Tuesday, May 31, 2005

Interreligiöser Rundbrief Nr. 114

Interreligiöser Rundbrief für Köln / Bonn und Umgebung Nr. 114
(31.5.2005)

Inhaltsverzeichnis:

I. Editorial 1
II. Veranstaltungshinweise. 2
II.1. Religions for Peace / WCRP Köln / Bonn. 2
II.1.a. Schweigen für Frieden und Gerechtigkeit am 2.6.2005. 2
II.1.b. Interreligiöser Gesprächskreis Bonn am 2.6.2005. 2
II.1.c. Arbeitskreistreffen in Köln am 7.6.2005. 3
III. Rundbrief von Yesche Udo Regel 3
IV. Literaturtipps. 5
IV.1. Ethik der Weltreligionen von Michael Klöcker und Udo Tworuschka (zugeschickt von Udo Tworuschka via Yggdrasill-Liste) 5
IV.2. Muslime in Europa von der Bundeszentrale für politische Bildung (zugesch. v. Michael Blume via Yggdrasill-Liste) 6
IV.3. Wie Königin Europa die Welt neu entdeckt von Johannes Otto Ulrich (zugesch. v. Johannes Otto Ulrich) 6
IV.4. Warum wir glauben. Zeit-Artikel von Ulrich Schnabel. 8
V. off-topic: Konzertrezensionen. 8
V.1. Die Erkelteten und Rolling Wave in der Musikschule Bonn am 13.4.2005. 8
V.2. 4. Bonner Irish Folk Festival am 23.4.2005 in der Harmonie in Bonn-Endenich. 10
VI. Und noch’n Gedicht: Maiabend. 11


I. Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

nun nehme ich mir die Zeit, mal wieder einen Hauptrundbrief zusammen zu stellen, wenn auch nur einen kurzen.

Zunächst noch einmal herzlichen Dank für die Spenden für die Reparatur und Aufrüstung des Computers, ohne den ich die Rundbriefe und auch meine Dissertation nicht schreiben könnte. Ich habe knapp 115 Euro ausgegeben und 88 davon von Ihnen erhalten, wobei das auch noch eine Lieblingszahl von meiner Frau und mir ist, was wiederum nichts mit damit zu tun hat, dass das H der 8. Buchstabe des Alphabetes ist – nicht, dass jemand die falschen Schlüsse zieht - sondern weil die 8 eine Symbol für die Unendlichkeit ist, weswegen z.B. Malas, also buddhistische Gebets- und Meditationsketten nicht 100, sondern 108 Kugeln haben.

Zu meiner Einführung in buddhistische Meditationspraktiken in der VHS Bornheim-Alfter kamen dank meines Notrufes noch drei Personen aus dem Rundbriefempfängerkreis hinzu, und anscheinend waren die Teilnehmer(innen) auch zufrieden, auch wenn ich kein Meditationslehrer bin.. Einer meinte, ich hätte die Ankündigung zu bescheiden zwischen den anderen im Rundbrief versteckt. So werde ich in Kürze eine eigene Internetseite für meine Vortragsangebote einrichten. Ich mache nicht so gerne aufdringliche Werbung für mich, aber ganz ohne geht es nicht.

Auch wenn ich ohnehin nicht gerne Werbung für gewerbliche Angebote mache, so möchte ich in diesem Rundbrief einen Rundbrief von Yesche Udo Regel wieder geben, der sein bescheidenes Auskommen eben mit Meditationsunterweisungen bestreitet. Er war mehrere Jahre buddhistischer Mönche, ist nun aber glücklich verheiratet mit Angelika Wild, die auch interessante Entspannungs-Kurse anbietet. Und warum sollte ein Meditationslehrer kein Geld damit verdienen, wenn Wissenschaftler und Künstler es doch auch tun, immer vorausgesetzt, es interessiert sich jemand für ihre Arbeit?

Gelder gestrichen wurden hingegen zwei wichtigen Einrichtungen, nämlich der Religionskundlichen Sammlung in Marburg (http://www.uni-marburg.de/relsamm/), dem „Mekka“ der Studierenden unseres Faches und der Katholischen Hochschulgemeinde in Bonn (http://www.khgbonn.de/html/frame2b.html), die nicht nur für katholische Studierende immer ein reichhaltiges Angebot an Veranstaltungen bot und mit dem Pavillon im Garten über der Mauer Rhein auch ein beliebtes Café und nicht zu vergessen das Wohnheim Newmanhaus. Angesichts solcher gigantomanischen Vergnügungsarenen wie der neuen Allianz-Arena in München wundere ich mich schon, wofür das Geld ausgegeben wird und wo es fehlt. Aber schon im alten Rom werden Kolosseum und Circus Maximus Gelder verschlungen haben, die anderswo fehlten. Seneca oder andere Philosophen werden da bestimmt schon damals drüber lamentiert haben.

Apropos München: Die Bundesgartenschau lohnt nicht wirklich, auch nicht dar darin befindliche „Ort der Weltreligionen“, es sei denn, man ist ohnehin vor Ort. Dann kann man übrigens mit der U- oder S-Bahn ein Ticket lösen, das den Eintrittspreis enthält, als 14,-/erm. 12,- Euro, wobei es nicht einfach ist, den Bahnkartenverkäufern klar zu machen, dass ein Studierendenausweis eine Immatrikulationsbescheinigung ist, und eben nicht nur beweist, dass man studiert, sondern dass man auch wirklich immatrikuliert ist.

