und (kultur)-historische Gegebenheiten nicht voneinander trennen lassen.


Michael Henss:
Geb. 1941 in Leipzig. Nach dem Abitur Studium der Kunstgeschichte an den Universitäten Bonn, Wien und München. Übersiedlung 1972 nach Zürich, wo er seither lebt und arbeitet.
1980 gründete Herr Henss in Zürich die Firma Indoculture Tours AG für Studienreisen nach Asien. Im Rahmen dieser Tätigkeit unternahm er zahlreiche Reisen in die Länder des tibetischen Kulturkreises, woran sich z.T. ausgedehnte Studienaufenthalte anschlossen. So hat der Referent zwischen 1980 und 2001 Tibet und die Himalayaländer insgesamt einundzwanzigmal bereist.
1983 gründete er die ASIATICA Buchhandlung in Zürich [www.asiaticabooks.net], die er seit 1989 hauptberuflich leitet. Es ist dies eine Spezialversandbuchhandlung für neue und antiquarische Bücher zu Asien.
Zu den Spezialgebieten des Referenten zählen die Kunst und Geschichte Tibets [auch in ihrer sino-tibetischen Ausprägung]; hierzu gehören Themenbereiche wie die Erforschung der tibetischen Baudenkmäler bzw. Fragen der Restaurierung tibetischer Bau- und Bildkunst. So hatte er u.a. 1981 – 1984 die Organisation und Leitung eines Restaurierungsprojekts im tibetischen Westhimalaya inne. Zu seinen weiteren Restaurierungsprojekten zählen in Ladakh das Kloster Lamayuru und der Tempel von Schloß Shey.
Herr Henss verfügt über regelmäßige Fachkontakte zur Denkmalpflegebehörde in Lhasa und zum dort ansässigen Tibet-Museum. Er ist Co-Kurator der Ausstellung „Die Dalai Lamas“ im Völkerkundemuseum Zürich, die dort vom 3.8.2005 bis April 2006 zu sehen ist.
In seinem Vortrag wird Herr Henss den Begriffen "Khyunglung" und "Zhangzhung" nachspüren, die zwar aus einer reichhaltigen tibetischen Textüberlieferung bekannt sind, bisher jedoch geographisch und archäologisch kaum bzw. nur sehr ungefähr identifiziert werden konnten.
Auf seiner vierten Reise ins antike Guge-Reich konnte er im Jahr 2004 erstmals das zwischen dem heiligen Berg Kailash und Tholing, der Hauptstadt des einstigen Königreichs von Westtibet gelegene "unbekannte Westtibet" besuchen.
Was sieht man von dieser in einer faszinierenden Landschaft gelegenen Höhlenstadt? Und was weiß man über "Zhangzhung" zwischen Mythos und Wirklichkeit?

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Wir hoffen, ein interessantes Programm zusammengestellt zu haben. Der Universitätsclub ist in zehn Minuten zu Fuß vom Bonner Hbf über den Hofgarten am Alten Zoll (direkt am Rhein) zu erreichen.




Hanna Schneider Yuldon GyanaTshang
(1. Vorsitzende) (2.Vorsitzende)

Deutsch-Tibetische Kulturgesellschaft e.V. www.tibet-kultur.de


Aktuelle Hinweise:

Das Internationale Institut für Tibetische und Buddhistische Studien [Offizieller Name: International Institute for Tibetan and Buddhist Studies, IITBS GmbH] und dessen Verlag sind nun auch im Internet abrufbar unter: www.tibetinstitut.de
International Institute for Tibetan and Buddhist Studies, Gut Gimritz 20, 06108 Halle/ Saale

Benefizabend für das Projekt "Hilfe für Tibeter" (Tibetan Aid Project, unter der internationalen Leitung von Tarthang Tulku) am Sonntag, den 9. Oktober 2005 im Bürgerzentrum Köln-Nippes, Altenberger Hof im Herrenhaus, von 17.00 – 20.00 Uhr. Preis pro Person: EUR 60.- Alle Erlöse aus dem Benefizabend kommen dem Tibetan Aid Project zugute. Veranstalter: Nyingma Förderverein e.V., Siebachstrasse 66, 50733 Köln, Tel.: *49 –(0)221-5890474; Fax: -2707595;
eMail: info@tibetanaidproject.de ; www.tibetanaidproject.de


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II.4. Interreligiöse Tagung zum Thema Mystik und Frieden - Spirituelle Beiträge der Religionen zu einer Weltkultur" in Edlibach/Zug (Schweiz) am 3.-6.11.2005

(zugesch. von Ulrike Fell)

Ich weiß nicht, ob Sie nur Veranstaltungen in der Region aufnehmen. Falls nicht, kann ich noch auf eine interreligiöse Tagung vom 3. bis 6. November 2005 im Lassalle-Haus Bad Schönbrunn in Edlibach/Zug (Schweiz) zum Thema "Mystik und Frieden - Spirituelle Beiträge der Religionen zu einer Weltkultur" hinweisen.

Referenten sind:
- Dharma Meister Hsin-Tao, Zen-Meister, Museum für Weltreligionen, Taipeh,
- Nikolaus Brantschen SJ, Zen-Meister, Bolligen (Schweiz)
- Pia Gyger StKW, Zen-Meisterin, Luzern (Schweiz)
- Prof. Roland Pietsch, Professor für Islamwissenschaft in München,
- Hubert Hänggi SJ, Lehrbeauftragter für Hinduismus in München und Insbruck,
- Prof. Jozef Niewiadomski, Prof. für dogmatische Theologie in Insbruck,
- Dr. Simon Peng-Keller, Theologe, Universität Fribourg,
- Dr. Alon Goshen-Gottstein, Rabbiner, Elijah Interfaith Institute, Jerusalem,
- Michael Bollag, jüdisch-christliches Lehrhaus Zürich,
- Dr. Christian Rutishauser SJ, Lehrbeauftragter für jüdische Studien in München und Rom und Bildungsleiter des Lassalle-Hauses,
- Dr. Maria Reis-Habito, Religionswissenschaftlerin aus Texas, USA.
Näheres dazu: www.lassalle-haus.org bzw. unter info@lassalle-haus.org.

Herzliche Grüße

Ulrike Fell



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II.5. 5. Bonner Buchmesse Migration 10.-13.11.2005

Die 5. Bonner Buchmesse Migration findet vom 10.- 13.11.2005 im Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland statt.

Infos bei Dr. Hidir Celik, Evangelische Migrations- und Flüchtlingsarbeit Bonn und Bonner Institut für Migrationsforschung und Interkulturelles Lernen (BIM) e.V.
http://www.bimev.de
http://www.bimev.de/index.php?option=com_content&task=view&id=13&Itemid=27


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II.6. Jugendkongress JUPP’05 in Essen am 12.-13.11.2005

(zugesch. von Sonja Profittlich)

Vielleicht hat ja jemand von Euch Interesse daran, diese veranstaltung zu besuchenoder kleinere Geschwister, die er / sie mal gerne für ein Wochenende los werdenmöchte;-)Bitte auch weiterleiten.LG,Sonja
Thema:[FES-STIP] Veranstaltungshinweis: *JUPP'05 - Jugend prägt Politik 2 005* Datum:12.10.05 05:53:55 (MEZ) - Mitteleurop. Sommerzeit Internet-eMail: Liebe Liste,Engagement ist fuer uns (ehemalige) Stipendiatinnen und Stipendiaten nicht nur ein Aufnahmekriterium in die Stiftung, sondern auch eine Moeglichkeit, unser Interessen auszuueben und unsere Persoenlichkeiten fort zu entwickeln. Darum sollte Euch die folgende Veranstatlung auf keinen Fall vorenthalten bleiben!Am 12. und 13. November findet in Essen der Jugendkongress JUPP’05 - Jugend prägt Politik 2005 statt. Hier stellen junge Erwachsene auf dem „Markt der Möglichkeiten“ über 30 Projekte aus unterschiedlichen Bereichen vor, in denen sie politisch aktiv werden oder sich sozial engagieren. Wir bieten ihnen ein Forum, sich untereinander auszutauschen und zu vernetzen. Und wir geben jungen Menschen, die etwas bewegen wollen, eine Orientierungshilfe über die zahlreichen Möglichkeiten, aktiv zu werden. Wille zum Engagement sollte nicht daran scheitern, dass Jugendliche nicht den geeigneten Ort dafür finden – und geleistetes Engagement sollte kein Schattendasein führen.An beiden Tagen finden zusätzlich Workshops statt. Am Samstag haben die Teilnehmenden die Möglichkeit, sich über unterschiedliche politische und gesellschaftliche Themen zu informieren, das Spektrum reicht dabei von Menschenrechten über den Einfluss von Medien bis hin zur Weltwirtschaft. Am Sonntag vermitteln junge Referierende aus der Praxis das Know-How für politisches Engagement, hier stehen die Organisation von Kampagnen, Öffentlichkeitsarbeit, Fundraising u.ä. im Vordergrund. Jugend prägt Politik 2005 wird auf dieser Veranstaltung kein bloßer Slogan bleiben. Erwartet werden bis zu 200 Jugendliche.Teilnehmen können junge Erwachsene ab 16 Jahren. Der Teilnahmebeitrag beträgt 20 Euro, Verpflegung und Übernachtung in der Turnhalle bzw. in kleineren Räumen ist inbegriffen. Anmelden kann man sich unter www.jupp05.de, Anmeldeschluss ist der 25. Oktober 2005.Veranstalter sind der Verein zur Förderung politischen Handelns e.V. (v.f.h.), der Politische Arbeitskreis Schulen (PAS) und die Kolpingjugend NRW. Der Kongress wird mit Mitteln des Ministeriums für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen und der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb gefördert und ist Teil der Initiative „Projekt P“.*Weitere Informationen unter www.jupp05.de oder unter 0228 – 96 38 551.*Viel Spass!Lena

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III. Literaturtipps

III.1. Martin Baumann, Samuel M. Behloul (Hg.), Religiöser Pluralismus. Empirische Studien und analytische Perspektive

(zugesch. von Martin Baumann via Yggdrasill-Liste)

Liebe Listenteilnehmer/innen,

Wir erlauben wir uns, Sie/Euch auf das im Oktober 05 erschienene Buch

Martin Baumann, Samuel M. Behloul (Hg.), Religiöser Pluralismus. Empirische Studien und analytische Perspektiven,
Bielefeld: transcript 2005, 262 S., kart., 24,80 Euro, ISBN: 3-89942-350-X

hinzuweisen. Eine Kurzvorstellung und das Inhaltsverzeichnis findet sich am Ende der E-Mail, sowie unter: http://www.transcript-verlag.de/ts350/ts350.htm

Schöne Grüsse
Martin Baumann, Samuel Behloul

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III.2. Acht neue Bände der Schriftenreihe "Interkulturelle Bibliothek"

(zugsch. von Hamid Reza Yousefi via Yggdrasill-Liste)

Sehr geehrte Damen und Herren,
eben sind 8 weitere Bände der Schriftenreihe "Interkulturelle
Bibliothek" erschienen. Sie können direkt beim Verlag bestellt
werden:
http://www.bautz.de/interkulturell.shtml

Es handelt sich um:
Band 8
Mohammad Razavi Rad: Islam interkulturell gelesen

Band 16
Claudia König-Fuchs: Egozentrismus im interkulturellen Kontext

Band 29
Eva Eirmbter-Stolbrink: Wilhelm von Humboldt interkulturell gelesen

Band 52
Raúl Fornet-Betancourt: Lateinamerikanische Philosophie im Kontext
der Weltphilosophie

Band 81
Christoph Dejung: Sebastian Franck interkulturell gelesen

Band 87
Klaus-Jürgen Grün: Arthur Schopenhauer interkulturell gelesen

Band 96
Aziz Fooladvand: Mohammad Mossadegh interkulturell gelesen

Band 121
Rainer Ernst Zimmermann: Ethik und interkulturelle Vernunft

Mit freundlichen Grüßen
Hamid Reza Yousefi

Dr. Hamid Reza Yousefi

Universität Trier
Universitätsring 15
D-54296 Trier
Fachbereich I - Philosophie
Tel.: +49 (0) 651 201 2344 und +49 (0) 6511461784
http://www.bautz.de/interkulturell.shtml
http://www.bautz.de/bausteine.html
http://www.mensching.uni-trier.de/