Nun aber genug gekümt, jetzt kommen die Ankündigungen:

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II. Veranstaltungshinweise

II.1. Religions for Peace / WCRP Köln / Bonn

II.1.a. Schweigen für Frieden und Gerechtigkeit am 2.6.2005

Das SFG findet wie jeden 1. Donnerstag im Monat wieder vom 17.30 Uhr bis 17.45 Uhr auf dem Münsterplatz in Bonn statt, und alle sind herzlich dazu eingeladen.

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II.1.b. Interreligiöser Gesprächskreis Bonn am 2.6.2005

Der interreligiöse Gesprächskreis findet ieder bei Lioba von Lovenberg in der Argelanderstraße 6 in Bonn von 19.30 Uhr bis ca. 21.30 Uhr statt.

Beim letzen Mal hatten wir das Thema „Selbstverwirklichung“. Dabei kamen wir letztlich nicht ganz auf einen Nenner darüber, was denn das zu verwirklichende Selbst letztlich überhaupt ist, ob das Ego als psychologisch-kognitive Funktion des biologischen Organismus Mensch oder die spirituelle, göttliche Wesenheit des Menschen, die unter den Zwiebelschalen des Ego verborgen ist. Einig waren wir uns darüber, dass ein Ausleben der individuellen Bedürfnisse und Interessen nicht das Leid anderer nach sich ziehen darf und auch, dass Selbsterkenntnis eine wichtiges Unterfangen des Menschen sein soll, wenn er sich und anderen nützen will, und dass das unternehmen der Selbsterkenntnis das ganze Leben begleitet und nicht anderen Bereichen des Lebens zeitlich voraus geht. Selbstverwirklichung ohne Selbsterkenntnis aber ist nicht möglich.

Das Thema am 2. Juni wird sein: Thema: Religiöser Fanatismus.

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II.1.c. Arbeitskreistreffen in Köln am 7.6.2005

Der AK von Religions for Peace Köln / Bonn trifft sich am 7.6.2005 um 19 Uhr im Domforum Köln, in welchem Raum weiß ich noch nicht, aber wer interessiert ist, bei uns mitzumachen, ist herzlich willkommen. Ggf. rufen Sie mich kurz vorher an oder schicken mir eine E-Mail.

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III. Rundbrief von Yesche Udo Regel

Yesche U. Regel und Angelika Wild-Regel

yesche@t-online.de oder infopost@yesche.de (identisch)
www.yesche.de, www.yesche.homepage.t-online.de,
www.paramita-projekt.de und www.stressbewaeltigungbonn.de

Praxis für Achtsamkeit, Entspannung, Meditation und
Stressbewältigung / Paramita-Projekt
Clemens-August-Str. 17, 53115 Bonn-Poppelsdorf
Tel. 0228-9086 860

Sehr geehrte EmpfängerInnen,

ab sofort öffnen wir unsere Donnerstag Meditations-Kurse von 18.00 - 19.30 Uhr für alle, die spontan bzw. unregelmäßig zur Meditation kommen wollen oder es nicht anders können. Bisher hatten wir für diese Zeit genau wie für die Themenkurse (von 20.00 -21.45 Uhr) am Donnerstag Einstiegs- und Fortsetzungsabende geplant, zu den man sich dann verbindlich anmelden sollte. Jetzt möchten wir diese Meditationszeit zwar weiterhin im Stile eines aufbauenden Kurses einem Meditations-Thema widmen, das auch über mehrere Wochen hinweg aufbauend unterrichtet wird, wir wollen es jedoch gleichzeitig ermöglichen, dass an Meditation in einer Gruppe Interessierte nur einmalig oder gelegentlich an allen diesen Abenden teilnehmen können.

Vom Donnerstag, den 19. Mai bis zum 23. Juni ist unser Thema "Meditation zur Entwicklung von Geistesruhe und Achtsamkeit". In einer Sequenz von Anleitungen zur Shamatha bzw. Schi-nä - Meditation orientieren wir uns an einem Text aus dem tibetischen Buddhismus, der jedoch ganz im Einklang mit allen grundlegenden buddhistischen Meditationen ist.

Da wir auch gerne jüngere Menschen in unserer Praxis begrüßen würden, bieten wir allen Schülern und Studenten unter 30 Jahren eine 50 % Ermäßigung auf unsere Beiträge.
Ein Meditations-Abend kostet dann 5,- €, ein Themen-Abend 7,50 € und ein ganzer Abend von 18.00 - 21.45 Uhr 10,- €.

Bei den Themen-Abenden bleibt jedoch das Prinzip der Einstiegs- und aufbauenden Fortsetzungs-Abende bestehen.

Am kommenden Donnerstag, den 19. Mai ist für den Themen-Abend der zweite und letzte Einstiegs-Abend für den Kurs "Die achtsame Anwendung der Paramitas im täglichen Leben". Wir wollen in den nächsten Wochen insbesondere die Paramita der Geduld beleuchten.