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IV. Pressemeldung

IV.1. NS-Massengrab: Jüdische Zwangsarbeiter sollen an Fundort Ruhe finden. dpa-Meldung von Ulf Mauder

(zugesch,. von Michael Blume via Yggdrasill-Liste)


bdt0011 4 pl 494 dpa 4061

KORR-Inland/Kriminalität/Nationalsozialismus/
(AUS DEN BUNDESLÄNDERN)
NS-Massengrab: Jüdische Zwangsarbeiter sollen an Fundort Ruhe finden Von
Ulf Mauder, dpa (Mit Bild STG400 vom 28.10.) =

Stuttgart (dpa) - Seit Wochen liegen die 34 Skelette der vermutlich
jüdischen Zwangsarbeiter aus einem NS-Massengrab am Stuttgarter
Flughafen in der Gerichtsmedizin. Immer wieder mussten sich Ermittler,
Politiker und Juden schwierigen Diskussionen um Religion, Moral und
Verbrechensaufklärung stellen. Doch nun könnten die Gebeine im November
beerdigt werden. «Wir wollen die Skelette in Särgen an der Fundstelle
beisetzen», sagt die Sprecherin der Israelitischen
Religionsgemeinschaft, Barbara Traub.

Das Gelände am Stuttgarter Flughafen, wo Bauarbeiter die Skelette am
19. September fanden, gehört dem Bund. Pächter des Areals sind die
Amerikaner. Die Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern und -
nutzern seien so weit vorangekommen, dass direkt am Ort des ausgehobenen
Massengrabs der jüdische Friedhof entstehen könne. «Dafür muss die
geplante Sicherheitsschleuse für das US-Airfield verlegt werden, aber
die Finanzierung der Zusatzkosten ist noch offen», berichtet Traub.

Auch die Staatsanwaltschaft rechnet damit, dass die Ermittlungen am
Tatort in Leinfelden-Echterdingen (Kreis Esslingen) bald beendet werden.
Mit Knochensuchgeräten hatten Experten das Gelände weiter abgesucht. «Es
gab keinen neuen Fund», sagt Tomke Beddies von der Staatsanwaltschaft
Stuttgart. Die Ermittlungen gegen Unbekannt wegen Mordes würden trotz
einer Beerdigung weiter gehen.

Obschon jeder dieses nationalsozialistische Verbrechen aufklären
will, hatte die Israelitischen Religionsgemeinschaft gleich zu Beginn
Ruhe für die Opfer des Nazi-Terrors gefordert. Nun wollen die Ermittler
darauf verzichten, Gewebeproben für eine DNA-Analyse zu entnehmen. Mit
der Analyse hätten sie die Identität der Opfer klären können, wenn sich
Angehörige mit erbähnlichen Material gemeldet hätten.

«Einer der Grundpfeiler der jüdischen Religion ist das Prinzip der
Unstörbarkeit der Grabesruhe», hatte der Präsident des Komitees zur
Bewahrung jüdischer Friedhöfe in Europa, Rabbi Elyakim Schlesinger,
erklärt. «Die Märtyrer, die vor 60 Jahren durch die Willkür und die
Brutalität deutscher Behörden ums Leben kamen, müssen nun ein zweites
Mal leiden, weil deutsche Bürokratie "eine Ermittlung wegen Mordes"
eingeleitet hat», hatte er aus London geschrieben.

Vor allem die lange Liegezeit der Skelette veranlasste die orthodoxe
Religionsgemeinschaft, auf einen Verzicht der Exhumierung zu dringen.
Der baden-württembergische Justizminister Ulrich Goll (FDP) und
Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) waren zunächst erstaunt über
diese Position. Der Aufgabe des Rechtsstaates, ein schweres Verbrechen
aufzuklären, die Identität der Opfer zu ergründen und den Angehörigen
Gewissheit zu geben, steht hier den Glaubensgrundsätzen der Jüdischen
Gemeinschaft gegenüber.

Obwohl die Nachricht nach dem Fund des Massengrabes um die Welt ging,
gibt es bis heute keine greifbaren Ergebnisse. Deshalb spricht sich Goll
nun für eine Aufklärung des Mordfalls mit Hilfe historischer Dokumente
aus. So gibt es etwa Lager- und Transportlisten in Archiven und
Gedenkstätten. Der Straßburger Historiker Robert Steegmann stellte den
Ermittlern eine Liste mit 594 Namen für die Nachforschungen bereit.
Konkrete Hinweise auf Täter gibt es bisher nicht.

Die Opfer sollen zwischen November 1944 und Februar 1945 auf dem
ehemaligen Fliegerhorst als Zwangsarbeiter eingesetzt gewesen sein. Zur
Zeit des Dritten Reichs befand sich auf dem Gelände ein
Nebenarbeitslager des Konzentrationslagers Natzweiler-Struthof im Elsaß.
Nach Aussagen ehemaliger Häftlinge sollen in dem Lager mehr als 100
Menschen jüdischer Herkunft durch Hunger und eine Fleckfieberepidemie zu
Tode gekommen sein. 66 Leichen waren 1945 exhumiert worden. dpa mau yysw
li 280131 Okt 05



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V. off-topic: Musik-Rezensionen von mir

V.1. Konzertrezension: Show of Hands beim Folk im Feuerschlösschen in Bad Honnef am 15.9.2005


Am 15. September 2005 gab es das 50. Folk im Feuerschlösschen – Konzert, und die Bad Honnefer Zeitschrift „Rheinkiesel“ widmete dem FiF nicht nur eine Anzeige, sondern gleich einen richtigen Artikel, in welchem man nachlesen kann, wie denn Jutta Mensing und Mike Kamp auf die Idee der Folk-Konzerte kamen und wie es bislang gelaufen ist (vgl. Paulus Hinz. Musik kennt keine Grenzen. In: Rheinkiesel Sept. 2005, S. 8f.). Und Mike Kamp, der ja auch Herausgeber des Folker! ist, schrieb für diese Musikzeitschrift einen Artikel über Show of Hands, das englische Duo, das an diesem Abend im FiF auftrat (vgl. Mike Kamp. Vier Hände für England. Show of Hands. BBC-Preisträger wollen Deutschland erobern. In: Folker! 05.05., S. 11ff.)

Ich hatte besagtes Duo schon mal vor einigen Jahren in Rudolstadt auf dem Tanz & Folk Fest gehört. 1996 sollen sie die Royal Albert Hall in London mit ihren Fans gefüllt haben, und das Foyer im Feuerschlösschen war auch voll, obgleich sie so viele Fans hierzulande ja noch gar nicht haben. Steve Knightley und Phil Beer boten nun auch eine Musik, die einerseits sehr von den Texten lebte, andererseits aber auch durch ihre Stimmen und Instrumente einen musikalischen Hochgenuss generierte. Steve ist der Hauptsänger, und spielt zumeist Gitarre oder Mandoline oder auch mal eine kleine südamerikanische Gitarre, deren Spezialname mir jetzt nicht einfällt, und auf der er – so hat er es dem Chilenen, von dem er sie hat, versprochen – keine Yankeemusik spielen darf. Auch eine Mundharmonika kam einmal zum Einsatz. Phil beherrscht die Zupfinstrumente nicht minder gut, aber begleitete und umspielte Steves Gesang vor allem mit seiner Geige, mal in der gleichen, mal aber in einer zweiten Stimmlage. Das alles ergab einen mal flotten, mal melancholischen, zumeist sehr druckvollen Klangteppich, der von der Gewölbedecke wieder hallte. Von den Texten verstand ich nicht alles, da ich gesprochenes Englisch besser verstehe als gesungenes, aber dank der Ansagen konnte ich so doch erahnen, worum es in den Liedern ging. Da war z.B. ein Vater und sein Sohn, die vor der cornischen Küste nach Muscheln suchten, wobei es dem im Boot wartenden Sohn aber zu langweilig wurde, und er weg fuhr, so dass der wieder auftauchende Vater vergeblich nach dem Boot Ausschau hielt. Irgendwie kam er aber wieder an Land. Ein anderer junger Mann in einem anderen Lied hingegen verbrannte in einem gestohlenen Auto. Ja, es waren eher ernste Lieder vor allem vom Sudwesten Englands, aus Corwall, der Heimat des Duos. Reine Instrumentals waren weniger dabei, ich habe nur zwei in Erinnerung, einen sehr schnell gespielten Morris Dance und einen schottischen Reel.

Nach der Pause vergrößerte sich das Duo zu einem Trio, denn Miranda Sykes gab mit ihrer weiblichen Stimme und einem nicht nur zu dieser, sondern auch zu den Instrumenten der beiden Männer einen Kontrast bildenden Kontrabass, das sie strich und zupfte, der Torte das Sahnehäubchen auf. Obwohl englische Folkmusik hier bei uns weit weniger bekannt ist als irische und schottische, was Steve etwas neidisch bemerkte, kam sie doch recht vertraut vor. Teils gibt es Gemeinsamkeiten mit kontinentaleuropäischen Folktraditionen, teils erkennt man in ihr eine Wurzel der angelsächsischen Pop- und Rockmusik, teils bemerkt man aber auch, dass sie und ihre nördlichen und westlichen keltischen Nachbarn zusammen einen nicht nur musikalischen Kulturraum bilden. Steve sagte auch, er habe früher mal mit Irish Folk in Irish Pubs sein Geld verdient, und ein von ihm in dieser Zeit komponiertes Lied habe er später auf einer irischen Webseite als „Irish traditional“ bezeichnet wieder gefunden. Von dieser Modewelle inspiriert hätten sie sich dann aber auf ihr eigenes ethisch- und regional-musikalisches Erbe besonnen, und es kam dann ja auch Ordentliches dabei heraus. Übrigens hat Steve Ähnlichkeit mit Michael Fitz, der im Münchner Tatort-Team den Kriminaloberkommissar Carlo Menzinger spielt, und Miranda (wenn auch viel jünger!) mit Rita Russek, die in der Stuttgarter Tatort-Serie die Hannelore Schmiedinger spielt, Ernst Bienzles treue Freundin und Beraterin, so dass auch Tatort-Freunde bei diesem Konzert auf ihre Kosten kamen. Phil – wenn wir schon mal bei Filmen sind – könnte sehr gut in Piratenfilmen und Western mitspielen, und am Tisch einer Hafenspelunke oder eines Saloons dem Helden der Geschichte ein windiges Geschäft vorschlagen. Steve meinte, in Cornwall gäbe es noch mehr davon.

Nicht nur Musik-, sondern auch Bierfreunde kommen im Feuerschlösschen auf ihre Kosten: wenn auch nicht vom Fass so wird dort gelegentlich Guinness Extra Stout oder Newcastle Brown Ale geboten und – was mich eigentlich noch mehr freut – Steffens Casbacher Braunbier aus Linz, wenige Kilometer rheinaufwärts und doch in Bonn recht unbekannt. Wer will, kann unter http://www.biertest-online.de/cgi-bin/show/ebs.pl?Bier=Steffens+Casbacher+Braunbier ein paar Verkostungsnotizen davon lesen, meine mit MAS signiert.