An den kommenden Mittwochen 18. und 25. Mai, sowie am 1., 15. und 22. Juni, sowie am 6. und 13. Juli findet außerdem von 17.00 - 18.00 Uhr eine Stille Meditationsstunde mit Angelika statt. Diese stellt ein kostenfreies Angebot, ggf. mit Dana (Spende), dar.

Vom 20.- 22. Mai 2005 findet unser erster Wochenendkurs im Paramita-Projekt in Bonn statt. Wir beginnen mit Buddhas erster Lehrrede über "Die Vier Edlen Wahrheiten und den Achtfachen Pfad". Es sind noch Plätze frei und es ist auch möglich nur tageweise an diesem Wochenende teilzunehmen. Die Kosten von 75,- € werden dann gesplittet, z.B. 15,- € für Freitag Abend ( 20.00 - 21.45 Uhr), 40,- € für Samstag (10.00 - 18.00 Uhr) und 20,- € für Sonntag (9.00 - 13.00 Uhr).

In den nächsten Tagen finden auch wieder zwei tibetisch-buddhistische Pujas in unserer Praxis statt:
Am Freitag, den 20. Mai ist um 8.00 Uhr eine Grüne Tara Puja
und am Samstag, den 21. Mai um 19.00 Uhr eine Tschenresig Puja (Bodhisattva des Mitgefühls, Avalokiteshvara).


Vorträge zu Stressbewältigung ... und Paramita-Projekt:
Ab Juni werden wir eine Reihe von öffentlichen Vorträgen in unserer Praxis anbieten, die auch im Bonner Stadtmagazin SCHNÜSS im Tageskalender erwähnt werden. Für 5,- € kann man dabei sein:

14. Juni 2005, 20.00 Uhr
Stressbewältigung durch Achtsamkeit nach Jon Kabat-Zinn
Vortrag von Angelika Wild-Regel

21. Juni 2005, 20.00 Uhr
Die Meditation der Liebenden Güte (Metta)
Vortrag von Angelika Wild-Regel

24. Juni 2005, 20.00 Uhr
Wie Meditation das Leben heilsam verändern kann
Vortrag von Yesche U. Regel

Noch einmal der Hinweis auf das Wochenende am 28. und 29. Mai 2006:

Ayurvedische Ernährungslehre und Stressbewältigung durch Achtsamkeit
mit Angelika Moog und Angelika Wild-Regel

„Die Gesundheit erhalten“, lautet das Motto für dieses Frühjahrsangebot.
In diesem Seminar werden Einblicke in die ayurvedische Ernährungs- und Gesundheitslehre gegeben. Dabei lernen Sie die verschiedenen Konstitutionstypen und die darauf abgestimmte individuelle Ernährungs- und Lebensweise kennen.

Meditative Übungen im Sitzen, Liegen und Gehen aus dem Programm
„Stressbewältigung durch Achtsamkeit“ laden zu einem heilsamen Umgang mit sich selbst ein, und runden das Programm ab. Zeiten des Schweigens und des Austausches in der Gruppe wechseln sich ab.

Es wird am Samstag eine ayurvedische Mahlzeit gemeinsam in Achtsamkeit und Stille eingenommen.

Termin: Samstag 28.Mai 10.00 Uhr - 16.00 Uhr
Sonntag 29. Mai 10.00 Uhr -16.00 Uhr

Die Kosten: (inkl. einem ayurvedischen Mittagessen) 135,00 € pro Person.
Teilnehmerzahl: maximal 12 Personen.

Kursleiterinnen:
Angelika Moog, Dipl. Oecotrophologin
Klientenzentrierte Gesprächsführung GwG,
Ayurveda-Ausbildung bei Dr. E.P. Jeevan, Bachelor of Ayurvedic Medicine and Surgery,
Ausbildung zur Fachberaterin für Ess-Störungen im Frankfurter Zentrum für Ess-Störungen
und
Angelika Wild-Regel, Dipl. Sozialpädagogin (FH),
Entspannungspädagogin, Kursleiterin für Stressbewältigung durch Achtsamkeit nach Dr. Jon Kabat-Zinn,
buddhistische Meditation seit 1989,
Schülerin der 1997 verstorbenen buddhistischen Nonne Ayya Khema


Untermieter gesucht
Wir suchen auch weiterhin nach einem Untermieter, die oder der am Montag ganztägig und langfristig und am Dienstag bis mittags den Praxisraum mitbenutzen möchte. Zudem steht der Raum an einigen Wochenenden im Monat zur Verfügung. Der Raum ist geeignet für Yoga und andere Formen der Körperarbeit, sowie für unterschiedliche Kurse und Beratungen. Die Kosten sind Verhandlungssache.

Soviel für heute.
Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit und liebe Grüße,

Yesche U. Regel und Angelika Wild-Regel

Wir versenden diese Rundmail an einen potentiellen Interessentenkreis im Raum Köln-Bonn. Wenn Sie diese Rundbriefe nicht empfangen möchten, so teilen Sie uns dies bitte mit. Danke.

Yesche U. Regel u. Angelika Wild-Regel
Auf der Heide 1, D-56729 Langenfeld/Eifel
Tel. 02655-962 840 (Yesche) und 02655-962 170 (Angelika)

yesche@t-online.de oder infopost@yesche.de (identisch)
www.yesche.de, www.yesche.homepage.t-online.de,
www.paramita-projekt.de und www.stressbewaeltigungbonn.de

jetzt auch in Bonn:
Praxis für Achtsamkeit, Entspannung, Meditation und
Stressbewältigung / Paramita-Projekt
Clemens-August-Str. 17, 53115 Bonn-Poppelsdorf
Tel. 0228-9086 860

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IV. Literaturtipps

IV.1. Ethik der Weltreligionen von Michael Klöcker und Udo Tworuschka (zugeschickt von Udo Tworuschka via Yggdrasill-Liste)

Sehr verehrte liebe Kolleginnen, sehr geehrte liebe Kollegen,

vor ca. zwei Wochen ist unser Handbuch "Ethik der Weltreligionen" (310 Seiten) in der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft (Darmstadt) erschienen. Der WBG-Preis beträgt € 29,90. Die Verlagsausgabe kostet € 39,90. Über Ihr Interesse an diesem Werk, an dem über 40 AutorInnen mitgearbeitet haben, würden wir uns freuen.

Pfingstliche Grüße von

Michael Klöcker & Udo Tworuschka.

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IV.2. Muslime in Europa von der Bundeszentrale für politische Bildung (zugesch. v. Michael Blume via Yggdrasill-Liste)

Liebe Freundinnen und Freunde des Dialoges,

häufig kommt nicht viel dabei heraus, wenn wieder einmal etwas nur "über" den Islam veröffentlicht wird, in dem nicht ein einziges Kapitel auch "von" Muslimen beigetragen wurde. Doch die Broschüre "Muslime in Europa" bildet eine sehr rühmliche Ausnahme.

Vor allem die Artikel von Jytte Klausen über die neue, muslimische Elite in der Politik Europas und auch der Artikel von Sabine Schiffer über die Mediendarstellung des Islam in Deutschland gehören zum Besten, was bisher in diesem Jahr dazu erschienen ist. Herausgeber der Zeitschrift ist niemand geringeres als die Bundeszentrale für politische Bildung, womit sich das Heft zum Zitieren auch uneingeschränkt eignet. Und das Beste: das gesamte Heft kann kostenlos als pdf heruntergeladen werden. Dabei ist noch gar nicht Weihnachten! (-;

http://www.bpb.de/publikationen/4HO5HI,0,0,Muslime_in_Europa.html

Mit herzlichen Grüssen und einer ebenso herzlichen Leseempfehlung,

Michael Blume
CIG Region Stuttgart e.V.

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IV.3. Wie Königin Europa die Welt neu entdeckt von Johannes Otto Ulrich (zugesch. v. Johannes Otto Ulrich)

Am 13. Mai präsentierte der Autor sein Werk im Frauenmusuem in Bonn im Rahmen eines von ihm organisierten euro-orientalischen Maifestes mit Musik aus Indien und den britischen Inseln. Folgende Rezension schicke er mir dann für den Rundbrief zu, gab mir aber auch ein Buch mit, damit ich auch selbst noch eine schreibe, was indes noch aussteht.


REZENSION
der euro-orientalischen Erzählung:

Wie Königin Europa die Welt neu entdeckt
Von
Johannes O. Ulrich
erschienen im Literatur Atelier Frauenmuseum Bonn, 2005
ISBN 3-928239-91-0