Jetzt kann man ja mal auf die nächsten 50 FiF-Konzerte und auf die weitere „Eroberung“ Deutschlands durch Show of Hands gespannt sein. Ich wünsche beiden Unternehmungen viel Erfolg! Die nächsten FiF-Konzerte findet man auf unserem Terminkalender angekündigt.

http://www.showofhands.co.uk/
http://www.longdogs.co.uk/news/
http://www.folker.de/200505/01showofhands.htm
http://www.inter-times.de/Components/Vereine/Vereine_Bad_Honnef
http://www.rheinkiesel.de
http://www.brauerei-steffens.de/

Hie ein paar Fotos: (Wer die in dieser Darstellung nicht sehen kann, findet sie unter
http://www.bonn.folk.welt.musik.de.vu und dort unter Rezensionen)

Konzertplakat

Phil Beer und Steve Knightley
Phil Beer und Steve Knightley
Phil Beer bedankt sich mit auslandender Geste für die von Jutta Mensing anlässlich des 50. FiF-Konzertes überreichte Torte.
Phil Beer, Steve Knightley und Miranda Sykes
Steve Knightley, Mike Kamp, Jutta Mensing, Miranda Sykes und Phil Beer


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V.2. Konzertrezension: Rheinpiraten und Liederjan im Bungertshof in Königswinter-Oberdollendorf am 30.9.2005

Mario Dompke, einer der Musiker, die auch beim Bonner Folktreff aufgetreten waren, kontaktierte den Wirt des Bungertshofes in Oberdollendorf mit der Beschwerde, dass im Musikangebot des Bungertshofes zu wenig deutsche Folkmusik angeboten werde, worauf dieser ihm anbot, ein solches Angebot doch zusammen zu organisieren, und so kam es, dass am 30.9.2005 Liederjan daselbst auftrat.

Der Name „Liederjan“ klang für mich wie „Zupfgeigenhansel“, „Folkländer/Bierfiedler“, „Fiedel Michel“ und andere Vertreter des deutschen Folkrevivals der 1970er, die mir allesamt weniger bekannt und sozusagen exotischer sind, als „Namen“ wie „Dubliners“, „Planxty“, „Bothy Band“, „Chieftains“ und andere irische Folkrevivalisten, die auch stets Vorbilder und Ansporner ihrer deutschen Gesinnungsgenossen waren.

Als Vorgruppe für Liederjan war nun aber zunächst Mario Dompke mit seinen Rheinpiraten an der Reihe. Es waren derer drei, nämlich außer Mario mit Gitarre und Gesang noch Thomas Bandholz ebenso singend und Gitarre spielend und Tilman Schmidt, der mit seiner Geige das Ganze noch untermalte. Die sangen fünf Lieder aus den Jahrhunderten zwischen Oswald von Wolkenstein und Johann Wolfgang von Goethe, allesamt aber in heutiges Neuhochdeutsch übertragen, und im Großen und Ganzen für Piraten, wie ich sie mir vorstelle, eher untypische ruhige Balladen, Lamentationen und Liebeslieder, wonach sie sich bescheiden ins Publikum zurück zogen, um Liederjan die Bühne zu überlassen.

Dieses norddeutsche Trio zog dann mit viel Tamtam und brummender Tuba, die eher bayerisch als norddeutsch anmutete und mich an die Biermösl Blosn erinnerte, durch den Saal und begann sein Konzert mit der Aufforderung, die Zuhörer mögen sich zunächst einmal vorstellen. Da dieser Aufforderung niemand folgte, stellten sich ganz spontan die drei Musiker dem Publikum vor und zwar in Form kleiner Anekdoten, ähnlich, wie Rabih Abou Khalil seine Combo immer vorstellt. So soll Klaus Irmscher mal Nähmaschinenmonteur, dann Arbeitsamtangestellter und zuletzt Kammerjäger gewesen sein, Jörg Ermischs Berufziel soll es gewesen sein, ein Bestattungsunternehmer zu werden, wie der, der in den Lucky Luke Comics immer wieder auftaucht, nur dass er nun statt der Särge lieber Instrumente baut, und Hanne Balzer soll eine Eskimorolle mit Tuba beherrschen. Während Jörg zum 30 Jahre alten Urgestein der Band gehört, sprang Hanna für den 2003 verstorbenen Anselm Noffke ein, und Klaus ist erst im 31. Jahr, also 2005, dazu gekommen.

Um nun das Konzert sinnbewahrend aber kurz darzustellen, sei gesagt, dass sie außer ihren angeborenen Stimmbändern eine ganze Reihe unterschiedlicher Instrumente mitgebracht haben, natürlich Gitarren, aber auch Ziehharmonikas – darunter eine zwei Meter lange, die man zu zweit spielen muss – die schon erwähnte Tuba – die übrigens von Hanne bedient wurde – Keyboard, Tin- und Lowwhistle, Klarinette und noch mehr. Darauf spielten sie Melodien die ihre Heimat hier und da in der deutschen Musikgeschichte haben, aber auch 7/8taktig Balkanisches und irisch Verwurzeltes war darunter. Ja, das Irische war tatsächlich mit dabei, nicht nur in dem Lied, in dem die Band nostalgisch auf die Zeit zurück blickte, als sie von 1969 bis 1975 als „Tramps und Hawkers“ noch von der grünen Insel schwärmend eine Irish Folk Band war, sondern z.B. dem auf oberlausitzischem Dialekt vorgetragenen Lied über einen Oberlausitzer, der in einem Hamburger Baumarkt vergeblich nach Spackschrauben sucht, und dessen Melodie, wenn ich sie richtig erkannt habe, die von „Paddy’s not at work today“ war. Neben dem Oberlausitzischen – dessen R ähnlich gerollt wird wie das des Siegerländischen – beherrschte vor allem Klaus diverse Dialekte, und dieser sang auch das einzige plattdütsche Lied über die Sehnsucht, mit einem Schiff dahin zu fahren, wo die Papageien fliegen und die Mangos wachsen. Ansonsten gab es z.B. eine Mordgeschichte an einer Havelschleuse, eine Parodie auf den rheinischen Karneval, eine auf das Restaurieren alter Wehrmachtsfahrzeuge, eine auf den Schlankheitswahn und allerlei Parodistisches sonst noch, das die Grenzen zum Kabaret auch mal überschritt, ähnlich wie bei den Biermösl Blosn aber nicht so direkt politisch und nicht so regionalthematisch. Es gab noch vieles mehr, es wurde viel gelacht, und was die drei Nordlichter musikalisch drauf haben ging neben all den lustigen Texten und Ansagen fast unter, aber ganz am Schluss zum Beispiel – wirklich nur zum Beispiel! – zeigten sie ihr Können in einem mehrstimmigen Gesang im Stile des Frühbarock – meines Wissens war es die Melodie von „Salzbug ich muss dich lassen“. Da ging der humorvolle neue Text fast neben der Schönheit des Gesangs unter. Das passte zu den Kronleuchtern an der Decke und den Kerzen auf den Tischen! Ja, auch das ist Folk oder Volksmusik, die man ja nicht so bierernst nehmen muss.

Apropos Bier: Im Bungertshof gibt es Jever Dark. Aber noch erwähnenswerter ist das Sortiment an Weinen die gerade um die Ecke bei Broehl-Blöser wachsen, am nördlichsten Mittelrheinweinberg, das muss so am Rande des Weinbaugebietes ja doch auch mal besonders erwähnt werden. Und obwohl es nicht ein Saal ist, sondern drei Räume mit breiten Durchgängen dazwischen, kann man auch vom hintersten Raum die Bühne ganz vorne gut sehen und dank der Lautsprecher in jedem Raum hört man alles gut, obwohl die Architektur nicht so akustisch ist wie z.B. im Feuerschlösschen mit seinem Gewölbe. Ich kann schon alleine wegen dieser sehr angenehmen Atmosphäre diesen Veranstaltungsort auch für andere Konzerte nur weitrer empfehlen. Z.B. wird im Dezember Le Clou dort spielen.

Interessant in Bezug auf Liederjan und auf Show of Hands (15.9.2005 im Feuerschlösschen) finde ich interessant, dass beide Bands mit Irish Folk anfingen, von dort her beeinflusst aber die eigenen ethnischen und regionalen Musiktraditionen wieder entdecken und beleben wollten. Die irische Musik bleibt als Bezugsgröße auch für die, die sich dann von ihr abgewandt haben, auch für Mario Dompke, der meint, man höre überall irische, aber fast nirgends deutsche Folkmusik (abgesehen vom Musikantenstadl und dergleichen, wovon man sich ja wirklich vehement zu distanzieren bemüht ist). Und wir „Endverbraucher“ stehen bar jeder eigenen musikalischen Traditionsanbindung vor diesen diversen Angeboten wie vor einem Supermarktregal und wählen je nach Geschmack oder sonst wie begründeten Vorlieben was wir mögen. Die einen lieben die Vielfalt, andere mögen nur das eine, nicht aber das andere oder gar innerhalb einer Provenienz nur das Instrumentelle oder nur das Gesungene. So ist bei der Musik wie beim Bier oder Wein: die einen produzieren und geben sich mal mehr mal weniger Mühe damit, sind traditionstreuer oder kreativer, eigensinniger oder marktorientierter, und die anderen konsumieren, wählen aus, genießen oder legen es beiseite. Und wie es Hobbybrauer und Hobbywinzer gibt, so gibt es auch Hobbymusiker, die gerade im Folkbereich besonders wichtig sind. Und so hoffe ich, dass auch Mario Dompke mit seinem Vorhaben, die deutschen Liedgüter wieder mehr ins Bewusstsein der Leute zu bringen, auf wohlgeneigte Hörerinnen und Hörer trifft, sei es mit seinen Rheinpiraten oder mit den Musikern, deren Tourneen er organisiert!

http://www.rheinpiraten.de/
http://www.liederjan.com/
http://www.folker.de/200102/liederjan.htm
http://www.folker.de/200405/04liederjan.htm
http://de.wikipedia.org/wiki/Zupfgeigenhansel
http://www.folker.de/200104/folkl.htm
http://www.folker.de/9805/fiedel.htm
http://www.bungertshof.de/
http://www.weingutbloeser.de/

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V.3. Konzertrezension: Pure Irish Drops in der Brotfabrik in Bonn-Beuel am 8.10.2005

War das 16. Pure Irish Drops – Konzert im letzten Jahr Micho Russel gewidmet, so stand in diesem Jahr beim 17. Turlough O’Carolan (1670- 1738) im Mittelpunkt, jener Ire, der als junger Mann erblindete und, um mit seiner Behinderung überleben zu können, das Harfespiel erlernte und im Nachhinein der berühmteste Komponist Irlands wurde. Sein Name fällt oft in Irish Folk – Konzerten, aber zumeist wird er eben als traditioneller Musiker vorgestellt und nur selten als das, was er eigentlich war, nämlich ein Barock-Komponist, der manchmal auch als „der Vivaldi Irlands“ bezeichnet wird. Kathleen Loughnane, die auch 2003 bei den Pure Irish Drops dabei war, auf der Harfe, ihr Sohn Cormac Cannon auf Uilleann Pipes und Whistles und ihr Neffe Martin Hughes auf der Querflöte brachten dem Publikum, das den Konzertsaal der Bonner Brotfabrik an diesem Abend füllte, diese Seite O’Carolans zu Bewusstsein. Gleich das erste Stück klang zugleich so barock und so irisch, dass ich ins Träumen geriet und mir eine Kutsche vorstellte, die durch eine Allee auf ein barockes Schloss in einer grünen Hügellandschaft zufährt, und aus der dann Männer mit Dreispitzen auf den Köpfen und in langen Gehröcken und Kniebundhosen aussteigen. Im Laufe des Abend gab es dann auch Stücke italienischer Barock-Komponisten, wie z.B. Arcangelo Corelli (1653-1713), der auch eine Zeit lang in Irland lebte, aber O’Carolan nicht kennen lernte, dann aber auch „normale“ Traditionals, die Besuchern der Fiddler’s Session nicht unbekannt sind. Dass Martin eine metallene, statt einer, wie beim Irish Folk üblich, hölzernen Flute spielte und Cormac keine metallenen, sondern Kunststoff-Whistles von Susato, die einen etwas blockflötenartigeren Klang haben, passte auch in den Ohren der im Publikum anwesenden Sessionmusiker sehr gut in diese Arrangements hinein. Es kam dann die Frage auf, ob das nun Crossover-Musik sei, wenn man barocke und traditionelle Musik so miteinander vermische. Florian Fürst, der Tourmanager, meinte dazu, diese Musik sei so zu Zeiten O’Carolans gespielt worden, und nur uns heute sei das etwas ungewohnt. Crossover ist es demnach eigentlich nicht, es sei denn, man spielte damals Crossover, dann schon. Wenn ich eine traditionelle irische Band nennen müsste, deren Musik der an diesem Abend gebotenen am ähnlichsten ist, dann fällt mir keine geringere als die berühmten Chieftains ein, die musikalischen Kulturbotschafter Irlands, nicht nur was das Harfespiel des leider mittlerweile verstorbenen Derek Bell anbelangt, sondern auch die Spielweise der Blasinstrumente. Das Wort „Chieftains“ fiel an diesem Abend auch des öfteren, aber nicht als Name der Band, sondern als Bezeichnung der Adeligen Irlands, an deren Höfen sich die Musiker, und so auch O’Carolan verdingten und ihren Lebensunterhalt verdienten. So passt der Vergleich auch von da her, aber nichts desto trotz muss ich sagen, dass ich eine genau so gespielte Musik noch nie gehört habe, so dass diesem Konzert beigewohnt zu haben, eine echte und wertvolle Bereicherung meiner musikalischen Erfahrung ist.