„Wo sind sie überhaupt, meine Europäer?“, dies fragt Königin Europa und ist bereit, dem Rat ihres Narren zu folgen, doch einmal die besten Märchenerfinder der Welt auf ihr Schloss einzuladen. Sie sollen einmal erzählen, wie Europa eine Seele und damit eine Zukunft bekommen könnte, weil dies, wie sie glaubt, weder von den Wissenschaften, noch den Priestern und Realpolitikern geleistet werden kann.
Dies ist der Ausgangspunkt einer ungewöhnlichen Erzählung. Es ist der literarische Versuch, das Panorama europäischen Denkens in Bewegung zu bringen, was, wie täglich erkennbar ist, offenbar nicht von den „Euro-Profis“ geleistet werden kann, wie in einem zum Schmunzeln anregenden Couloir-Gespräch zu erkennen ist – der Leser meint, dabei zu sein.
Das Land von Königin Europa ist auf keiner Landkarte zu finden – normalerweise. „Normale Erwachsene werden dieses Land niemals finden, sie sind blind. Nur wer die Welt und ihre Probleme nicht versteht, bekommt Zugang in ein Land, das wir alle suchen.“ Damit wird der grosse Ansatz dieser Erzählung markiert, gleich zu Beginn, im Brief des Vaters an seine Tochter, er ist gerade in Russland unterwegs auf der Suche nach neuen Märchenerfindern, die die Welt doch so brauche.
Schon hier wird erkennbar, was nicht nur langer Tradition entspricht, sondern auch auf die prophetische Kraft dieser Erzählung deutet: die Zukunft Europas von Osten her zu denken. Es zeigt sich, auch dies ist nur eine Facette der Erzählung, denn Europa ist – wie die Erzählung höchst spannend entwickelt - auf dem besten Wege, was die Königin gerne hört, erneut zu einem „Reich der Mitte“ zwischen Ost und West zu werden. Das klingt tröstlich angesichts der allgemeinen Europamüdigkeit, nur was heißt das?
Die Antwort liegt im Geschehen am Ort der Erzählung, im Thronsaal von Königin Europa. Dieser könnte als Metapher für den sozialen Laborcharakter des Alltagsgeschehens verstanden werden, also nicht als geografischer Ort, offenbar kann dieser überall sein, wo „aufgeklärte Ungläubige“ mit Muslimen zusammentreffen. Der Thronsaal scheint für eine literarische Simulation und fiktionale Fortschreibung einer verfremdeten Alltagssituation zu stehen. Gleichwohl schimmert der märchenhaft anmutende Gegenwartsbezug stets durch. Literarisierung der Gegenwart als Versuch, durch erzählende Unterhaltung zu neuem Bewusstsein über Wege nach Europa zu kommen?
Im Thronsaal treffen sich Christen und Muslime, ob Beamte, Soldaten, Diplomaten oder Menschen wie Albert, der Lastwagenfahrer, natürlich auch die vielen Ungläubigen. Sie hören, Gott ist nicht tot, wie die Philosophen sagen und die Naturwissenschaftler es nutzen: Gott lebt – aber wohin führt er das Land von Königin Europa?
Die hier demonstrierte Erzählkunst – sie erinnert etwa an die Erzählungen eines Wilhelm Hauff, an Goethes Märchen, an 1001 Nacht - eine wegen seiner Vielschichtigkeit orientalisch anmutende Erzählkunst erscheint allein angemessen, dem komplexen Thema „Europa und der Islam in Europa“ gerecht werden zu können.
Rahmenhandlung und Binnenhandlung interagieren miteinander, in fruchtbarer Produktion werden immer neue Assoziationen und Bilder hervorgebracht, die sich dem Leser gleichsam als Spiegel gegenüber stellen und ihn selbstreflexiv fordern: Was macht das mit mir? Wie stehe ich selbst zu diesen Zukunftsbildern: Wenn die europäischen Muslime als wahre europäische Patrioten gesehen werden? Wenn der katholischen Kirche – als Beitrag zur Versöhnung mit dem Islam - die grosse Aufgabe zugeteilt wird, den Islam in Europa zu integrieren?
Die Erzählung drängt die Frage auf, könnte es in der Tat so sein, das die Zukunft Europas nicht von Brüssel, nicht vom Öl, nicht vom Terrorismus, sondern von den neuen Gottsuchern bestimmt wird? Etwa von Saladin al Hakim, dem deutschen Muslim, oder auch von einem Georgios Goldmund, dem orthodoxen Diakon aus Russland – sie wollen auch gefragt werden.
Allmählich ahnen die vielen staunenden Europäer im Thronsaal von Königin Europa, dass die Suche nach der Mitte Europas einer Schatzsuche gleicht, an der alle teilnehmen müssen, auch die Russen, aber auch die europäischen Muslime – und das macht die Lektüre dieser Erzählung zu einem Leseabenteuer.
Immer mehr neue Gedankenbilder quellen hervor, etwa wenn den staunenden Europäern im Thronsaal die Bedeutung des NICHTS vermittelt wird, oder wenn Shakuntala, die indische Erzählerin, die eigentlich eine Deutsche ist – sie ist mit ihrem Elephanten Ganesha ins Schloss gekommen - träumerisch davon erzählt, wie hart der Kampf darum tobt zu verhindern, dass die Welt vom Bösen befreit wird ... „die Menschen würden es nicht aushalten können.“
Der Lesende erkennt mehr und mehr, die ganze Erzählung ist durchwoben von einem geheimnisvollen Flechtwerk politischer und spiritueller Assoziationen, die, einem unüberschaubaren Labyrinth gleich, den Lesenden in seinen Bann zu ziehen vermögen.
Grosse Lektüre ist angesagt. Das Buch könnte zur Lektüre an den Schulen avancieren. Es vermittelt querschnittliches Europawissen und – scheinbar so nebenbei - was kein Geschichtsschulbuch erzählerisch zu leisten kann: Einblicke darin, dass das heutige Europa als gross gewordenes Kind auch eines arabisch-islamischen Kulturimpulses gesehen werden muss. Diese Ehrlichkeit vor der europäischen Geschichte würde als Beitrag zur Verständigung mit den Muslimen das Miteinander der Religionen und Völker in Europa sicherlich erleichtern. Es würde auch klären, was uns Europäer eigentlich zusammenhält: Die Milchquote, der Euro oder zukunftsweisende Erzählungen wie diese, die mit Recht den Titel tragen darf: Wie Königin Europa die Welt neu (!) entdeckt.

Der Autor, Johannes Otto Ulrich, war Eurobeamter und ist heute auch als Musiker in Bonn und in Pondicherry, in Südindien zuhause.

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IV.4. Warum wir glauben. Zeit-Artikel von Ulrich Schnabel.

Wahrscheinlich werden zwar einige schon, aber nciht alle die Zeit Nr. 2005/20 gekauft und gelesen haben, aber darin steht ein wirklch interessanter Artikel über Religion, Religionspsycholgie und Hirnforschung und mein Chaf der letzten drei Jahre, Sebastian Murken kommt darin auch zu Wort. Hier der Link zur Online-Version: http://www.zeit.de/2005/20/Glauben_

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V. off-topic: Konzertrezensionen

V.1. Die Erkelteten und Rolling Wave in der Musikschule Bonn am 13.4.2005

Thomas Kannmacher – meist nur Tom genannt – ist wohl der dienstälteste Aktivist der irischen Musikszene in Bonn und hat dabei auch noch den Vorteil, dass er es als Musiklehrer in der Bonner Musikschule hauptberuflich machen kann. An diesem Abend gab es nun ein Doppelkonzert zweier Band, die aus seine Initiative zurück gehen.