http://www.ffmusik.de/
http://www.brotfabrik-bonn.de/
http://www.breizh.de/aktuell/aktuell_188.htm

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V.4. Konzertrezension: The Midden beim Folk im Feuerschlösschen in Bad Honnef am 22.10.2005

Am Samstag dem 22.10.2005 konnte oder musste – je nach Betrachtungsweise – man sich als Bonner Folkie ja entscheiden, ob man sich den Allan Taylor im Kloster Steinfeld, Currach in der Museumsnacht der Kelten im Rheinischen Landesmuseum oder The Midden im Feuerschlösschen anhören wollte. Ich entschied mich für letzteres und – nicht wissend wie die andern beiden Konzerte waren, so dass ich Rezensionen darüber gerne lesen würde – bereue meine Entscheidung nicht. Drei junge Damen aus Glasgow, Kate Reid mit Gesang und Gitarre, Meggan Reid mit Geige und Gesang und Hazel Reid mit Whistles, E-Bass und Gesang und als einzigem Mann der Truppe Jay (Nachname?) aus Ayreshire mit einer arabischen Trommel, deren Name mir nicht einfällt (Moustafa Osh spielt eine solche bei Sahara; ah es ist eine Darabuka) boten ein abwechslungsreiches Konzert aus traditioneller und moderner schottischer und etwas irischer Folkmusik. Die drei Schwestern bilden eigentlich die Band, während Jay anscheinend für diese Deutschlandtournee dazu stieß, aber so genau wurde das nicht erklärt. Sie spielten – abgesehen vom E-Bass – rein akustisch, gänzlich ohne Mikrophon, was sie, so Kate, die ihre Ansagen gemischt auf Deutsch und Englisch hielt, ansonsten nur zu Hause zu Weihnachten tun, so dass die gute Akustik des Feuerschlösschen-Foyers voll zum Zuge kam. Vor allem Kates Gesang und Meggans Fiddlespiel bildeten den Hauptpart der Musik, aber Bass und Whistles gaben hier und da eine besondere Note hinzu, wobei die Whistles gegen die Geige meistens ein bisschen zu leise blieben, außer in dem Stück, in dem Hazel eine Susato einsetzte. Ja, Näx hat recht, die sind wirklich lauter. Besonders bei den Jigs, Reels und anderen schnelleren Tunes gab die arabische Trommel als Alternative zur Bodhrán dem Ganzen einen besondern Touch, der gut passte und zeigte, wie weltoffen traditionelle Musik sein kann. Die Tunes waren großenteils typische Sessionmusik, dabei auch das Eine oder Andere von Michael MacGoldrick. Die Lieder hatten eine große Spannbreite von alten Traditionals, auch welchen von Robert Burns, bis zu modernen poppigeren, jazzigeren, teils auch souligeren Songs, deren Stil denen vertraut sein dürfte, die z.B. Gruppen wie Tarras oder Tamalin kennen. Was davon nun Eigenkompositionen und was von anderen Band übernommen war, erkannte ich nicht immer. Nur mit Bier kennt Kate sich nicht aus: Überlegend, ob „The Lark in the Morning“ ein irisches oder ein englisches Lied sei, meinte sie, es sei irisch, da darin ein Porter erwähnt sei, und Porter sei ein alter Name von Guinness. Das stimmt aber nicht, denn Porter ist eine alte englische Biersorte, dunkel, recht stark und obergärig, während Guinness ein irischer Firmenname ist, dessen berühmtestes Produkt ein Stout ist, eine ebenfalls dunkle und obergärige Biersorte, die ursprünglich stärker (stouter) war als ein Porter, heute aber meistens etwas alkoholärmer ist. Ungeachtet dieser Überlegung ist „The Lark in the Morning“ wirklich ein irisches Lied, da hat sie Recht, trotz des fehlerhaften Lösungsweges. Fazit: Bevor die drei Schwestern und ihr Trommler nun back to Caledonia reisten, bezauberten sie hier am Rhein die Besucher des total ausverkauften Feuerschlösschens und dürfen gerne wieder kommen!

http://www.the-midden.com
http://www.folker.de/200305/rezi-eu.htm#11
http://www.folker.de/200406/rezi-eu.htm#07
http://www.the-midden.com/press_pack/Folker!%20live%20review%20german.pdf
http://www.regenbogenklang.de/img/Darabuka01.jpg

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V.5. CD-Rezension: Wibbelstetz. De Kopp voll Dröhm


(Pavement Musikverlag) 2005
12 Tracks, 52,04 mit Texten und Fotos

Rechtzeitig zum mit einem Jahr verspätet gefeierten 20-jährigen Bandjubiläum präsentierte die nordeifeler Band Wibbelstetz ihre neue CD. Rund zehn Jahre jünger als die Bläck Fööss und die Höhner kommen auch die Wibbelsteze allmählich in die Jahre und blicken auf ihre Jugend in den wilden 60ern und 70ern zurück, als Che Gueavara und John Lennon die Helden waren und man „jedes Wochenengk am Stöck op jöck“ war. Jetzt liebt man es schon gemütlicher und häuslicher, hat den Widrigkeiten des Lebens gegenüber eine Gelassenheit entwickelt, sehnt sich danach, noch einmal den Sonnenaufgang zu sehen, und weiß eine treue Frau mehr zu schätzen als einen Millionengewinn. Religiös wird man deswegen aber noch nicht, sondern denkt mit Schaudern an die Kirchgangspflicht der Kinderzeit zurück. Diese und andere Themen singen und spielen Günter Hochgürtel (Gesang, Akustikgitarre, Mandoline, Banjo, Mundharmonika), Linus Krämer (Akkordeon), Jürgen Schröder (Gesang, Schlagzeug, Percussion), Michael Metzele (Gesang, Stromgitarre) und Georg Zwingmann (Gesang, Bass) wie immer in nordeifeler Mundart, einer Version des Ripuarischen, zu dem auch Kölsch und Bönnsch gehören, nur ein Lied ist hochdeutsch. Fast alle sind Eigenkompositionen, nur eines von John Hiat wurde aus dem Englischen und eines von Georg Danzer aus dem Österreichischen übertragen und eingeeifelt. Musikalisch ist es fast durchgängig Rockmusik, Eifelrock eben, aber sehr melodiös. Mir fehlen etwas die Schottischen, Rheinländer und anderen alten Tanzmelodien, die sie ansonsten so gut drauf haben, oder höre ich sie nur nicht heraus? Nun gebe ich bei all der in den Liedern vorgetragenen Kömerei die Hoffnung nicht aus, dass die Aussage„die beste Johre, die senn jetz vorbei“ nicht stimmt, sondern die gute Luft in der Eifel den Wibbelstetzen so schnell nicht den Atem ausgehen lässt. Meine Gratulation zu den 20 Jahren und dem zwölften Tonträger! Ein Bericht von mir über das Jubiläumskonzert am 20.8.2005 in Nettersheim folgt im Folker! 6/05.

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V.6. CD-Rezension: The Irish Folk Festival 05. Tunes for Tara.

(Magnetic Music) 2005
16 Tracks, 69,00 mit Fotos und Infos (engl.)

Melancholischer geht es kaum. Die Gruppe Beoga startet diese Scheibe mit einem auf einer Concertina mit Keyboardbegleitung als Air gespielten Barnd Dance namens „The hills of Tara“, als gäbe man dieses von einem Autobahnbau bedrohte irische Nationaldenkmal schon verloren und gedenke nur der verlorenen Vergangenheit. Das diesjährige, also 2005er Irish Folk Festival ist nun auch der Rettung der Hügel von Tara gewidmet, und schon das zweite Stück, „The factory girl“, gesungen in einer druckvollen, an einige Countrysongs erinnernde Weise mit eingestreuten Jigpartien, vermittelt in seiner fröhlichen Weise wieder mehr Hoffnung, desgleichen der darauf folgende Jig, der dann aber wieder von einem traurigeren Liebeslied gefolgt wird. Die Harfenistin, Pianistin, Whistlespielerin und Sängerin Pamie Gow setzt mit einigen Begleitmusikern diese Wechselstimmungen fort, die ja auch das Wunderbare an irischer Musik ausmachen und so auch seit dem ich die IFFs besuche zu deren Grundstimmung beitragen. Das traurigste Lied der CD ist die Nr. 7 „Goodbey to sea and sailors“, während das vom Text her noch traurigere „The last of the great whales“ hier von Solas zu fröhlich begleitet wird. Ja, Solas, die auch 2004 die geheimen Stars des IFF waren, sind wieder dabei und geben nach der nicht so gut gelungenen Leviathanlamentation zwei ihre typischen balkangeschwängerten, äußerst spannungsreichen Tunesets zum Besten, gefolgt von einer wirklich schönen Ballade. Den Abschluss bilden Kevin Burke & Ged Foley mit Geige, Gitarre und Gesang mit zwei Songs und zwei Tunesets, wobei Kevin Burkes Fiddlespiel vom feinsten ist, was sonst? Wer also nicht bis zum 15. November warten will, an welchem das IFF in Köln gastiert, kann sich mit dieser wunderbaren, stimmungsvollen CD die Zeit verkürzen, sie ist eine würdige Vertreterin dieser Reihe. Ich nehme indes an, das beim Festival selber die Reihenfolge der Band eine andere sein wird. Warten wir es ab.

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V.7. CD-Rezension: Günter Hochgürtel. Troubadour. Günter Hochgürtel singt eigene und andere Lieder.

(Eigenverlag) 2005.
17 Tracks, mit Coverfoto



Wer vom Wibbelstetz-Frontsänger Günter Hochgürtel Lieder in Nordeifeler Mundart oder unter dem Titel „Troubadour“ mittelalterliche Minnelieder erwartet, wird von dieser CD zunächst enttäuscht sein, wer Günter aber mal als Solosänger mit Gitarre und Mundharmonika erleben will und sich in der deutschen Liedermacher- und der französischen Chanson-Szene wohl fühlt, für den ist sie genau richtig. Zwölf hochdeutsche, drei französische, ein englisches und dann doch noch ein ripuarisches Lied, allesamt angenehm anzuhören, sind hier versammelt. Leider gibt es keinerlei Infos darüber, welche Lieder nun von ihm selbst und von dem die anderen sind. Gut, „Heute hier, morgen dort“ ist von Hannes Wader, „Ma Liberté“ von George Moustaki, „Time in a Bottle“ von Jim Croce, anderes z.B. von Jacques Brel und von Berthold Brecht, aber ich denke, man kann nicht voraussetzen, dass das jeder weiß. Trotzdem ist es eine schöne Platte, die zum Nachdenken und Träumen einlädt, und Günter teilte mir mit, dass er auf seinen Livegigs auch lustige Kommentare zwischendurch bringe, die auf der CD nicht drauf seien.

http://www.wibbelstetz.de/files/musiker.htm

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VI. Und noch’n Gedicht

Die Vielfalt der Farben im Herbst,
die im Licht der Sonne leuchten,
ist dem einen eine Freude,
dem andern eine Qual.
Sich selber zu finden, wünschen viele,
sich zu verlieren, davor haben viele Angst.
Das Geheimnis scheint darin zu liegen,
sich durch das Sichverlieren
neu zu finden.

MAS, 28.10.2005

Ich wünsche weiterhin einen schönen Herbst mit viel Musik und Gelassenheit im Herzen!

Ihr/Euer
Michael A. Schmiedel