Die Erkelteten sind eine Jugendband, bestehend aus sieben Jungs und Mädels im Alter um die 16 oder so. Ich hatte sie schon in der Rezension des 1. Bonner Irish Folkfestivals 2002 erwähnt, was bedeutet, dass sie tatsächlich nun seit drei Jahren aktiv sind, beharrlich üben und sich fort entwickeln. Ihre der Musiker(innen) werden mir noch nachgeliefert. Auf Uilleann Pipes, Whistles, Querflöte, Harfe, Gitarre, Geige, Bhodran und mit Gesang gaben unter Mitwirkung Toms auf Whistles und Cello ein feines, traditionelles Konzert, bei dem alles stimmte. Das klingt nun etwas sehr nach Schule, aber es ist ja auch eine Schulgruppe, und auch von anderen Schülern Toms wurde mir schon mal zugetragen, dass er eher ein Freund konservativerer Spielweisen sei, was eigentlich soviel bedeutet, dass seine irischen Vorbilder im 70er-Jahre-Folkrevival zu finden sind, wobei er vor allem Planxty gerne nennt. Aber ganz so streng, wie sich das jetzt anhört, ist es keineswegs, denn zum einen spielten sie unter den vielen Reels des Abend auch einen, den ich letztens von Foggy Stew hörte, der nach deren Info von Calico stammt und gemäß Toms Ansage „Up and down“ heißt und zwar schon in die Tradition eingegangen sei, insofern er hier und da auswendig gespielt würde, aber moderne Off-beats enthalte. Ich schreib ja auch schon, dass er mir balkanisch vorkam. Ein anderes Vorbild hörte ich aber auch aus den Arrangements heraus, noch mehr als bei den Erkelteten aber bei Rolling Wave.

Rolling Wave, die älteste bestehende Irish Folk Band Bonns gab an diesem Abend auf Geige, Uilleann Pipes, Whistles, zwei Gitarren, Bhodran und mit Gesang ihr Last Farwell, denn – so Tom – sie seien aus dem Schülerdasein herausgewachsen und passten nicht mehr in die städtische Musikschule, die ihnen Konzerte mit eigenen Einnahmen verbiete. Doe Wurzeln von Rolling Wave gehen bis 1984 zurück, und es ging noch eine andere Gruppe voraus. Den Namen erhielten sie Ende der 80er, seit wann die einzelnen Musiker(innen) dabei sind, weiß ich jetzt nicht, Stefan, der Gitarrist, seit 1989. Sie experimentierne schon mehr mit moderneren Einflüssen, aber oben erwähnten Einfluss einer altehrwürdigen irischen Formation, der Kulturbotschafter Irland schlechthin, nämlich der seit über 40 Jahren spielenden Chieftains hörte ich zuerst sehr deutlich zu Beginn eines meines Wissens schottischen Liedes namens „I have a wife of my own“ bei welchem sich Tom auf der Whistle, Sabrina auf der Geige und Näx auf der Pipe einzelne Fetzen der Melodie abwechselnd spielten und sich so gegenseitig zuwarfen. Das war für meine Ohren vielleicht der deutlichste, aber nicht der einzige Verweis auf die Häuptlinge. Dass es aber nicht darum geht, Spielweisen irischer Gruppen zu kopieren, sondern auch eigenes hinein zu bringen, zeigte Tom u.a. dadurch, dass er diesem Lied einen selbst geschriebenen deutschen Text einverleibte, um so eine Brücke zwischen Irland und Deutschland zu schlagen. Gegen Ende des Konzerts spielten und sangen die fünf ihrem Lehrer ein besonders Ständchen, und zwar hatten sie ein 30 Jahre altes Lied von Tom heraus gekramt, mit dem er damals Straßenmusik gemacht hatte. Ein Rahmen voller Rolling Wave-Fotos, eine Preisurkunde von 1994 und Dauerfreikarten für Konzerte von Ryans Airs schenkten sie ihm auch noch, bevor sie und die Erkelteten noch gemeinsam eine Abschlusssession gaben.

Ah, ich hab’s schon indirekt verraten: Rolling Wave als solche hören zwar auf, machen aber – wenn auch ohne Lehrer – als Ryans Airs weiter, und werden beim 4. BIFF auch dabei sein, inklusive Toms, allerdings „nur“ als Gastmusiker. Überhaupt geht das BIFF, das Sabrina ins Lebens rief, insofern auf Rolling Wave zurück, die ja auch die Hauptinitiatoren der Bonner Sessionszene waren. Darüber könnte man einiges schrieben, was vielleicht noch irgendwann kommt.

Dia Auflistung der Besetzung der beiden Bands kommt noch.

Infos im Internet:
http://www.Kannmachmusik.de
http://www.ryansairs.de/


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V.2. 4. Bonner Irish Folk Festival am 23.4.2005 in der Harmonie in Bonn-Endenich

Zum vierten Mal lud Sabrina Palm zum Bonner Irish Folk Festival ein. Das ursprünglich Konzept, ein Festival von Bonner Musikern für Bonner Musiker zu sein, war ja schon beim 2. BIFF durchbrochen worden, aber erstmals waren die Bonner Musiker in diesem Jahr in der Minderheit, denn von den drei Bands war nur noch eine aus Bonn. Ob so auch der gestiegene Eintrittspreis zu erklären ist, weiß ich nicht.

Ryan’s Airs eröffneten den Reigen. Wie schon in der Rezension von dem Konzert am 13.4.2005 erwähnt, ist Ryan’s Airs die Nachfolgeband von Rolling Wave und besteht aus Sabrina Palm (Fidddle), Näx = Alexander May (Uilleann Pipes, Tin Whistle, Flute, Gesang), Stefan Hennes (Gitarre, Gesang), Andrea Fritz (Gitarre, Gesang) und Andreas Schneider (Bhodrán). Stilistisch bewegen sie sich zwischen den ihnen von ihrem ehemaligen Lehrer Tom Kannmacher nahe gebrachten Einfluss von Chieftains und Planxty und moderneren Einflüssen der Bands, bei denen Michael McGoldrick mitspielt(e). Zwischen den traditionell bis jazzig interpretierten Tunes boten sie einige Lieder, nicht nur von Andrea, sondern auch von Stefan und sogar von Näx gesungen. Letzterer, der ja sonst als virtuoser Piper berühmt ist (übrigens auch zu hören in der Filmmusik der Neuverfilmung von „Das Gespenst von Canterville“), hatte während seines Studienaufenthaltes in Glasgow ein lustiges Lied über Fußballer aufgeschnappt, das wirklich gute Laune verbreitete. Andrea sang ein Antikriegslied, das ich vor allem von Clannad kenne, und Stefan eines von Dan Ar Braz, dem bekannten bretonischen Gitarristen. Extra erwähnen möchte ich aber auch das Bhodrán-Spiel von Andreas (der in o.g. Filmmusik auch mitspielt), das nämlich nicht einfach nur schnell und rhythmisch, sondern sogar melodiös ist, so wie ich es mal bei den Rezension der Flook-Konzerte beschrieben hatte. Na ja, ganz so weit wie John Joe Kelly ist er noch nicht, aber er ist auf dem richtigen Weg! Der ehemalige Lehrer kam diesmal als Gastmusiker dazu. Tom sang seine selbstgedichtete Version von „I have a wife of my own“, bei der es um einen Steit zwischen Eheleuten geht, wobei er sich ein Segelboot kaufen will, um es zu Hause in den Gemüsegarten zu stellen, wovon sie – hier von Andrea personifiziert, obwohl Toms eigene Frau im Publikum lauschte – überhaupt nicht begeistert ist.

Die zweite Band des Abends war Déirin Dé aus Hamm in Westfalen in folgender Besetztung Ann Grealy (Gesang), Thomas Hecking (Diatonisches Akkordeon), Ulrike Steinborn (Geige), Tobias Kurig (Bouzouki), Benedikt (nein, nicht XVI., sondern) Terrahe (Bodhrán) und Regina Elling (Flute und Tin Whislte). Letztere spielt ja sonst bei Friel’s Kitchen mit und war in der Formation beim 2. BIFF schon dabei und vertrat an diesem Abend den abwesenden Colman Conolly. Regina und Ann sind also trotz der sichtbaren Ähnlichkeit nicht miteinander verwandt. Ann war die einzige „echte“ Irin beim 4.BIFF. Ihr Gesang war weich und sehr voll und voluminös, geradezu operntauglich, ihr Stil sehr modern, nicht nur bei einem allgemein bekannten Popsong, den sie zwischendurch zwecks Abwechslung darbot, sondern auch z.B. bei „The Newry Highway Man“, welches eigentlich völlig neu komponiert war und nur den bekannten Text noch enthielt. Die Tunes bewegten sich hauptsächlich in dem recht harten, fast schottischen Donegal Style, den Altan-Fans (so auch ich) zu würdigen wissen. Thomas zeigte seine Qualitäten nicht nur auf dem Akkordeon, sondern auch als witziger Ansager: Was ist die westfälische Version einer Kai Pirinha? Doppelkorn auf zerstoßener Zuckerrübe. Auch wusste er von einem japanischen Flötespieler zu berichten, dessen aus der Flöte tropfendes, von einem vorher verspeisten Kugelfisch stammendes, batteriesäureähnliches Kondenswasser Löcher in seine Hose brannte. Interssant fand ich auch die Bouzouki von Tobias, denn die schien mir übergroß zu sein, und er entlockte ihr teils metallisch harte, dann aber auch wieder ganz weiche, stets aber sehr rhythmische Klänge.

Eine Bouzouki spielte auch beim dritten Act eine wichtige Rolle. Die Amsterdamer Band Kill da Goose war nach neun Stunden Fahrtzeit mit einer Reifen- und zwei Motorpannen per Mietwagen, zuletzt von Leverkusen aus per Taxi gerade noch rechtzeitig in Bonn angekommen und musste ihren Soundcheck unmittelbar vor ihrem Auftritt nachholen. So klang es anfangs auch zu hart und schrill, dass die Ohren schmerzten, aber der Tonmeister am Mischpult bekam es dann doch auf die Reihe. Kaspar Laval (Bouzouki, Gesang. Low Whislte), Stijn van Beek (Uilleann Pipes, Low Whislte), Anneke Eijekboom (Fiddle) und Dudu Puente (E-Bass) zeigten sich vor allem von der instrumentellen Seite. Stijns quirliges Pipespiel erinnerte mich teilweise an das von Eoin Dillon von Kíla. Anneke fiddelte traditioneller dazu, Dudus Bass wirkte beruhigend dabei, kam aber gegen den hellen, aufgestachelten Hauptton seiner Mitspieler kaum an. Dudu stammt übrigens aus Asturien, wo es ja auch eine (neo)keltische Musiktradition gibt. Einige der Tunes stammten indes nicht aus dem keltischen oder westeuropäischen, sondern aus dem südosteuropäischen Raum, aus Mazedonien und der Türkei. Wie aufmerksame Leser meiner Rezensionen wissen, mag ich die Musik aus dieser Gegend unseres Subkontinents sehr gerne, auch wenn ich mich da wenig auskenne. Jedenfalls scheint es derzeit in der irischen Musik Mode zu sein, die beiden Musikregionen in diversen Tunes zumeinst recht jazzig miteinander zu verschmelzen, ein Trend, der für meine Ohren Wunderbares hervorbringt. Eine der Melodien hätte ich ohne die Ansage aber als bretonisch eingestuft. Ein einziges Lied brachten sie mit: „Streched out on your grave“ von Sinéad O’Connor, das Kaspar so expressiv sang, dass ich mich an Andy Irvine erinnerte, auch wenn die Stimmlage voller und weicher war. Und Stijn begleitete ihn auf den Pipes dabei mit einer sehr komplexen, sehnsuchtsvollen Melodie, so dass mir das gesamte Arrangement durch und durch ging.

Natürlich gab es dann eine Abschlusssession aller Musiker, von Thomas Hecking „dudeln in Rudeln“ genannt. Da brummte der Saal, und Sabrina hüfte vor Freude. Ich weiß gerade nicht, wie das Stück von Michael McGoldrick heißt, das sie da unter anderem spielten, aber ich liebe es sowohl von ihm selbst gespielt, als auch von den BIFF-Musikern an diesem Abend!
Bei der anschließenden Session im Fiddler’s war ich leider nicht dabei, und kann von daher auch nichts berichten.

Infos im Netz:

http://achimweimer.de/biff/
http://www.ryansairs.de/
http://www.deirinde.de/
Von Kill da Goose gibt es leider keine Homepage.

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VI. Und noch’n Gedicht: Maiabend

Das folgende Gedicht ist für eine Veröffentlichung eigentlich viel zu privat und daher unverständlich, da mögen sich mal Exegeten dran versuchen. Aber ich veröffentliche es hier allein wegen das Datums seiner Entstehung vor genau 20 Jahren.

Maiabend

Sonnenstrahlen grünes Laub durchdringen,
mit friedlichem Klang die Glocken fern erklingen,
der Sonne warme Strahlen nun vergehen,
die Nacht bricht an, den Abendwind, den hör’ ich wehen.

Ich denke an Italien, Finnland und Amerika,
vergangene Reisen, diesen Sommer bleib’ ich da,
Erinnerungen, die mich süß umsäuseln,
und wie Wolken am Geisteshimmel sich kräuseln.

In der Villa Adriana wär’ ich gerne
oder betracht von Smålands Hünengräbern den Himmel voller Sterne,
ließ gerne meine Beine in den Canyon baumeln
und würd’ von Morgensonnelicht umstrahlt an Päijännes Ufern taumeln.

Ich denke auch an Goethe, Jesus und Atréju,
die manchmal sich in mir tummeln voller Unruh’,
sie bewegen meine Brust auf ungeordnete Weise,
nur mit Müh’ mein Geist bringt sie auf rechte Gleise.

Und wenn ich so in Phantasie und Wirklichkeit
reise durch Vergängliches und Ewigkeit,
so fühl’ ich mich mal klein und mal ganz groß,
mal bin ich fest gebunden und mal los.

Ob nun die Eichen steh’n in Lahnstein oder Poroka,
ob’s nun Los Angeles oder auch Bel Aurum war,
ob nun Kim oder Ante oder Dirk,
ob Hyperion in Griechenland oder ich am Rhein hier wirk’,

ob in der Steppenfeste Caivallon oder auf dem Übungsplatz,
ob die Marksburg nun am Rhein steht oder in ’nem Büchersatz,
sie alle, Orte, Zeiten und Personen
in meinem Herzen mächtig thronen.

Sie sind mal innen, mal außen, mal fern und mal nah,
mal vergangen, gegenwärtig oder zukünftig gar,
sie sind, ganz egal, ob dir’s gefällt,
alle Bestandteil der menschlichen Welt.

Während ich hier so dichte
über Erlebnis und Geschichte,
so singen im Abendrot die Vögel ganz nett,
es dauert nicht lang, dann geh’ ich ins Bett.

(Michael A. Schmiedel, 31.5.1985)

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In diesem Sinne wünsche ich allen, die das heute Abend noch lesen, a guats Nächtle, und überhaupt allen einen schönen Wechsel vom Frühling in den Sommer.

Ihr Michael A. Schmiedel